„Deutschland darf nicht stehen bleiben“: Sewing und Busch warnen Bundesregierung vor Stillstand

wa.deWirtschaft139 Unternehmen sagen 800 Milliarden zu – doch ihre Geduld mit der Regierung schwindetStand: 22.07.2026, 07:23 UhrKommentareUns auf Google folgenDie Initiative „Made for Germany“ zieht nach einem...

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„Deutschland darf nicht stehen bleiben“: Sewing und Busch warnen Bundesregierung vor Stillstand

139 Unternehmen sagen 800 Milliarden zu – doch ihre Geduld mit der Regierung schwindet

Stand: 22.07.2026, 07:23 Uhr

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Die Initiative „Made for Germany“ zieht nach einem Jahr Bilanz: 139 Unternehmen, 800 Milliarden Euro Investitionszusagen. Doch Roland Busch und Christian Sewing (Deutsche Bank) schlagen trotzdem Alarm.

Berlin – Deutschland ist das einzige Land, das die Arbeitszeit auf den Tag regelt statt auf die Woche. Diese Spitze von Siemens-Chef Roland Busch sitzt und zeigt, wie frustriert Deutschlands Konzernlenker mit dem Reformtempo der Bundesregierung sind.

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Ein Jahr nach dem Start von „Made for Germany“ haben sich die Investitionszusagen von 600 auf über 800 Milliarden Euro erhöht, 139 statt ursprünglich 61 Unternehmen machen mit. Trotzdem herrscht Unzufriedenheit.

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Die Initiative „Made for Germany“ zieht nach einem Jahr Bilanz. © IMAGO/Achille Abboud

„Das kann nur der Anfang sein“, sagte Deutsche-Bank-CEO Christian Sewing laut Handelsblatt. Das jüngst beschlossene Reformpaket der Bundesregierung – Einkommensteuerreform, Lockerungen im Arbeitsrecht, Krankschreibung ab Tag eins – sei richtig, aber längst nicht ausreichend.

„Deutschland darf nicht stehenbleiben. Wir brauchen mehr Tempo, mehr Mut“, so Sewing. Ende September soll es ein Treffen mit der Bundesregierung geben, bei dem über weitere Reformen gesprochen wird.

Investitionen gibt es nur mit Gegenleistung

Die 800 Milliarden Euro klingen beeindruckend, doch Busch dämpft die Euphorie: „Wir sehen, dass diese Investitionen kommen, aber nicht bedingungslos“, wie das Handelsblatt berichtet. Viele der angekündigten Projekte waren ohnehin in der Planung. Die Unternehmen bekannten sich nun dazu, sie auch wirklich zu realisieren – vorausgesetzt, die Rahmenbedingungen stimmen.

Siemens selbst hatte zunächst eine Milliarde Euro zugesagt, legte vor wenigen Wochen aber nochmal 300 Millionen drauf: Ein Schaltanlagenwerk in Frankfurt und ein Zulieferstandort in Offenbach sollen bis 2030 rund 700 neue Jobs schaffen.

Auch ausländische Investoren zeigen laut Sewing verstärktes Interesse an Deutschland – er spricht von „substanzieller dreistelliger Milliardenhöhe“. Das Reformpaket habe „die Zuversicht internationaler Investoren deutlich gestärkt“, sagte der Deutsche-Bank-Chef gemäß WirtschaftsWoche. Doch die Botschaft ist klar: Ohne weitere Schritte verpufft dieser Effekt.

Was die Konzernchefs jetzt fordern

Die Forderungen von Busch und Co. sind konkret. Erstens: Arbeitszeitflexibilisierung. „Deutschland ist das einzige Land, das die Arbeitszeit auf den Tag regelt, nicht auf die Woche“, kritisierte Busch laut Handelsblatt. Zweitens: Die Teilzeitquote müsse sinken. „In der Summe müssen wir in Deutschland mehr arbeiten.“ Drittens: Die Sozialabgaben seien „schlichtweg zu hoch“.

Viertens: In den Wirtschaftsbeziehungen mit China forderte Busch mehr Gegenseitigkeit – chinesische Unternehmen sollten etwa in die Batteriefertigung in Deutschland investieren. Die Dringlichkeit ist nachvollziehbar: Bei Volkswagen könnten bis zu 100.000 Stellen wegfallen, einer Studie zufolge drohen allein 2025 rund 100.000 Industriejobs zu verschwinden [WirtschaftsWoche].

Viele Unternehmen prüfen die Verlagerung von Geschäften ins Ausland. Die Initiative „Made for Germany“ sollte ein Gegengewicht setzen – doch die Geduld schwindet.

Business Punk Check

800 Milliarden Euro klingen nach Powerplay, sind aber vor allem Psychologie. Die meisten Investitionen waren längst geplant, jetzt werden sie als Standortbekenntnis verkauft. Clever: Die Unternehmen schaffen damit politischen Druck, ohne echtes Risiko einzugehen. Doch die Forderungen sind berechtigt.

Deutschlands Arbeitszeitregeln sind ein Relikt aus dem letzten Jahrhundert, die Teilzeitquote bremst das Wachstum, die Sozialabgaben fressen Wettbewerbsfähigkeit. Das Reformpaket der Regierung ist ein Anfang, aber Busch und Sewing haben recht: Es fehlt an Mut.

Ohne radikale Schritte – etwa eine echte Arbeitszeitflexibilisierung oder massive Entlastungen bei den Lohnnebenkosten – wird Deutschland im internationalen Wettbewerb weiter zurückfallen. Die 800 Milliarden? Werden nur fließen, wenn Berlin liefert.