36 Grad in Berlin: Hält der 45.000-Euro-Cooling-Point, was er verspricht?
Ein wenig mau sieht es auf den ersten Blick schon aus. 45.000 Euro hat der Cooling Point gekostet, und wirklich viel zu sehen gibt es nicht: ein paar überdachte Holzwürfel und -quader zum Sitzen, Pflanzen, und ...
- 4 min read
Ein wenig mau sieht es auf den ersten Blick schon aus. 45.000 Euro hat der Cooling Point gekostet, und wirklich viel zu sehen gibt es nicht: ein paar überdachte Holzwürfel und -quader zum Sitzen, Pflanzen, und zwei Wasserinstallationen. Kommt der Cooling Point im Mauerpark heute, bei 36 Grad, auf seine Kosten?
„Wir sind ständig hier“, sagt Jasmin B., während ihr Kind im Sprühnebel steht. Die Anwohnerin aus der Nähe hat heute frei und ist mit ihrer Familie zum Skaten in den Park gegangen, bevor die Nachmittagshitze kommt. Gestern habe sie eine halbe Stunde hier im Schatten gesessen, während ihr Kind sich im Sprühnebel erfrischt habe. Auch Zoe B. stimmt ihr zu: „Bei heißem Wetter ist es hier angenehmer, eine kleine Oase.“ Vor allem Kinder nutzten das.
Cooling Point im Mauerpark: Viel zu sehen gibt es nicht, doch die Leute vor Ort sind zufrieden.
© Kate Schultze für Berliner Zeitung
Der Star des Ensembles, das fällt bei allen Besucherinnen und Besuchern des Cooling Points auf, ist die seit diesem Jahr neue Vernebelungsanlage. Das Kind der beiden drückt erneut auf den Knopf an der Säule, und für eine knappe Minute kommt feiner Sprühnebel aus Trinkwasser in alle Richtungen.
Plagegeister
Wespenplage in Berlin: Diesen einen Fehler machen fast alle
Pilotprojekt für Extrembedingungen
Für den heutigen Donnerstag in Berlin hat der Deutsche Wetterdienst eine amtliche Hitzewarnung ausgegeben – so wie für fast ganz Deutschland. Das Land ächzt unter der nächsten Hitzewelle und sucht händeringend nach Antworten, um diese Temperaturen im Alltag erträglich zu machen. Befindet sich hier, am Eingang zum Mauerpark an der Bernauer Straße, die Lösung?
Hitzewelle
37 Grad und Hitzewarnung: Diese fünf Orte bleiben auch jetzt angenehm kühl
Als Pilotprojekt der Berliner Hitzeschutzstrategie wurde der Cooling Point im Juli 2025 eröffnet. Gemeinsam initiierten das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) und die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege den Bau im Mauerpark.
Erprobt werden soll, „wie sich die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum unter sommerlichen Extrembedingungen verbessern lässt – unkompliziert, niedrigschwellig und sozial gerecht“, teilt die Stadt auf ihrer Internetpräsenz mit.
Jasmin B. und Zoe B. sind mit ihrem Kind gekommen, um sich abzukühlen.
© Kate Schultze für Berliner Zeitung
Gemischte Gefühle
„Es ist ein gutes Experiment, um zu gucken, ob es funktioniert“, findet Mauro I. Der 46-jährige Fahrradkurier ist auf seiner Route schnell vorbeigekommen, um sich zu erfrischen. An den meisten Tagen ist er acht Stunden auf dem Rad. In seinem Kopf habe er schon eine kleine Karte von den Trinkwasserbrunnen, an denen er regelmäßig vorbeifährt. „Jedes Jahr braucht es mehr“, meint er.
Mit gemischten Gefühlen allerdings blicken er und andere Besucher auf die Kostenfrage. „Oh, das ist schon ordentlich“, reagiert er auf den genannten Preis von 45.000 Euro. „Daumen hoch, aber das kann man auch billiger machen“, findet Wolfgang A., der ebenfalls kurz vom Rad absteigt, um sich in den Sprühnebel zu stellen.
Ernährung bei Hitze
Berlin schwitzt: Die idealen Rezepte für 37 Grad – dieser DDR-Klassiker kühlt am besten
Deutliche Kritik an Kosten
Die Resonanz auf den Cooling Point war im letzten Jahr seit der Eröffnung durchwachsen: Schon etwa einen Monat nach der Einweihung letztes Jahr wurde der Ort Opfer von Vandalismus: Unbekannte entwendeten etliche Pflanzen.
Ob der Vandalismus Selbstzweck oder Kritik am Vorhaben war, bleibt ungeklärt. Ausdrückliche und strenge Kritik kam derweil vom Bund der Steuerzahler. Er kritisiert „die vermeintliche Klimaschutzmaßnahme als komplett verfehlt und als ärgerliche Steuergeldverschwendung“. Die 45.000 Euro, zu denen noch laufende Kosten kommen, sind dem Bund wie den Passanten heute zu viel.
Eine Mutter steht mit ihrem Kind im Sprühnebel.
© Kate Schultze für Berliner Zeitung
Kritiker bemängeln zudem, dass die Anlage mit Schattenplätzen, Begrünung und Trinkbrunnen nur eine kleine Fläche abdeckt und daher nur wenigen Menschen gleichzeitig zugutekommt. Auch der Standort im bereits teilweise schattigen Mauerpark wird hinterfragt. Stattdessen wird gefordert, vergleichbare Maßnahmen in besonders stark versiegelten und hitzebelasteten Stadtgebieten umzusetzen.
Sind die Berliner zu undankbar?
„Es wird nicht wertgeschätzt, das ist das Problem leider“, schließt Zoe B., die sich mit ihrer Familie immer noch zufrieden am Cooling Point aufhält. Auch Wolfgang A., einer der Fahrradfahrer, meint, der Ort bekomme keine angemessene Würdigung.
Mauro I. macht auf seiner Tour als Fahrradkurier kurz Pause und füllt seine Flasche auf.
© Kate Schultze für Berliner Zeitung
Dabei bestätigen zwei Mitarbeiter des Parks, die unter anderem den Cooling Point regelmäßig kontrollieren, der Berliner Zeitung: Das Angebot wird von vielen Leuten genutzt. Und doch hört die öffentliche Kritik nicht auf.
Vom reinen Nutzen her stimmen dann aber alle Befragten in einer Sache überein: Es brauche mehr davon in Berlin.
Lesen Sie mehr zum Thema