Acht Reihenhäuser für gemeinschaftliches Wohnen im Neubaugebiet

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Acht Reihenhäuser für gemeinschaftliches Wohnen im Neubaugebiet

Stand: 22.07.2026, 06:30 Uhr

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Anfang des Jahres ist an der Ecke Walsroder Weg/Celler Weg noch eine Wiese gewesen, mittlerweile nimmt der Neubau mit acht Wohneinheiten Formen an.

Anfang des Jahres ist an der Ecke Walsroder Weg/Celler Weg noch eine Wiese gewesen, mittlerweile nimmt der Neubau mit acht Wohneinheiten Formen an. © Holger Heitmann

Am Walsroder Weg in Rotenburg entstehen barrierefreie Häuser vorwiegend für Bewohner ab 55 Jahren. Diese teilen sich einen 16 Quadratmeter großen Gemeinschaftsraum.

Rotenburg – Joachim Cordes und zwei seiner Bauherrn beugen sich über ein rotes Klemmbrett, auf dem sich Cordes Notizen für eine To-do-Liste gemacht hat. Die drei Männer stehen mitten in einem Rohbau zwischen einer Rolle Dämmmaterial und einer Euro-Palette, auf der Fensterrahmen für den Einbau bereitstehen. Im Oktober möchten die ersten Menschen einziehen, berichtet Cordes, auch wenn das auf der Baustelle derzeit noch nach einem sportlichen Unterfangen aussieht. Er ist der Projektentwickler für acht Reihenhäuser an der Ecke Walsroder Weg/Celler Weg im Rotenburger Neubaugebiet an der Brockeler Straße. Das Besondere: Die Wohnanlage ist gedacht für gemeinschaftliches Wohnen, Motto: „Jeder für sich, aber doch nicht allein.“. Und: Die allesamt ebenerdigen Häuser sind Bewohnern vorbehalten, die älter als 55 Jahre sind oder einen anderweitigen Anspruch geltend machen können. Sonst würden Strafzahlungen fällig, denn das war Bedingung der Stadt, die dafür das Grundstück günstig verkauft hatte.

Doch Cordes hatte keine Mühe, genügend Interessierte zu finden, die die Anforderungen der Stadt erfüllen. „Ich könnte diese Anlage anderswo nochmal bauen“, sagt der Architekt mit Blick auf den Bedarf, ein entsprechendes Grundstück vorausgesetzt. Zumal aus den am Walsroder Weg geplanten elf Wohneinheiten nur acht wurden. Die zunächst vorgesehenen Dachwohnungen widersprachen dem Bebauungsplan, eine Änderung des B-Plans hätte Zeit und Geld gekostet. Zumal der für März 2025 avisierte Baubeginn sich ohnehin verzögert hatte, aus juristischen und verwaltungstechnischen Gründen, so Cordes. Nun geht es aber voran, zur Freude von Mit-Bauherr Günter Edlich. Er wird mit seiner Frau in eines der Objekte ziehen, der Umzug innerhalb Rotenburgs ist bewusst geplant. Breite Türen, mit einem Rollstuhl unterfahrbare Waschbecken, in den Häusern wurde viel auf Barrierefreiheit geachtet. Edlich will ein Zuhause, von dem er weiß, dass seine Frau und er dort die nächsten Jahrzehnte wohnen können.

Andreas Dutt (v.l.), Günter Edlich und Joachim Cordes freuen sich auf den Beginn des gemeinschaftlichen Wohnens am Celler Weg noch in diesem Jahr.

Andreas Dutt (v.l.), Günter Edlich und Joachim Cordes freuen sich auf den Beginn des gemeinschaftlichen Wohnens am Celler Weg noch in diesem Jahr. © Holger Heitmann

Edlich kennt schon fast alle, die in den sieben anderen Reihenhäusern leben werden. Mit einem hat er bereits die gemeinsame Liebe fürs Musikmachen entdeckt. Vielleicht spielen die beiden im kommenden Jahr zusammen im Gemeinschaftsraum auf ihren Instrumenten. Etwas abseits der Häuser entsteht ein 16 Quadratmeter großer Bau, dem derzeit noch das Dach fehlt, wo die Bewohner aber künftig miteinander frühstücken, Karten spielen können, ganz wie sie wollen. „Man sieht nacheinander“ und passe aufeinander auf, so stellt sich Andreas Dutt das vor. Dutt ist ein weiterer Bauherr, der gerade den Fortschritt auf der Baustelle verfolgt.

Cordes meint, auch die Preise steigen weiter, für das Projekt am Walsroder Weg seien die Kosten noch im Rahmen. Für die Fenster würde man mittlerweile schon 15 Prozent mehr bezahlen, sagt der Unterstedter und deutet in Richtung der Euro-Palette. Er weiß aber auch, dass Grundstücks- und Mietpreise gerade ebenfalls durch die Decke gehen. Der Kaufpreis für einen Quadratmeter Grundstücksfläche liege in Rotenburg bei bis zu 300 Euro, Mietpreise lägen oft bei mindestens 12 Euro – auch wenn die nicht immer durchsetzbar seien, weil sie beileibe nicht jeder zahlen könne.

Fenster werden rund 15 Prozent teurer, rechnet Projektentwickler Joachim Cordes vor.

Fenster werden rund 15 Prozent teurer, rechnet Projektentwickler Joachim Cordes vor. © Holger Heitmann

Gleichzeitig gebe es steuerliche Vorteile, wenn Gebäude nach sozialen und ökologischen Standards entstehen. Sein Projekt beinhaltet Grasdachbegrünung, moderne Lüftungskonzepte, Photovoltaik sowieso. Das Baumaterial kommt möglichst aus der Region, Energie aus der Fernwärme der benachbarten Kita mit Biogasanteil. So versuche Cordes, die Ausgaben im Rahmen zu halten. Er biete seit 45 Jahren gemeinschaftliches Wohnen an, sieht sich also, auch wenn er es so nicht sagt, als Vorreiter. Angefangen habe er mit Projekten in Hannover, mittlerweile hat er in den Dörfern rund um Rotenburg genug zu tun, damit die Menschen im hohen Alter nicht aus ihrer Ortschaft in eine größere Stadt ziehen müssten.

Auch wenn man gemeinschaftliches Wohnen nicht mit betreutem Wohnen verwechseln dürfe, wo Kirche, Pädagogen oder Pflegedienstleister im Boot seien, kümmerten sich die Bewohner in solchen Nachbarschaften um sich selbst, aber auch ein bisschen um alle anderen mit.

Karten spielen, gemeinsam frühstücken, zusammen musizieren: Auf 16 Quadratmeter entsteht für die künftigen Bewohner der Anlage ein Gemeinschaftsraum.

Karten spielen, gemeinsam frühstücken, zusammen musizieren: Auf 16 Quadratmeter entsteht für die künftigen Bewohner der Anlage ein Gemeinschaftsraum. © Holger Heitmann

Für den Neubau am Celler Weg war zunächst der Plan, dass Investoren die Häuser kaufen und dann an Ü-55-Bewohner vermieten. Rotenburgs Politik und Verwaltung hatten 2025 jedoch beschlossen, die Vorgabe aufzuweichen, die offenbar an der Nachfrage vorbeiging. Mittlerweile ist es so, dass sechs von acht Wohneinheiten Menschen gehören, die selbst einziehen werden, nur noch zwei Eigentümer wollen vermieten. Die Bauherrn, die die Wohneinheiten nicht allein, sondern gemeinsam umsetzen, sparen so an der Grunderwerbssteuer. Allerdings gebe es Banken, so Cordes, die den etwas höheren bürokratischen Aufwand scheuen, gemeinschaftliches Wohnen zu finanzieren, vielleicht auch Sorge hätten, dass es Probleme geben könnte, wenn ein Bauherr abspringt oder sich übernommen hat.

Crodes teilt diese Sorge anscheinend nicht. Er arbeite mit der Sparkasse Rotenburg Osterholz gut zusammen. Ein Projekt, das ähnlich wie das am Celler Weg konzipiert, aber schon fertig ist, gibt es am Stockforthsweg, in einem weiteren Rotenburger Neubaugebiet. Jeweils ein bis zwei Personen, die auf jeweils rund 75 bis 85 Quadratmetern wohnen, so lautet das Konzept. Wobei die Häuser zwar ähnlich, aber alle auch individuell gebaut und eingerichtet werden, vom Extra-Einbau bis zur Zwischenwand, die auf Wunsch weggelassen wird. Viele wollten sich verkleinern, das 250-Quadratmeter-Haus mit großem Garten wachse manchem über den Kopf. Der 72-jährige Cordes ist selbst nicht unter den Bauherren und sagt von sich selbst mit Blick auf sein Einfamilienhaus: „Ich habe den Zug für mich auch fast verpasst.“