Angriff in DB-Regionalzug - Sicherheitsmann aus Bahn gestürzt – mutmasslicher Täter frei

Ein Sicherheitsmitarbeiter der Deutschen Bahn ist am Freitagabend bei einem Streit mit einem Passagier aus einem fahrenden Zug gestürzt und wurde dabei lebensgefährlich verletzt. Gegen den Passagier wurde ei...

  • 3 min read
Angriff in DB-Regionalzug - Sicherheitsmann aus Bahn gestürzt – mutmasslicher Täter frei
  • Ein Sicherheitsmitarbeiter der Deutschen Bahn ist am Freitagabend bei einem Streit mit einem Passagier aus einem fahrenden Zug gestürzt und wurde dabei lebensgefährlich verletzt.
  • Gegen den Passagier wurde ein Haftbefehl beantragt. Der vorbestrafte Mann wurde aber nach einem Gerichtsentscheid freigelassen, wie die Staatsanwaltschaft Karlsruhe mitteilte.
  • Ein Überwachungsvideo hat laut dem Amtsgericht Zweifel am Tatablauf aufkommen lassen. Darum sei der Haftbefehl gegen den Tatverdächtigen abgelehnt worden.

Ein 26 Jahre alter Sicherheitsmitarbeiter der Deutschen Bahn war laut der Staatsanwaltschaft Karlsruhe mit einem weiteren Kollegen zu einer Billettkontrolle gerufen und von einem 36-jährigen Passagier attackiert worden.

Nach Schlägen und Tritten stürzte der Sicherheitsmitarbeiter aus dem mit rund 120 Kilometern pro Stunde fahrenden Regionalzug in Richtung Karlsruhe und erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Er wurde bei Ettlingen-Bruchhausen neben den Gleisen schwer verletzt gefunden und wurde ins Spital gebracht. Sein Zustand sei stabil, aber weiter kritisch, sagte ein Polizeisprecher.

Ein Zug hält nachts an einem beleuchteten Bahnsteig.
Legende:

Bahnhof in Ettlingen-Bruchhausen: Kurz vor dem Bahnhof ist ein Sicherheitsmitarbeiter der Deutschen Bahn bei einer gewaltsamen Auseinandersetzung aus einem fahrenden Zug gestürzt und lebensgefährlich verletzt worden.

KEYSTONE / DPA, Melanie Keul

Ein Überwachungsvideo der Deutschen Bahn hat laut dem Amtsgericht Karlsruhe Zweifel am Tatablauf aufkommen lassen. Das sei einer der Gründe gewesen, weshalb das Gericht den von der Staatsanwaltschaft beantragten Haftbefehl gegen den 36 Jahre alten Tatverdächtigen abgelehnt habe, teilte das Gericht mit.

Gericht zweifelt am geschilderten Tatvorgang

Der Haftrichter habe das Überwachungsvideo nach der Anhörung des Beschuldigten gesehen. Welche Erkenntnisse sich daraus ergeben, liess das Gericht offen. Der Ablauf der Tat sei weiterhin Gegenstand der Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft. Nach Einschätzung des Haftrichters fehlt der für einen Haftbefehl notwendige dringende Tatverdacht.

Zudem habe sich herausgestellt, dass der Beschuldigte entgegen den Angaben im Antrag für den Haftbefehl einen festen Wohnsitz habe, familiär gebunden sei und einer Vollzeitbeschäftigung nachgehe. Damit habe auch kein ausreichender Haftgrund wie Fluchtgefahr vorgelegen.

Eskalation bei Billettkontrolle

Nach Angaben der Ermittler sei die Billettkontrolle Auslöser der Auseinandersetzung gewesen. Nach einem verbalen Streit mit dem Zugbegleiter seien zwei Mitarbeiter der DB-Sicherheit hinzugezogen worden. Der 36-jährige Fahrgast soll daraufhin die beiden Sicherheitskräfte beleidigt haben.

Der Passagier schlug mit Fäusten auf den Sicherheitsmitarbeiter ein und trat nach ihm. Während des Gerangels prallten beide mehrmals gegen eine Zugtür. Als der Sicherheitsmitarbeiter den am Boden liegenden Mann wieder hochziehen wollte, soll dieser ihm einen heftigen Tritt versetzt haben, worauf er rückwärts gegen die Tür stürzte. Laut den Ermittlern fiel der Bahnmitarbeiter aus dem fahrenden Zug.

Deutsche Bahn verurteilt Angriff

Die Bahn äusserte sich betroffen. «Wir verurteilen den Angriff am gestrigen Abend in einer Regionalbahn aufs Schärfste», sagte eine Bahnsprecherin. «Unsere Gedanken sind bei dem Verletzten.»

Der schreckliche Vorfall zeige erneut auf dramatische Weise, «dass verbale und körperliche Übergriffe auf das Zugpersonal eine neue, lebensgefährliche Dimension erreicht haben», sagte ein Vertreter der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft. «Dass erneut einer unserer Kollegen nach einer einfachen Fahrkartenkontrolle im Krankenhaus um sein Leben ringen muss, macht uns fassungslos und wütend.»