Argentinien rüpelt sich durch die WM: „Bitte nicht als Vorbild nehmen!“
Christoph Kramer ist ein Freund des schönen Spiels. Als TV-Experte des ZDF ließ er während der WM keine Gelegenheit aus, zu betonen, wie sehr ihm die Spielweise der Spanier imponieren würde. Der Fußball, den di...
- 3 min read
Christoph Kramer ist ein Freund des schönen Spiels. Als TV-Experte des ZDF ließ er während der WM keine Gelegenheit aus, zu betonen, wie sehr ihm die Spielweise der Spanier imponieren würde. Der Fußball, den die Iberer im größten Turnier der Welt boten, war zwar selten spektakulär, dafür aber unglaublich dominant. Der Ball, das war schnell sichtbar, war der Freund eines jeden einzelnen Spielers im Kader.
Um ein Fußballspiel oder gar ein ganzes Turnier siegreich zu gestalten, darf man allerdings auch andere Strategien anwenden. Wenn sie im Rahmen des Erlaubten bleiben. „Ich mag generell Mannschaften wie Argentinien, die wissen, wie sie gewinnen. Auch mit teilweise unfairen Mitteln“, referierte Kramer am späten Sonntagabend nach Abpfiff des WM-Endspiels, das Spanien durch ein Tor von Ferran Torres in der Verlängerung mit 1:0 gegen die Südamerikaner gewonnen hatte. Dann allerdings kam das große ‚Aber‘. „Heute – und auch schon während des Turniers – haben sie den Bogen ein bisschen überspannt. Dieses WM-Finale gucken unglaublich viele Kinder und Jugendliche. Jeder, der unter 18 ist, sollte sich an Argentinien bitte kein Vorbild nehmen“, sagte Kramer.
WM 2026
„Ein gebrochenes Herz für Lionel Messi“: Die Pressestimmen zum WM-Finale
Anlass für die Ausführungen des Weltmeisters von 2014 war in erster Linie eine Szene nach Abpfiff, als Leandro Paredes rasend vor Wut auf den spanischen Ersatzspieler Gavi losging. Ob der Spieler der Boca Juniors zuvor provoziert worden war, ließ sich nicht auflösen. Schnell bildete sich allerdings ein Rudel an anderen Spielern und Funktionären, das verhinderte, dass die Situation komplett eskalierte.
Messi hätte schon im ersten Spiel Rot sehen müssen
Die Gemengelage nach Abpfiff spiegelte dabei nur das wider, was sich schon im gesamten Turnierverlauf angedeutet hatte. Gleich im Auftaktspiel, das Argentinien durch einen Hattrick von Lionel Messi mit 3:0 gegen Algerien gewann, hätte der beste Spieler der Welt eigentlich des Feldes verwiesen werden müssen. Mit offener Sohle traf er seinen Gegenspieler von hinten, der Schiedsrichter ließ Gnade vor Recht ergehen.
Während des Halbfinals gegen England, das die Albiceleste dank zweier später Tore noch mit 2:1 gewann, echauffierte sich Thomas Tuchel schon während des Spiels immer wieder über ausbleibende Sanktionierungen für argentinische Foulspiele. Der englische Nationaltrainer tobte am Seitenrand, weil der bis Sonntag amtierende Weltmeister immer wieder ohne Verwarnung davonkam. Es erscheint unglaublich, dass Enzo Fernández in der Nachspielzeit des Finals der erste Argentinier war, der vorzeitig des Feldes verwiesen wurde.
Enzo Fernández (r.) wird im WM-Finale vorzeitig vom Platz gestellt.
© IMAGO/Latin Sport Images
Keine Frage, Argentinien hatte sich die Teilnahme am Endspiel in erster Linie durch riesige Mentalität und einen unbändigen Siegeswillen verdient. Gegen Ägypten lag die Mannschaft im Achtelfinale zehn Minuten vor Schluss noch 0:2 zurück, siegte letztlich 3:2. Gegen Kap Verde und die Schweiz behielt die Mannschaft von Trainer Lionel Scaloni in der Verlängerung die Nerven. Nur immer dann, wenn die Gegner fußballerisch ein wenig mehr zu bieten hatten, wurde es unfair. Nicht nur für den Geschmack von Christoph Kramer zu unfair.
Lesen Sie mehr zum Thema