Ausstellung in Hamm in der Kritik: „Die eine Katze mag’s, die andere nicht“
wa.deHammStand: 06.08.2026, 17:48 UhrKommentareUns auf Google folgenDie Rassekatzenausstellung in den Zentralhallen Hamm steht an. Doch die Veranstaltung trifft nicht nur auf Interesse, sondern auch auf Kritik....
- 4 min read
Stand: 06.08.2026, 17:48 Uhr
Kommentare
Die Rassekatzenausstellung in den Zentralhallen Hamm steht an. Doch die Veranstaltung trifft nicht nur auf Interesse, sondern auch auf Kritik.
Hamm – Perserkatzen, Maine Coons, Bengalen: Am Wochenende, 8. und 9. August, werden sie und viele weitere seltene Katzenrassen in den Zentralhallen ausgestellt und von internationalen Preisrichtern nach offiziellen Rassestandards bewertet. Die einen freuen sich auf einen Tag voller Miezen und den Austausch mit anderen Felinen-Liebhabern, die anderen stehen der internationalen Rassekatzenausstellung des Deutschen Edelkatzenzüchter-Verbandes (DEKZV) kritisch gegenüber.

Die Tierrechtsorganisation Peta veröffentlichte zuletzt eine Mitteilung, in der sie die anstehende Veranstaltung scharf kritisiert: Die ausgestellten Tiere seien häufig Qualzuchten – also Rassen, die absichtlich auf Farben und Formen gezüchtet werden, auch wenn die Katzen ihr Leben lang litten und oft schwer krank seien. Dazu würden bei Veranstaltungen ausgestellte Katzen oft in kleinen Boxen ohne Platz für Bewegung und Rückzug ausharren und stünden unter starkem Stress.
Rückzugsorte seien „zwingend vorgeschrieben“
„Für uns ist selbstverständlich, dass bei allen Veranstaltungen die geltenden gesetzlichen Vorgaben und tierschutzrechtlichen Bestimmungen eingehalten werden müssen“, äußert sich Jens Heusener, Veranstaltungsleiter der Zentralhallen. „Davon gehen wir auch bei dieser Veranstaltung aus. Die Einhaltung dieser Vorschriften liegt in der Verantwortung des Veranstalters sowie der zuständigen Behörden.“
„Ein Rückzugsort ist bei uns zwingend vorgeschrieben“, betont Monika Francé, 1. Vorsitzende des Veranstalters, dem DEKZV. Die Aussteller würden ihre Tiere in sogenannten „Sturdies“ mitbringen; größere Boxen aus blickdichtem Stoff, in denen die Katzen ein Bett, ein Katzenklo sowie Wasser und Futter haben, sich bewegen, aufrichten und auch vor den Blicken der Besucher verstecken könnten. „Wir achten darauf, dass das eingehalten wird“, so Francé.
„Dazu nehmen die Aussteller keine Tiere mit, für die die Veranstaltung Stress bedeutet. Wenn ein Tier auffällig Stress zeigt und der Aussteller nichts unternimmt, greift die Veranstaltungsleitung ein“, fügt sie hinzu. „Es sind ja alles Individuen: Die eine Katze mag’s und die andere nicht.“ Zudem, so erklärt sie, fahren viele Züchter „vielleicht dreimal im Jahr – also sechs Tage“ zu Ausstellungen wie die in Hamm: „Den Rest der Zeit lebt das Tier im Wohnzimmer auf der Couch.“
Das Thema „Qualzucht“ betrachtet die Vorsitzende zunächst nüchtern: „Die Gesetzgebung schreibt vor, was erlaubt ist und was nicht – und daran halten wir uns.“ Dabei stehe der Fokus der bevorstehenden Ausstellung nicht auf der Zucht von Katzen, sondern auf der reinrassigen Schönheitskompetition – es gäbe auch Aussteller, die keine Züchter sind, sondern einfach ihre Katze präsentieren möchten. „Wahre Qualzuchten“, so erklärt Francé, „dürfen bei uns nicht ausgestellt werden“; darunter zum Beispiel die Scottish Fold. Und etwa bei der Devon Rex, einer Rasse mit gelocktem Fell, werde für die Ausstellung darauf geachtet, dass die ausgestellten Tiere Schnurrhaare besitzen.
Peta verweist auf volle Tierheime
In ihrer Pressemitteilung weist die Organisation Peta im Hinblick auf Züchter zudem auf die Situation in Tierheimen hin: „Um die Nachfrage nach bestimmten ‚Rassen‘ zu befriedigen, ‚produzieren‘ Züchter weiterhin reichlich Nachwuchs – dabei warten jährlich allein in Deutschland hunderttausende Tiere im Tierheim auf ein neues Zuhause“, heißt es. Monika Francé vom DEKZV argumentiert hier mit den Wünschen der Käufer – wer etwa unbedingt eine Katze mit blauen Augen möchte, wende sich eben an einen Züchter, wenn es keine im Tierheim gibt. „Im Tierheim ist auch vollkommen unbekannt, was den Tieren zuvor passiert ist“, sagt sie. „Es kann sein, dass man da eine Odyssee vor sich hat.“

Die grundsätzliche Kritik, die Peta hier im Hinblick auf die Ausstellung aufgreift, nehmen die Zentralhallen zur Kenntnis, so Jens Heusener. Sie könnten und werden die Debatte als Vermieter der Veranstaltungsflächen jedoch nicht bewerten.
Die Organisation Peta selbst ist – wie die Rassekatzenausstellung – nicht unumstritten und stößt seit Jahrzehnten, etwa mit ihren provokanten Tierschutzkampagnen und -aktionen, auf Kritik.