Auszeichnungen auf der San Diego Comic-Con: Diese prämierten US-Comics gibt es auch auf Deutsch

Der FBI-Agent John Jones verfügt nach einer Explosion plötzlich über eine besondere Fähigkeit: Er kann eine Verbindung zu einem außerirdischen Wesen aufbauen. Menschliche Emotionen und verborgene psychische Ung...

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Auszeichnungen auf der San Diego Comic-Con: Diese prämierten US-Comics gibt es auch auf Deutsch

Der FBI-Agent John Jones verfügt nach einer Explosion plötzlich über eine besondere Fähigkeit: Er kann eine Verbindung zu einem außerirdischen Wesen aufbauen. Menschliche Emotionen und verborgene psychische Ungleichgewichte nimmt er fortan als Farben und Rauch wahr und wird in einen metaphysischen Kampf gegen gesellschaftlichen Hass und zerstörerische Ideen hineingezogen.

Die surrealistische Psycho-Horrorserie „Absolute Martian Manhunter“ ist einer der großen Gewinner bei der Verleihung der diesjährigen Eisner Awards, der wichtigsten Auszeichnung der US-Comicbranche. Diese nach dem Zeichner Will Eisner benannten Ehrungen, die eine Art Oscar der Comic-Szene sind, wurden in der Nacht zu Sonnabend auf der San Diego Comic-Con International vergeben. Die gilt als die weltgrößte Messe für Comics und Popkultur. Hier gibt es alle ausgezeichneten Titel im Überblick.

Die von Autor Deniz Camp und Zeichner Javier Rodriguez geschaffene Reihe „Absolute Martian Manhunter“, die visuell durch psychedelische Layouts und eine experimentelle Bildsprache besticht, wurde in vier Kategorien ausgezeichnet: beste nicht fortlaufende Serie, bester Zeichner, bestes Titelbild sowie bestes Lettering.

Titelbild des deutschen Sammelbandes mit den ersten sechs Folgen der Comicreihe „Absolute Martian Manhunter“. Foto: Panini Comics
Das Titelbild des deutschen Sammelbandes mit den ersten sechs Folgen der Comicreihe „Absolute Martian Manhunter“.

© Panini Comics

Anfang des Jahres ist „Absolute Martian Manhunter“ beim Stuttgarter Panini-Verlag auch auf Deutsch erschienen. Die Reihe ist einer von einem halben Dutzend Titeln, die jetzt mit einem Eisner Award geehrt wurden und bereits bei deutschen Verlagen vorliegen. Andere Gewinner-Werke gibt es bislang nur auf Englisch, es ist aber davon auszugehen, dass die meisten früher oder später auch auf Deutsch erscheinen.

Titelbild von Band 1 der  deutschen Ausgabe von „Absolute Batman“.
Das Titelbild von Band 1 der deutschen Ausgabe von „Absolute Batman“.

© Panini Comics

Batman als Held der Arbeiterklasse

Eine Neuinterpretation der Geschichte des Bestseller-Helden Batman wurde in San Diego als beste fortlaufende Serie ausgezeichnet – und liegt in Teilen ebenfalls bei Panini auf Deutsch vor: „Absolute Batman“, dessen Spin-Off-Story „Absolute Batman 2025 Annual #1“ zudem als bestes Einzelheft (Best One-Shot/Single Issue) ausgezeichnet wurde.

Die von Scott Snyder geschriebene und Nick Dragotta gezeichnete Serie unterscheidet sich stark von der bisher bekannten Erzählung um den kommerziell erfolgreichsten Helden des US-Superheldenverlags DC Comics. In „Absolute Batman“ steckt hinter der Figur nicht der elitäre Milliardär Bruce Wayne, sondern ein ganz normaler Arbeiter aus der von Kriminalität geplagten Stadt Gotham, der sich als Außenseiter auf sein technisches Können und seine rohe körperliche Kraft verlässt.

Zwei Szene-Stars machen gemeinsame Sache

Der Eisner Award 2026 für den besten Kindercomic ging an einen Titel, der Anfang dieses Jahres im Hamburger Carlsen-Verlag auf Deutsch erschienen ist: „Der Comic-Club“ von Szenarist Scott McCloud („Comics machen“) und Zeichnerin Raina Telgemeier („Smile“).

Die beiden zählen zu den Superstars der US-Comicszene und haben jeweils eigene lange Erfolgsgeschichten vorzuweisen. Für ihr erstes gemeinsames Werk haben sie ihre praktischen Erfahrungen aus der Comic-Didaktik in eine fiktive Geschichte einfließen lassen: „Der Comic-Club“ handelt von vier Kindern, die einen Klub gründen, um das Zeichnen von Bildgeschichten zu lernen. Dabei entwickeln sie viel Kreativität und Fantasie, um ihre eigenen Geschichten zu erzählen.

Das Titelbild von „Der Comic-Club“ von Scott McCloud und Zeichnerin Raina Telgemeier.

© Carlsen Comics

Physik, Philosophie und humorvolle Eskapaden

Als bester humoristischer Comic wurde das aktuelle Buch des britischen Zeichners Tom Gauld ausgezeichnet, das auf Deutsch bereits im vergangenen Jahr beim Schweizer Verlag Edition Modern erschienen ist: „Physik für die Katz“.

Das Titelbild von Tom Gaulds Buch „Physik für die Katz“.

© Edition Moderne

Das Buch ist eine weitere Sammlung von Kurzcomics, die Gauld seit vielen Jahren für das populärwissenschaftliche Magazin „New Scientist“ zeichnet. Darin kombiniert er Elemente aus der Physik und der Philosophie mit humorvollen Eskapaden, die von der Welt der Wissenschaft wie von seinem eigenen Leben inspiriert sind.

Wenn Verschwörungstheorien Realität werden

Der Preis für den besten Comic-Künstler (Best Painter/Multimedia Artist) ging an den Zeichner Martin Simmonds, der zusammen mit dem Autor James Tynion IV die Erfolgsserie „The Department of Truth“ geschaffen hat. Die Verschwörungs-Thriller-Reihe erscheint seit 2022 beim Bielefelder Splitter-Verlag auf Deutsch, gerade ist dort der fünfte Band der fortlaufenden Reihe veröffentlicht worden.

Das Titelbild des fünften Sammelbandes der deutschen Ausgabe von „The Department of Truth“.

© Splitter-Verlag

„The Department of Truth“ greift aktuelle Verschwörungsmythen auf, die vor allem in den USA fatale Folgen haben. Im Comic kann kollektiver Glaube diese Theorien physisch in die Realität umsetzen, was den Hintergrund für eine beunruhigender Erzählung abgibt, die politische Ängste der realen Welt mit einem bedrohlich wirkenden Aquarell-Zeichenstil vermittelt.

Das Titelbild der deutschen Ausgabe der Comicadaption von „Herr der Fliegen“.

© Splitter-Verlag

Meisterhafte Bildfolgen, subtile Figurenzeichnung

Als beste Adaption einer Geschichte aus einem anderen Medium wurde erstmals das Werk einer niederländischen Zeichnerin mit einem Eisner Award ausgezeichnet: Die Ehrung ging an Aimée De Jonghs Comic-Version von William Goldings Roman „Herr der Fliegen“. Es ist die erste Adaption dieses Klassikers in Comicform, die unter anderem für ihre handwerklich meisterhaften Bildfolgen und die subtile Figurenzeichnung gelobt wurde.

Das Buch ist bereits 2024 beim Splitter-Verlag auf Deutsch erschienen. Die in Rotterdam lebende Zeichnerin veröffentlicht seit 2006 Comics und hat dafür mehrere Auszeichnungen bekommen, darunter den frankobelgischen Prix Saint-Michel und den International Manga Award, der an nicht-japanische Mangaka vergeben wird. Zudem waren Bücher von ihr vor der jetzigen Ehrung bereits dreimal für einen Eisner Award nominiert gewesen.

Auf Deutsch sind von ihr bislang drei weitere Comics bei Splitter erschienen: Das sensible Senioren-Drama „Das unabwendbare Altern der Gefühle“ (Szenario: Zidrou), die Selbstfindungsgeschichte einer 60-jährigen Frau mit dem Titel „Sechzigmal Frühling im Winter“ (Szenario: Ingrid Chabbert), das von de Jongh selbst recherchierte und geschriebene Drama „Tage des Sandes“. Hier hat sie dem Tagesspiegel im vergangenen Jahr Einblicke in ihre Arbeit gegeben.