Besonderer Geburtstag: „Ich nehme jeden Tag so, wie er kommt
Luzia Burchert feiert an diesem Freitag einen ziemlich runden Geburtstag: Sie wird stolze 100 Jahre alt – und ist immer noch fit und aktiv. Was ihr Geheimnis für ein langes Leben ist und wie sie ihren Ehrentag feiert.
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Besonderer Geburtstag „Ich nehme jeden Tag so, wie er kommt" – Meerbuscherin wird 100 Jahre alt
31.07.2026 · 13:38 Uhr
Luzia Burchert feiert am Freitag ihren 100. Geburtstag mit Familie und Freunden.
Foto: Anke Kronemeyer
Meerbusch · Luzia Burchert feiert an diesem Freitag einen ziemlich runden Geburtstag: Sie wird stolze 100 Jahre alt – und ist immer noch fit und aktiv. Was ihr Geheimnis für ein langes Leben ist und wie sie ihren Ehrentag feiert.
Wer Luzia Burchert begegnet, rechnet in keiner Sekunde damit, dass diese hellwache Frau mit den wuscheligen grauen Haaren, leger gekleidet in cremefarbener dreiviertellanger Jeans und buntem Oberteil, schon 100 Jahre alt ist. Sie strahlt, lacht einem entgegen, drückt fest die Hand. Wo ist die 100-Jährige, die man treffen wollte, fragt man sich. Doch: Sie steht einem gegenüber. Genau das ist sie. Wie macht man das? Wie bleibt man so „jugendlich“ bei offensichtlich guter Gesundheit?
Bei Familie Burchert gibt es darauf mehrere Antworten. So hat die Seniorin – deren Schwester übrigens auch 100 Jahre alt wurde – bis vor Kurzem noch dreimal in der Woche Sport getrieben. Zweimal ist sie zum Walken gegangen, einmal zur Gymnastik. Zipperlein hat sie keine. Gut, sie muss ein Hörgerät tragen und benutzt für die Wege in den Ort oder zum Friedhof einen Rollator. „Damit fühle ich mich sicherer.“ Aber mehrmals am Tag steigt sie die Treppen in den ersten Stock, um etwas von oben zu holen, jeden Tag geht sie in den Garten, um mal hier was zu zupfen oder dort etwas zu schneiden. Jeden Morgen liest sie die Tageszeitung beim Frühstück, abends rätselt sie bei Quizsendungen im Fernsehen mit. Sie bereitet sich ihr Essen jeden Tag selber zu. Und jeden Tag hat sie Kontakt zu jemandem aus der Familie.
Und genau diese Familie ist nicht nur groß, sondern auch extrem liebevoll zu ihrer Mutter und Oma. Drei Töchter hat sie: Gisela ist mittlerweile 79 Jahre alt, hat ein Kind und ein Enkelkind. Tochter Renate, 65 Jahre alt, hat zwei Kinder und einen Enkel. Tochter Ingrid, 60 Jahre alt, hat drei Kinder. Die Töchter leben ebenfalls in Lank-Latum, die Enkelkinder sind mittlerweile verstreut. Außer Matthias: Der 36-Jährige wohnt im Dachgeschoss bei seiner Oma und hat immer ein Auge auf die rüstige Großmutter.
Alle aus der Familie sind für die herzliche Frau mit dem verschmitzten Blick da: Sie kaufen für sie ein, kommen regelmäßig vorbei, binden sie in ihre eigene Familie ein. „Ich werde schon sehr verwöhnt“, schmunzelt die Jubilarin. „Genau das Gefühl wollen wir ihr geben: dass sie gebraucht wird“, beschreiben Töchter Renate und Ingrid ihre eigene Einstellung. Alle sechs Enkelkinder und die drei Urenkel kämen immer gerne zur Oma. Weihnachten, Geburtstage, Ostern – die Familie kommt regelmäßig im Haus von Luzia Burchert zusammen.
Damit kommt das Thema Tod oder Sterben auch gar nicht aufs Tapet. Ab und zu denkt sie mal dran, gesteht die nun 100-Jährige. Aber dann wischt sie den Gedanken wieder weg und beschäftigt sich mit etwas anderem. „Ich nehme jeden Tag so, wie er kommt.“
Dabei war das Leben von Luzia Burchert nicht immer so unkompliziert, wie es heute klingt. Geboren und aufgewachsen in Schlesien, musste sie schon früh als junges Mädchen auf dem elterlichen Bauernhof mit anpacken. Kartoffelernte, Viehhaltung – alles dabei. „Hat aber immer Spaß gemacht“, sagt sie. Die Jahre von 1926 bis zum Kriegsbeginn waren unbeschwert.
1946 musste die Familie aus der Heimat fliehen, kam mit einem Flüchtlingstreck erst zu Fuß, dann in Waggons nach Nordrhein-Westfalen. Genauer: nach Lank. Ihre Eltern und Geschwister fanden eine Wohnung auf einem Bauernhof. Luzia, mittlerweile Anfang 20, arbeitete als Haushaltshilfe in einer Unternehmerfamilie in Bockum, später bei Philips in Linn.
Eine kleine, aber entscheidende Anekdote: In den 1950er-Jahren fuhr sie mit einer Freundin in die Düsseldorfer Altstadt. „In die Kajüte – die gibt es heute nicht mehr.“ Und genau dort stand plötzlich Günter vor ihr, ein gut aussehender junger Mann mit pechschwarzem Haar, der sie ganz offensiv anflirtete. Zwei Jahre trafen sich die beiden, 1956 wurde geheiratet. Luzia brachte die damals neunjährige Gisela mit in die Ehe, die beiden Töchter Renate und Ingrid machten die Familie komplett. 1964 war das neue Haus der Familie in Lank-Latum fertig – „fast alles selbst gebaut“. Denn Günter war Stuckateur und Maurer und damit handwerklich sehr begabt.
Das Ehepaar fühlte sich wohl in Lank-Latum, hatte Freunde im Schützenverein oder im Heimatkreis, sie zudem über ihre sportlichen Aktivitäten oder bei der kfd, der katholischen Frauengemeinschaft. Luzia Burchert arbeitete noch einige Jahre bei der Stadt Meerbusch und kümmerte sich um den fahrbaren Mittagstisch, der Essen zu Senioren brachte.
Privat wurde viel gefeiert – der Partykeller lud dazu regelrecht ein. Dann kochte die Hausherrin Erbsensuppe oder bereitete ihren legendären Kartoffelsalat zu. „Den gab es sowieso immer samstags nach dem 18-Uhr-Gottesdienst“, schwärmen die beiden Töchter noch heute vor allem von den guten Gastgeber-Qualitäten ihrer Mutter. Große Trauer dann aber nach mehr als 50 Jahren Ehe: Ihr Mann Günter, damals 78 Jahre alt, starb plötzlich an einem Herzinfarkt.
Wird nun der 100. Geburtstag groß gefeiert? Luzia Burchert guckt fragend zu ihren Töchtern. „Ich lass mich überraschen.“ Tochter Ingrid verrät nur, dass es ab 11 Uhr Sekt und Canapés gibt – der Rest würde sich schon ergeben. Dadurch, dass ihre Mutter bis heute aktiv ist und so viele Freunde hat, wird die Türklingel sicher häufiger schellen.
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