Vom Ex verfolgt: Bielefelder Unternehmerin findet Kamera unterm Schreibtisch, Tracker im Auto

Die betroffene Frau hat sich an den WDR gewandt. Sie habe Angst. Vor ihrem Ex. Sie fühle sich von ihm bedroht. Und von der Polizei, der Staatsanwaltschaft und dem zuständigen Amtsgericht im Stich gelassen. Jetz...

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Vom Ex verfolgt: Bielefelder Unternehmerin findet Kamera unterm Schreibtisch, Tracker im Auto

Die betroffene Frau hat sich an den WDR gewandt. Sie habe Angst. Vor ihrem Ex. Sie fühle sich von ihm bedroht. Und von der Polizei, der Staatsanwaltschaft und dem zuständigen Amtsgericht im Stich gelassen. Jetzt möchte sie ihre Geschichte erzählen, dabei aber anonym bleiben. Nur so viel: Sie ist selbstständige Unternehmerin, lebt in Bielefeld und ist 55 Jahre alt.

Ständige On/Off-Beziehung

Siebeneinhalb Jahre sei sie mit ihrem Freund zusammen gewesen. Sie habe ihn lange geliebt. Doch er sei im Laufe der Zeit immer besitzergreifender geworden. Auf Trennungen folgten Versöhnungen. Mehrmals. Immer wieder versprach er, sich zu ändern, sagt sie. Doch Anfang dieses Jahres kam das endgültige Aus. Er hatte eine rote Linie überschritten.

Kamera und Tracker: Ex überwacht jede Bewegung

Die selbstständige Unternehmerin arbeitet viel von zu Hause aus. Durch Zufall entdeckte sie unter ihrem Schreibtisch eine Überwachungskamera. Damit aber nicht genug: Im Hundekörbchen in ihrem Auto fand sie einen Tracker. So konnte ihr Ex-Freund sie nicht nur zuhause sehen, sondern sie auch verfolgen, wenn sie unterwegs war.

Sie habe ihn zur Rede gestellt. Er gab zu, die Kamera und den Tracker platziert zu haben, sagt sie. Seine Motivation sei die Angst gewesen, sie möglicherweise irgendwann einmal zu verlieren. Er habe versprochen, das nie wieder zu tun. Doch sie ließ sich darauf nicht mehr ein.

Kontaktverbot ausgesprochen

In der ersten Phase der Trennung habe er permanent angerufen. Oft mit unterdrückter Nummer. Dann sei er auch immer öfter persönlich aufgetaucht. Vor ihrer Haustür, vor dem Fenster. Er soll außerdem einen neuen Tracker unter ihrem Auto angebracht haben. Den fand sie, weil sie einen entsprechenden Verdacht hatte. Sie erstattete Strafanzeige. Ihr Rechtsanwalt, der sie normalerweise nur in wirtschaftlichen Dingen berät, erwirkte beim Amtsgericht Bielefeld ein Kontaktverbot. Er darf sich ihr nicht mehr nähern. Eigentlich.

Einbrüche im eigenen Haus

Sie ließ nun Überwachungskameras rund um ihr Haus installieren. Denn ihr Ex-Freund ignorierte das Kontaktverbot. Das Gericht verhängte deshalb ein Ordnungsgeld. Er musste 250 Euro zahlen. Doch das schien und scheint ihn nicht zu beeindrucken. Im Gegenteil: Aufnahmen der Überwachungskameras zeigen, wie jemand - mutmaßlich er - tagsüber ins Haus eindringt und drei Minuten später wieder verschwindet.

"Ich sagte: Er ist wieder da. Ich habe sofort angefangen, zu weinen und war wie erstarrt." Stalking-Opfer aus Bielefeld

Warum sie sich von Polizei und Staatsanwaltschaft allein gelassen fühlt

Der Eindringling ist bereits weg, als die Polizei eintrifft. Diesmal sind Polizisten zwar schnell da, doch insgesamt fühlt sich die Bielefelderin von ihnen und auch der Staatsanwaltschaft Bielefeld im Stich gelassen. Trotz mehrerer Strafanzeigen gegen ihren Ex-Freund und dem bestehenden Kontaktverbot tue sich aus ihrer Sicht zu wenig. Ihr Eindruck: Sie wird nicht ernst genommen.

Nach dem ersten Einbruch sei sie auf der Wache mit den Worten "die Anzeige hätten sie auch online erstatten können" regelrecht abgeblitzt. Nach ihren Informationen habe es bisher auch noch keine so genannte Gefährderansprache an ihren Ex-Freund gegeben. Also ein Gespräch, bei dem ihm klar gemacht werden müsste, dass die Polizei ihn im Auge hat.

Der WDR hat die Polizei um eine Stellungnahme gebeten. Die Pressestelle verweist in ihrer Antwort auf die Zuständigkeit der Staatsanwaltschaft Bielefeld. Auch die bat der WDR um eine Stellungnahme. Schriftlich wird mitgeteilt, dass die Ermittlungen andauerten. Weitere Auskünfte könnten nicht erteilt werden.

Kritik am Amtsgericht Bielefeld

Henning Berger, der Rechtsanwalt des Stalking-Opfers, will nun beim Amtsgericht Bielefeld eine Ordnungshaft gegen den mutmaßlichen Stalker erwirken. Sein Argument: Das verhängte Ordnungsgeld habe keine Wirkung gezeigt, jetzt müsse härter vorgegangen werden. Das Gericht habe einen Termin zur Anhörung des Beschuldigten auf Ende Juli festgelegt. Vier Wochen nach Antragstellung. Zu spät, sagt Berger. Aus seiner Sicht sei Gefahr im Verzug. Doch das Gericht habe eine schnellere Terminierung abgelehnt.

Dem WDR schreibt der Sprecher des Amtsgerichts Bielefeld, er könne keine Auskünfte erteilen. Es handele sich um eine Gewaltschutzsache. Diese würden per Gesetz nicht-öffentlich geführt.

Was sich die Betroffene für Stalking-Fälle künftig wünscht  

Die betroffene Bielefelderin wünscht sich, dass Angelegenheiten wie ihre früher ernst genommen werden. Auch im Sinne anderer Betroffener. Und sie will selbst natürlich auch wieder in Ruhe leben können. Denn ihr Ex mache seit zehn Monaten, was er wolle. Ohne große Konsequenzen. Bislang.