Bürgermeister-Wahl in Beckingen: Warum Werner Schreiner in Beckingen antritt – obwohl er nicht dort wohnt

„Weil Wahlen sind“ – so begründet Werner Schreiner (AfD), der in Orscholz wohnt, seine Kandidatur für das Amt des Bürgermeisters in der Gemeinde Beckingen. Im SZ-Gespräch erzählt er von seinen Bezügen zu der Tal-Gemeinde, seinem Garten und der Vorliebe für Logik.

  • 4 min read
Bürgermeister-Wahl in Beckingen: Warum Werner Schreiner in Beckingen antritt – obwohl er nicht dort wohnt
  1. Saarland
  2. Merzig-Wadern
  3. Beckingen

Bürgermeister-Wahl in Beckingen Warum Werner Schreiner in Beckingen antritt – obwohl er nicht dort wohnt

Beckingen · „Weil Wahlen sind“ – so begründet Werner Schreiner (AfD), der in Orscholz wohnt, seine Kandidatur für das Amt des Bürgermeisters in der Gemeinde Beckingen. Im SZ-Gespräch erzählt er von seinen Bezügen zu der Tal-Gemeinde, seinem Garten und der Vorliebe für Logik.

01.09.2026 , 08:00 Uhr

Werner Schreiner hat sich als Treffpunkt den Alten Bahnhof in Beckingen ausgesucht.

Foto: Ruth Hien

Die Antwort auf die Frage, warum Werner Schreiner Bürgermeister von Beckingen werden will, kommt prompt: „Weil Wahlen sind.“ Vor Ort habe seine Partei keinen Kandidaten gefunden, er selbst wohnt in Orscholz. Aber er sei sowieso eher als Aktivist in die Politik eingestiegen, diese Ader komme immer mal wieder hervor – und er rufe oft „hier“, wenn die Möglichkeit besteht, irgendwo einzusteigen. Das ist aber beileibe nicht der einzige Grund.

Geografie hat die Mentalität der Menschen in Beckingen geprägt

„Beckingen ist auch ein faszinierender Ort“, findet Schreiner. Alleine, wenn man sich die Geografie anschaut. Der studierte Geograf findet die klare Infrastruktur der Gemeinde interessant, die sich durch das Tal auszeichnet, das direkt auf die Saar zuläuft. Und auch die Mischung: vom Ländlichen bis zum Industriell-Städtischen im angrenzenden Dillingen. In Beckingen habe Schreiner außerdem zeitweise gearbeitet, und mit den Beckingern gute Erfahrungen gemacht. Sein Eindruck ist, dass deren Mentalität von der beschriebenen Geografie geprägt ist: Ländlich, mit Menschen, die anpacken und zugleich relativ weltoffen sind.

Ob er dann auch einen Lieblingsort in der Gemeinde hat? „Ich finde Hargarten relativ nett. Es ist klein, abgelegen, konservativ, im Grünen“, sagt Schreiner. Die besten sozialen Kontakte habe er hingegen in Haustadt.

Werner Schreiner verbringt gerne Zeit im eigenen Garten

Abschalten kann der 55-Jährige gut in der Natur – und hier vor allem in seinem Garten. Dort geht Schreiner mehrmals täglich hin, betätigt sich darin und schaut vor allem jetzt im Spätsommer, welche Früchte er nebenbei futtern kann. „Ich habe meinen Garten mit allen möglichen essbaren Pflanzen zugepflanzt, und die nutze ich dann natürlich auch“, erzählt er. So finden sich in seinem Garten unter anderem ein Apfel-, Mirabellen- und Pflaumenbaum. Es gibt Walderdbeeren, Johannisbeeren in diversen Farben, Brombeeren und Himbeeren. Essbare Pflanzen wie Spitzwegerich, die so im Garten sprießen, lässt er stehen und verwendet immer mal wieder ein Blättchen beim Kochen.

Zu seinen Hobbys zählt eigentlich seit jeher auch der Sport. Als Kind hat er mit Turnen angefangen, jahrelang Karate trainiert, dann im Studium Volleyball gespielt. Er war regelmäßig schwimmen und in Fitnessstudios, sei aber immer wieder unterbrochen worden. Mittlerweile versuche er, zu Hause Sport zu machen. So steht auf seiner persönlichen To-Do-Liste das Pflegen eines Selbst – Sport treiben und die Gesundheit erhalten. Noch wichtiger sind ihm allerdings familiäre Beziehungen, die sollten immer zuerst kommen.

Als Kind wollte Schreiner Archäologe oder Paläontologe werden

Doch noch einmal zurück zu den Hobbys. Dazu zählt Werner Schreiner auch seinen Wissensdurst. Als Kind wollte er Archäologe oder Paläontologe werden, für die beiden Bereiche hat er sich noch als Teenager sehr interessiert. Und für Physik, Atomphysik und Quantenphysik, sowie Mathematik, deren Logik er schätzt. Dieser Wissensdurst habe er als Lehrer an Privatschulen „wunderbar verwerten“ können: „Als Lehrer bin ich quasi eine Wissensmaschine.“ Noch heute lese er viel. Inzwischen weniger Bücher als Inhalte im Internet, Nachrichten oder Reportagen. „Ich diskutiere gerne“, sagt Schreiner. Dafür will er gut informiert sein und recherchiert vieles.

Sich selbst betrachtet Werner Schreiner als „freien Geist“: „Ich werde meine Überzeugungen immer wieder mal hinterfragen, das habe ich mein ganzes Leben lang gemacht.“ Nach Details gesucht, die seine Überzeugungen infrage stellen, einfach nur, um sie realistischer zu gestalten. „Realismus und Pragmatismus liegen mir sehr nahe“, sagt der 55-Jährige. Ideologie bringe stets Probleme mit sich. „Ich habe einen relativ offenen Charakter und neige auch nicht zu Auseinandersetzungen“, beschreibt Schreiner sich weiter. Und fügt hinzu: „In diesen beiden Eigenschaften steche ich ein bisschen heraus, sonst dürfte ich relativ durchschnittlich sein.“

Warum der Humor manchmal leidet

Ein Talent, das kaum jemand kennt, hat er eher nicht. „Ich bin inzwischen so alt, dass ich meine Talente relativ weit ausgeforscht habe, und die meisten Talente nehmen ja auch mit dem Alter ab, wenn man sie nicht trainiert“, schildert er. Er hatte recht viele Talente, aber nicht alle trainieren können. Womöglich gebe es noch welche, die er selbst nicht kennt. „Wer weiß, was das Leben noch bringt“, stellt er in den Raum.

Die letzte Person, die Schreiner inspiriert hat, ist der polarisierende kanadische Psychologe Jordan Peterson. Zum Lachen bringt ihn übrigens jede Gelegenheit, die sich ergibt. „Ich lache gerne, das halte ich für gesund, und wenn ich Gelegenheit habe zu lachen, dann lache ich gerne.“ Leider habe er den Eindruck, dass er etwas weniger lache, seitdem er sich mit Politik beschäftigt. Vielleicht sei das Thema zu ernst, oder die Menschen, mit denen man zu tun hat, nicht ganz so fröhlich. Schreiner: „Ich denke, wenn man auf seine Worte achten muss, dann hält man sich zurück und der Humor leidet.“ (lal)