Kanzler „onkelhaft“?: Interna zu Merz‘ Unions-Sondersitzung durchgesickert – „Da ist etwas zu Bruch gegangen“
StartseitePolitik„Da ist etwas zu Bruch gegangen“: Immer mehr Interna zu Merz‘ Unions-Sondersitzung sickern durchStand: 30.07.2026, 07:12 UhrKommentareUns auf Google folgenFriedrich Merz hat seinen Kabinettsumb...
- 3 min read
„Da ist etwas zu Bruch gegangen“: Immer mehr Interna zu Merz‘ Unions-Sondersitzung sickern durch
Stand: 30.07.2026, 07:12 Uhr
Kommentare
Friedrich Merz hat seinen Kabinettsumbau durchgezogen, die Kritik hält aber an. Details aus der CDU/CSU-Sondersitzung zeigen dies deutlich.
Berlin – Es rumort in der Union. Zwar wählten die Mitglieder der Partei am Mittwoch in einer Sondersitzung den von Friedrich Merz vorgeschlagenen Thorsten Frei mit starken 91,9 Prozent zum neuen Fraktionschef. Ein besseres Ergebnis, als es sein Vorgänger Jens Spahn erreicht hatte. Doch der Unmut über den Kanzler und das Vorgehen bei seiner großen Personalrochade bleibt. Merz ließ sich davon zunächst jedoch nicht viel anmerken.

Trotz der heftigen Kritik an seinen Entscheidungen zeigte sich Merz mit der Neuaufstellung von Regierung, Partei und Fraktion zufrieden: „Ich bin wirklich sehr zuversichtlich, dass aus dieser Fraktionssitzung heraus ein neuer Impuls kommt, eine neue Dynamik kommt.“ Auch CSU-Chef Markus Söder äußerte die Hoffnung, dass trotz der Turbulenzen in der Union „aus einer Neuaufstellung auch mal neue Kraft erwachsen kann“.
Merz baut sein Kabinett um – in Sondersitzung entlädt sich der Frust der CDU-Abgeordneten
Die parlamentarische Sommerpause könnte daher genau richtig kommen, um die Gemüter mal ein wenig abzukühlen. Denn die schienen in der Union zuletzt eher erhitzt. Das bestätigen auch Berichte zur Sondersitzung der Bundestagsabgeordneten von CDU und CSU vom vergangenen Mittwoch. Immer mehr Details sickern durch. Und zeigen, wie groß der Frust über Merz in der eigenen Partei wirklich ist.
Die Kritik am Personalumbau des Kanzlers, die sich bereits die ganze Woche durchzog, soll sich laut einem Bericht des Spiegel auch in der Sondersitzung niedergeschlagen haben. Eigentlich sollten Merz, Söder und Frei um 15 Uhr öffentlich auftreten. Wegen einer „Aussprache“ wurde das allerdings um zwei Stunden verschoben.
Aussprache wird offenbar zum „Scherbengericht“ – Merz in eigener Partei unter Druck
In dieser Aussprache sollen sich rund 20 Abgeordnete gemeldet haben. Laut dem Bericht hatten fast alle eine Kritik an Kanzler Merz vorzubringen. Im Fokus dabei stets die schlechte Kommunikation rund um den Personalumbau. Ein „Scherbengericht“ sei die Aussprache gewesen, zitiert der Spiegel Teilnehmer. Alle Kritiker sollen demnach aus der CDU gewesen sein, keiner soll Merz zur Seite gesprungen sein.
Demnach soll sich etwa JU-Chef Johannes Winkel mit Lob am von Merz abgesägten Verkehrsminister Patrick Schnieder gemeldet haben, andere sollen ihm beigepflichtet haben. Winkel soll Merz zudem ein „Bauchgefühlsproblem“ attestiert haben. Weitere Abgeordnete sollen klargemacht haben, dass ihre Stimme für Frei als Fraktionsvorsitzenden nicht einem Bekenntnis zu Merz gleichkomme. Die Kritik der Fraktion sei „von allen Seiten“ gekommen, „da ist etwas zu Bruch gegangen“, hieß es metaphorisch von einem weiteren Teilnehmer.
Merz reagiert noch in Sondersitzung auf Kritik
Auch die Reaktion von Merz wird überliefert. Demnach habe der Kanzler zugehört und mitgeschrieben und sich am Ende der Sitzung zur Kritik geäußert. Seine Reaktion sei allerdings als „onkelhaft“ beschrieben worden und einigen Abgeordneten sauer aufgestoßen. Das letzte Wort im parteiinternen Streit dürfte wohl noch nicht gesprochen sein. Mit einem Seitenhieb gegenüber Merz äußerte sich auch Ex-Verkehrsminister Schnieder in seiner Abschiedsrede. Und selbst Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ließ bei der Ernennung der neuen Minister Kritik durchklingen. (Quellen: dpa, Spiegel, eigene Recherche) (han)