Daniel Hope und Nils Landgren: Entertainment de luxe
Der Geiger Daniel Hope und der Posaunist Nils Landgren traten gemeinsam im Wiesbadener Kurhaus auf. Die beiden Musiker mischten Jazzstandards mit Klassik – von Piazzolla bis Randy Crawford.
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Stand: 31.07.2026, 13:43 Uhr
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Der Geiger Daniel Hope und der Posaunist Nils Landgren traten gemeinsam im Wiesbadener Kurhaus auf. Die beiden Musiker mischten Jazzstandards mit Klassik – von Piazzolla bis Randy Crawford.
Wenn Musiker aus der Klassik sich zum Jazz berufen fühlen, geschieht – meistens nichts sonderlich Aufregendes. Legendär Friedrich Guldas unerwiderte Liebe zum Jazz: Mag sein, dass sie ihm dazu verholfen hat, mit einer größeren Freiheit Beethoven zu spielen, im Jazzfach jedoch kam der große Pianist über eine Standardware nicht hinaus. Als substanzieller erwies sich historisch der Transfer von Elementen des Jazz in klassische Formen, etwa bei George Gershwin und Leonard Bernstein – in einer behutsam-gewagten Synthese wesensverschiedener Welten.
Eine derartige historische Tiefenbohrung mag hochgreifend erscheinen angesichts der Wirklichkeit dieses Abends im Wiesbadener Kurhaus. Mit mehreren Konzerten feiert das Rheingau-Musik-Festival in dieser Saison den siebzigsten Geburtstag des inventarnotorischen Posaunisten Nils Landgren. Dieses nun galt einer Begegnung mit dem Geiger Daniel Hope. Der redet bekanntlich gerne ausführlich und anekdotenfreudig. Besonders selbstbeseelt beschwört er den Mythos vom „Grenzgängertum“. Wie weit nun geht er damit, wie weit geht Landgren? Das in einem Auftritt beim Silvesterkonzert 2024 im Festspielhaus Baden-Baden gründende und immer wieder leicht variierte gemeinsame Programm wurde wenige Tage zuvor schon beim Schleswig-Holstein Musik Festival gespielt und ist für Mitte August beim neuerdings von Hope geleiteten Menuhin Festival im schweizerischen Gstaad annonciert. Es beginnt mit Astor Piazzollas „La Muerte del Angel“ sowie der von dem jüdisch-ukrainischen Jazzgeiger Efim Schachmeister im Berlin der zwanziger Jahre populär gemachten Klezmernummer „Odessa Bulgar“, gespielt im Trio respektive Quartett mit Vitalii Kyianytsia am Klavier, Stéphane Logérot am Kontrabass und Dimitri Monstein am Schlagzeug. Respekt für den entwaffnenden Elan, mit dem Hope agiert, getragen von einem atemberaubenden technischen Vermögen.
Die Funken sprühten nur in Maßen
Mit dem Auftritt Landgrens entwickelte sich das Programm überwiegend zu einem Liederabend um Jazzstandards, Broadway-Klassiker und Pophits – wie Gershwins „I Got Rhythm“, Leonard Bernsteins „Some Other Time“ aus dem Musical „On the Town“, Stephen Sondheims „Send in the Clowns“, Stings „Fragile“ und „Shadows in the Rain“ sowie Randy Crawfords „Same Old Story“. Obendrein das Vivace aus Bachs berühmtem Doppelkonzert für zwei Violinen, BWV 1043 in einer swingenden Fassung mit einem über der zweiten Solostimme improvisierenden Landgren. An einer Stelle bedient sich Landgren John Cleese’ berühmtem Überleitungs-Spruch „And now for something completely different“ aus „Monty Python’s Flying Circus“ – er hätte ihn getrost vor so gut wie jeder Nummer in Anschlag bringen können. Immer wieder reizvoll Landgrens sanfte, leicht brüchige, androgyn hohe Stimme.
Haben nun die Funken gesprüht zwischen Hope und Landgren? Allenfalls in Maßen. Erheblich mehr als die Summe seiner Teile hat das Treffen nicht ergeben. Ein gemütliches Beisammensein, teils mit der jungen Trompeterin Lucienne Renaudin Vary, in diesem Jahr Fokuskünstlerin, als Gast. Ein unzweifelhaft animiertes Entertainment de luxe – formal jedoch ohne jedes Risiko.