Das Wechselgeld von neulich: Immer nur zum Ehrenspäti
Es gibt sie noch, die guten Menschen. Zu finden sind sie zum Beispiel im Spätkauf in der Berliner Chausseestraße. Illustration: Donata Kindesperk / taz G rundsätzlich ist das ja so eine Sache...
- 3 min read
Es gibt sie noch, die guten Menschen. Zu finden sind sie zum Beispiel im Spätkauf in der Berliner Chausseestraße.
Illustration: Donata Kindesperk / taz
G rundsätzlich ist das ja so eine Sache mit den Menschen. Die meisten von ihnen sind mindestens schwierig im täglichen Umgang – und in der Masse sowieso noch mehr. Irgendwo muss es ja herkommen, dass wir geneigt sind, gern zu generalisieren, einzutüten – in Schubladen zu stecken.
Und manchmal gibt es doch tatsächlich Situationen, die mich hin und wieder an das Gute im Menschen glauben lassen. So geschehen vor einiger Zeit bei meinem Späti um die Ecke auf der Chausseestraße.
Ich war irgendwann sonntags schnell noch frische Brötchen holen, noch komplett verschlafen. Später am Tag dann, beim Bezahlen irgendwo anders war ich etwas verwundert, dass ich überraschend wenig Bargeld im Portemonnaie hatte. Okay, ich hatte wohl vergessen, am Automaten Bares zu ziehen dachte ich. Kurz darauf war ich ein, zwei Wochen nicht in Berlin, jobbedingt und hatte das alles vollkommen vergessen. War ja nichts Wichtiges.
Und klar, irgendwann kam dann wieder so ein Sonntag. Ich bin direkt aus dem Bett schnell los, um frische Brötchen zu holen, ungeduscht, in Wochenendklamotte, vor meinem ersten Kaffee – das volle Vor-Frühstücks-Programm. Nach dem Bezahlen meiner Brötchen und zweier Croissants, die wirklich viel zu lecker aussahen, um sie liegenzulassen und einer – vorsichtshalber – Mate und noch etwas Knabberkram, fragt mich mein Späti-Mann noch: „Sag’ mal, haste nicht was vergessen?“. Ich so, in einer Mischung aus verdutzt und verschlafen: „Nee, was’n?“
Er so: „Dein Wechselgeld – haste hier vor ein paar Wochen mal liegen lassen!“ Und legt mir mit freundlichem Lächeln nochmal 35 Euro auf den Tresen. Berlin, ich lieb dich und mein Späti-Ehrenmann ist mein Tagesheld. Seitdem geh’ ich gern jedes Mal ein paar hundert Meter weiter bis zu ihm, obwohl es auf dem Weg jetzt noch einen anderen, neuen Späti gibt.
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community!
Jetzt unterstützen
Klavierspielerin am Wannsee
Kunst kennt keine Grenzen
Kolumne Szene von Maik Gerecke
Sein Instrument ist das menschliche Ego, sein Genre die Macht: Szenen einer Partnerschaft vor großbürgerlicher Kulisse.
In der S-Bahn nach Strausberg
Niemand sagt Danke
Kolumne Szene von Henning Brüns
Wer mit schierer Willenskraft die Mitreisenden in die richtige Bahn lenkt, darf sich schon mal ein bisschen Anerkennung wünschen.
Im Krankenhaus
Die Uhr zeigt halb acht
Kolumne Szene von Detlef Kuhlbrodt
Auf der Palliativstation ist alles entspannter und die Pflegekräfte geben sich besonders viel Mühe. Nur die Zeitzonen scheinen sich zu verschieben.
taz FUTURZWEI im Abo entdecken
Endlich mal ein Magazin für Zukunft
taz FUTURZWEI ist unser Magazin für eine bessere Zukunft. Das Abo bietet jährlich vier Ausgaben für nur 38 Euro. Zudem erhalten Sie eine Ausgabe von Luisa Neubauers neuestem Buch „Was wäre, wenn wir mutig sind?“ (solange Vorrat reicht).
- Jedes Quartal neu in Ihrem Briefkasten
- Nur 38 Euro im Jahr
- Als Prämie Luisa Neubauers „Was wäre, wenn wir mutig sind?“
- Herausgegeben von Harald Welzer
Jetzt abonnieren
0 Kommentare