Der DFB und Jürgen Klopp: Dem Kloppoversum ausgeliefert

Jürgen Klopp will beim DFB jeden Stein umdrehen. Aber mit wem? Eine Personalie, die erst durch den Trainer erwähnt wird, sollte den Verband besorgen. Denn sie sagt viel über die neuen Machtverhältnisse aus.

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Der DFB und Jürgen Klopp: Dem Kloppoversum ausgeliefert

Bei seinem ersten Auftritt als Fußball-Bundestrainer hat Jürgen Klopp auf eine Frage geantwortet, die keiner gestellt hat. „Das, was ich mache […], mache ich nicht für mich“, sagte er am Freitagmittag in Frankfurt. Doch warum war es ihm so wichtig, das zu sagen? Weil er es wirklich glaubt? Oder weil er glaubte, dass die Drohung, die er danach aussprach („Wenn ihr euch danebenbenehmt und meine Familie nicht in Ruhe lasst, bin ich weg“), dadurch etwas glaubwürdiger wirken würde?

So oder so könnte man nach dieser ersten Pressekonferenz über das Presseverständnis des neuen Bundestrainers diskutieren. Darüber, dass er kurz danach zu den Reportern im Raum noch mal sagte, dass er das „nicht gegen euch, sondern für euch“ mache. Aber eigentlich ist es auch egal, für wen Klopp es macht oder für wen er es zu machen glaubt, weil seit Freitag eine andere Frage wesentlich wichtiger ist: Mit wem macht er es?

Was ist Kosickes Rolle beim DFB?

Es sind viele Sätze vom Bundestrainer gesagt worden, aber einen sollten und werden manche beim Deutschen Fußball-Bund mit einer gewissen Besorgnis gehört haben. „Wir“, sagte Klopp, „wollen tatsächlich jeden Stein umdrehen.“ Warum sollte das besorgniserregend sein?

Mit diesem „Wir“ meinte Klopp nicht Bernd Neuendorf und nicht Hans-Joachim Watzke, nicht Rudi Völler und auch nicht Per Mertesacker. Er meinte also nicht den Präsidenten und Vize-Präsidenten, nicht den Sportdirektor und auch nicht den neuen Geschäftsführer Sport des Verbandes. Mit diesem „Wir“ meinte er einen Mann, der weder in der DFB-Pressemitteilung noch in dem ersten Statement des DFB-Präsidenten erwähnt worden ist.

„Mein Ko-Trainer für Strategie, Entwicklung und Innovation“ – so hat Klopp selbst seinen Manager und Geschäftspartner Marc Kosicke unmittelbar vor dem Satz mit den Steinen vorgestellt. Was wird Kosicke beim DFB machen? Er wird, wie Bernd Neuendorf erst auf Nachfrage erklärte, ein „externer Berater“ sein, der allerdings „jeden Zugang in den Verband“ erhalten werde, „bis hoch in mein Büro“.

Klopp und sein Berater „nur im Paket zu haben“

Nun kann man Klopp nur zustimmen, wenn er sagt, dass er beim DFB unter Steine schauen will, von denen manche vermutlich so schwer zu bewegen sein dürften wie Hinkelsteine. Und weil Klopp nach allem, was man weiß, als Kind nicht in einen Kessel mit Zaubertrank gefallen ist (auch wenn er sich am Freitag als unangreifbar darstellen wollte, was ihn angreifbar gemacht hat: als Bundestrainer, der mit der Drohung aufzuhören, angefangen hat), wird er dabei Hilfe brauchen. Aber: Ein externer Mitarbeiter, der in einem Verband jeden Stein umdrehen soll – man muss gar nicht an Elon Musks Kettensägenkommando DOGE denken, um das für eine fragwürdige Idee zu halten.

An der Personalie Kosicke kann man sehen, wie der DFB sich dem Kloppoversum ausgeliefert hat. Diese Sicht ist in der Pressekonferenz durch zwei Sätze des DFB-Präsidenten zum Bundestrainer und zum Bundestrainer-Manager bestätigt worden: „Es war ganz klar, dass die beiden so eng miteinander verwoben sind, dass sie nur im Paket zu haben sind. Das war von Anfang an klar und wurde auch klargemacht und wir haben das natürlich auch akzeptiert.“

Am Ende dieser zwei Sätze sagt Neuendorf zwar, dass es der DFB war, der das „akzeptiert“, also entschieden, also das letzte Wort gehabt habe. Aber zum einen ist durch das vorangestellte „natürlich“ eine Unterwürfigkeit zum Vorschein gekommen. Und zum anderen ist durch das, was er davor gesagt hat („nur im Paket zu haben“, „wurde auch klargemacht“), eines sehr klar geworden: dass der DFB bei seiner Entscheidung für Kosicke keine Wahl gehabt hat.