Deutschsommer in Frankfurt: Pronomen lernen beim Hüpfspiel

Gut 150 Grundschulkinder verbringen drei Ferienwochen auf der Wegscheide bei Bad Orb. Täglich stehen 90 Minuten Deutsch und 90 Minuten Theater auf dem Programm – am Ende führen sie ein Theaterstück auf.

  • 5 min read
Deutschsommer in Frankfurt: Pronomen lernen beim Hüpfspiel

Stand: 12.07.2026, 19:23 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Täglich wird beim Deutschsommer auch Deutsch geübt.

Täglich wird beim Deutschsommer auch Deutsch geübt. © Philip Eichler

Gut 150 Grundschulkinder verbringen drei Ferienwochen auf der Wegscheide bei Bad Orb. Täglich stehen 90 Minuten Deutsch und 90 Minuten Theater auf dem Programm – am Ende führen sie ein Theaterstück auf.

Und dann ist es Zeit für ein paar Geschichten aus dem Hut. Betreuer Rodrigo hat einige Begriffe auf Papier geschrieben und in den Hut gesteckt. Nun zieht er einen heraus und ruft zwei Kinder nach vorn, damit sie das Wort pantomimisch darstellen. Der erste Begriff „Spiegel“ wird schnell erraten. Dann kommen Assia und Lionel nach vorn und führen eine richtige Szenerie auf. Erst denken die Kinder, es geht um ein Geschäft, in dem ein Händler etwas verkauft. Schließlich kommen sie jedoch darauf, dass es auch ein Restaurantbesuch sein kann, und so ist es. Ein letztes Mal klatschen die Kinder mit den Händen auf ihre Oberschenkel und rufen „Vorhang auf“. Dann ist eine dritte Gruppe mit einer Handvoll Jungen dran. Sie tanzen, machen klasse Moves auf dem Boden, so dass die anderen Kinder jubeln und klatschen. Ganz klar: Der Begriff war Breakdance.

Jetzt mal alle erstaunt: Rodrigo (r.) macht Aufwärmübungen fürs Theaterspielen.

Jetzt mal alle erstaunt: Rodrigo (r.) macht Aufwärmübungen fürs Theaterspielen. © Philip Eichler

Das ist ein ziemlich gewöhnlicher Vormittag im Camp des Deutschsommers auf der Wegscheide im hessischen Main-Kinzig-Kreis. Gut 150 Kinder verbringen dort die ersten drei Wochen der Ferien. Eingeladen hat sie die Stiftung Polytechnische Gesellschaft aus Frankfurt, die möchte, dass die Kinder besser in Deutsch werden oder mehr Selbstvertrauen schöpfen. Empfohlen wurden die Kinder von ihren Lehrkräften, die gut einschätzen können, welches Kind davon profitieren würde. Das Programm Deutschsommer geht in diesem Jahr in seine 20. Auflage.

Das Programm

Den Deutschsommer gibt es seit 2007 in Frankfurt. Seitdem haben mehr als 3.250 Kinder mitgemacht.

Seit 2016 gibt es zudem einen innerstädtischen Standort für 30 Kinder aus Intensivklassen, die mehr Kenntnisse der Grundsprache lernen sollen.

Pro Jahr nehmen insgesamt 180 Kinder im Alter von 8 bis 11 Jahren in Frankfurt und auf der Wegscheide teil.

Das Programm wird unter anderem durch Förderungen von Institutionen, der Kommune und dem Land finanziert. Es ist mittlerweile in weiteren Kommunen in Hessen etabliert und wird sogar in anderen Bundesländern durchgeführt.

In der Gruppe geht der Unterricht unterdessen weiter. Täglich werden 90 Minuten Deutsch und 90 Minuten Theater praktiziert. An diesem Tag sind in Deutsch Pronomen dran. Zunächst geht es um die Personalpronomen, also: ich, du, er, sie, es, wir, ihr, sie. Kombiniert man diese mit Verben, muss man diese konjugieren. Konju-was? Betreuerin Manal fragt die Kinder, was das noch mal war. Moses kennt die Antwort: „verändern“.

Auch Hase Noubi spricht in seinen Briefen davon. Der Hase ist ein spielerisches Element, um die Kinder an den Unterricht, aber auch an das Camp heranzuführen. Denn für Noubi ist alles auf der Wegscheide genauso neu wie für die Kinder. Täglich gibt es einen Brief, der auf das Tagesthema hinweist. Diesmal werden die Kinder in drei kleinere Gruppen aufgeteilt. Eine bastelt Würfel mit Verben und Pronomen, eine füllt spezielle Hefte zum Konjugieren aus, und die dritte spielt „Himmel und Hölle“.

Draußen sind die Kästchen für das Spiel aufgezeichnet. In jedem Feld steht eines der Personalpronomen, und mit jedem Hüpfer hinein muss konjugiert werden. „Ich zahle, du zahlst, er/sie/es zahlt“, heißt es dann. Oder: „Ihr steigt hinauf, wir steigen hinauf, sie steigen hinauf.“ Die Praktikantin lobt die Kinder: „Ihr seid richtig krass und schnell.“ Die Zeit vergeht wie im Flug, dann wird gewechselt. „Es ist gar nicht wie eine Sommerschule“, sagt die neunjährige Xenia. Stattdessen habe man hier „voll viel Spaß“. Das empfindet auch Aaliyah, ebenfalls neun Jahre, so: „Es macht Spaß, und es bilden sich Freundschaften.“ Es sei ganz anders als Schule, meint Xenia. Dort gebe es nur zwei Pausen und sonst viel Unterricht. Im Deutschsommer gibt es mehr Freispiel. Darauf weisen auch die Verantwortlichen hin. Projektleiter Sascha Janitz erklärt, dass Pausen und sich austoben helfen, damit den Kindern dann die Lerneinheit besser gelingt.

Der zehnjährige Toprak wurde noch in der Türkei geboren und kam erst als kleines Kind nach Deutschland. Die Sprache kann er bereits auffällig gut, und der Deutschsommer soll ihn einen weiteren Schritt nach vorn bringen. „Ich hatte schon vorher Angst gehabt“, gibt er zu. Aber er war mit der Klasse bereits auf der Wegscheide, und es gebe wirklich viel zu machen hier. Seine Schwächen seien Adjektive und Artikel, reflektiert Toprak. „Die Schwächen sind gerade jene Dinge, die wir hier bearbeiten“, sagt Janitz. Die Kinder sollen fit für den Übergang von der vierten in die fünfte Klasse werden, wenn es auf die weiterführenden Schulen geht. Auch Toprak hat das Gymnasium als Ziel, Xenia geht es genauso, Aaliyah wünscht sich gute Noten.

Am Nachmittag stehen dann Workshops, Ausflüge oder auch freie Spielzeit auf dem Programm. Manche Kinder spielen Fußball, andere nehmen lieber am Tanzangebot teil, und wieder andere nutzen den Spielplatz der Wegscheide, um einfach nur Kind zu sein. Es ist vermutlich auch diese Mischung aus Lernen und Spielen, die den Deutschsommer seit zwei Jahrzehnten so erfolgreich macht.

Xenia löst konzentriert die Aufgaben im Heft.

Xenia löst konzentriert die Aufgaben im Heft. © Philip Eichler

Am Ende werden die Kinder ein Theaterstück erarbeitet haben. „Der durch den Spiegel kommt“ von Kirsten Boie ist die Lektüre, die seit neuestem erarbeitet wird. Am Ende führen die Kinder das Stück vor ihren Familien auf. Auch das wird dann ein unvergessliches Erlebnis.