Fifa: Infantino plant Investoren-Deal für WM-Rechte

Die vergangene Weltmeisterschaft war ein finanzieller Grosserfolg. Nun will der Fifa-Präsident Gianni Infantino über eine neue Tochtergesellschaft erstmals private Investoren am Weltfussball beteiligen. Das Vorhaben sorgt für viel Kritik.

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Fifa: Infantino plant Investoren-Deal für WM-Rechte

Die Fifa sucht Investoren – mit Hilfe aus dem Umfeld von Donald Trump

Die vergangene Weltmeisterschaft war ein finanzieller Grosserfolg. Nun will der Fifa-Präsident Gianni Infantino über eine neue Tochtergesellschaft erstmals private Investoren am Weltfussball beteiligen. Das Vorhaben sorgt für viel Kritik.

29.07.2026, 13.16 Uhr

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Aktualisiert


Tanz ums goldene Kalb: die Sängerinnen Elyanna und Jessie Reyez bei ihrem Auftritt an der WM-Eröffnungszeremonie vom 12. Juni 2026.

Tanz ums goldene Kalb: die Sängerinnen Elyanna und Jessie Reyez bei ihrem Auftritt an der WM-Eröffnungszeremonie vom 12. Juni 2026.

Claudia Greco / Reuters

Die diesjährige Fussball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko war finanziell enorm lukrativ. Fast 16 Millionen Fans besuchten die Stadien und Fan-Anlässe, während Hunderte Millionen Zuschauer gebannt vor den Bildschirmen sassen. Der Weltfussballverband (Fifa) rechnet für die gegenwärtige Vierjahresperiode mit Einnahmen von mindestens 13 Milliarden Dollar, getrieben insbesondere von der soeben zu Ende gegangenen WM. Das ist deutlich mehr als die 7,6 Milliarden Dollar der letzten Vierjahresperiode mit der WM 2022 in Katar.

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Der Fifa-Präsident Gianni Infantino will den Schwung nun nutzen. Der Weltfussballverband hat bestätigt, dass er externe Investoren an Bord holen möchte. Dafür will der Verband ein neues Tochterunternehmen gründen. Es soll sämtliche wichtigen Geschäfte über alle Fifa-Wettbewerbe hinweg bündeln – von den Übertragungs- und Sponsoringrechten bis hin zum Ticketing und zur Lizenzierung. Bereits gibt es einen Namen dafür: Fifa Forward Enterprise (FFE). Das neue Unternehmen soll auch die operative Durchführung der Fifa-Turniere übernehmen.

20 Prozent für private Investoren

Der Wert dieses neuen Tochterunternehmens soll rund 20 Milliarden Dollar betragen. Die Fifa plant nun, zusammen mit der amerikanischen Grossbank JP Morgan externe Investoren an Bord zu holen. Durch den Verkauf von Minderheitsanteilen von rund 20 Prozent könnte sie so bis zu 4,2 Milliarden Dollar an frischem Kapital aufnehmen.

Für Aufsehen sorgt der Einbezug von Personen aus dem inneren Kreis von US-Präsident Donald Trump: Joshua Kushner, der jüngere Bruder von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, verhandelt mit seinem Finanzfonds darüber, die Investorengruppe anzuführen. Ein Fifa-Sprecher bestätigte offiziell, dass Kushner den Einstieg der neuen privaten Geldgeber leiten soll.

Überraschend kommt das nicht. Der Fifa-Präsident Gianni Infantino hat in den vergangenen Jahren enge Bande zu Donald Trump geknüpft. So überreichte Infantino dem amerikanischen Präsidenten im vergangenen Dezember den erstmals überhaupt verliehenen «Fifa-Friedenspreis» – ein Schritt, der von Kritikern als Verstoss gegen die politische Neutralität des Weltfussballverbands gewertet wurde.

Auch bei sportlichen Entscheiden während der WM hinterliess die Verbindung zwischen Trump und Infantino Spuren: Nach einer Intervention des Weissen Hauses hob die Fifa-Disziplinarkommission die Sperre gegen den amerikanischen Nationalspieler Folarin Balogun auf, was international zu Entrüstungsstürmen führte.

Die Pläne der Fifa sorgten nun auch in der amerikanischen Politik für einen Aufschrei: Jamie Raskin, der führende Demokrat im Justizausschuss des US-Repräsentantenhauses, forderte Infantino auf, sich vom Kongress befragen zu lassen. Raskin will Verflechtungen zwischen der Fifa und dem Trump-Umfeld untersuchen.

Massive Kritik der Uefa

Lautstarke Kritik kommt vom europäischen Fussballverband (Uefa). In einer Mitteilung betont der Verband, dass der Fussball nicht der Fifa gehöre, um verkauft zu werden. «Damit wird eine Grenze überschritten, die die für den Fussball verantwortlichen Institutionen niemals überschreiten dürften», heisst es weiter. Die Seele und die Führung des Fussballs seien keine Handelsware – erst recht nicht bei völliger Intransparenz darüber, wer finanziell davon profitiere, schreibt die Uefa weiter.

Die Kritik der Uefa dürfte allerdings nicht auf reiner Sorge um den Fussball beruhen. Der Verband arbeitet ebenfalls unablässig an der Kommerzialisierung der europäischen Wettbewerbe. Um die Abspaltung einer europäischen «Super League» zu verhindern, gründete er mit den europäischen Spitzenklubs das Joint Venture UC3. Es sorgt für eine gemeinsame Vermarktung der kommerziellen Rechte der Champions League. Allerdings gibt es bei der Uefa keine Pläne, Anteile an externe Finanzinvestoren abzutreten.

Die Fifa ihrerseits drängt immer stärker in den Vereinsfussball und damit in eine der Domänen der Uefa vor. Sie hat etwa die sogenannte Klub-Weltmeisterschaft grundlegend reformiert: So wandelte sie diese in ein vierwöchiges Sommer-Grossturnier mit 32 Vereinsmannschaften aus aller Welt um. Nun prüft sie bereits, das lukrative Turnier künftig öfter als im Vierjahresrhythmus auszutragen.

Der Fifa-Präsident Gianni Infantino will beim Weltfussballverband Fifa private Investoren an Bord holen. Seine Pläne stossen auf lautstarke Kritik.

Der Fifa-Präsident Gianni Infantino will beim Weltfussballverband Fifa private Investoren an Bord holen. Seine Pläne stossen auf lautstarke Kritik.

Imago

Zudem erwägt die Fifa, die Weltmeisterschaft von 48 auf 64 Teams aufzustocken. Der Entscheid, das diesjährige Turnier von 32 auf 48 Teams auszuweiten, hatte bereits die Ankündigung von möglichen rechtlichen Schritten von einzelnen europäischen Ligen zur Folge. Sie befürchten eine Überfrachtung der ohnehin schon engen Terminpläne.

Je stärker die Fifa also ihre eigenen Formate pusht, desto mehr geraten die Uefa und ihr Premiumprodukt, die Champions League, unter Druck. Der Streit um die Milliardeninvestoren ist daher auch ein Machtkampf um die Vorherrschaft auf dem globalen Fussballmarkt und die Verteilung der weltweiten Sponsoren- und TV-Gelder.

Höhere Beiträge für die Verbände

Die Fifa hat derweil bereits konkrete Pläne vorgelegt, wie die frischen Gelder an die Fussballwelt verteilt werden sollen. Zuerst müssen die 211 Mitgliedsverbände den Plänen zustimmen. Danach beabsichtigt der Weltverband, insgesamt mehr als 10 Milliarden Dollar in die weltweite Entwicklung des Sports zu pumpen.

Über das neu zu schaffende Fifa Fast Forward Programme (FFFP) erhält jeder Verband die Option einer einmaligen Sonderzahlung von bis zu 20 Millionen Dollar für Infrastrukturprojekte. Darüber hinaus sollen die regulären Fördergelder drastisch aufgestockt werden: Für den Zyklus von 2027 bis 2030 sind pro Mitgliedsverband neu 20 Millionen Dollar vorgesehen (bisher 8 Millionen Dollar).

In den darauffolgenden Vierjahresperioden soll dieser Beitrag schrittweise auf 22 Millionen Dollar ab 2031 und schliesslich auf 24 Millionen Dollar ab 2035 steigen. Mit den Geldern würden auch der Breiten- und der Frauenfussball gefördert werden.

Die Fifa wehrt sich gleichzeitig gegen den Vorwurf, dass sie die Fussball-WM privatisieren wolle. In ihrer Mitteilung betont sie, die externen Geldgeber würden lediglich eine Minderheitsbeteiligung am geplanten kommerziellen Unternehmen erwerben und keinerlei operative Mitspracherechte erhalten. Weil sich die Investoren zudem an einer Tochtergesellschaft und nicht an der Fifa selbst beteiligen würden, werde der Verband die Hoheit über die Reglemente, den Wettkampfkalender und die Organisation des Weltfussballs behalten.

Das unterschlägt allerdings, dass potente Minderheitsbeteiligte erheblichen Einfluss nehmen können. Wer Milliardenbeträge investiert, erwartet Renditen und könnte darauf drängen, dass der Kalender mit noch mehr lukrativen Spielen verdichtet und der Fussball noch aggressiver kommerzialisiert wird. Für Fans und Spieler könnte sich das Produkt Fussball dadurch grundlegend verändern: etwa durch Formate wie zusätzliche Trinkpausen für Werbeeinblendungen oder eine Show zur Halbzeit des WM-Finals im Stil des Super Bowl.

Die neue Initiative ist bereits der zweite Versuch Infantinos, ein Milliardengeschäft mit privaten Geldgebern aufzusetzen. Im Jahr 2018 legte er dem Fifa-Rat überraschend ein Angebot über 25 Milliarden Dollar für zwölf Jahre vor, das er zusammen mit dem japanischen Technologie-Investor Softbank ausgearbeitet hatte. Damit sollten neue, lukrative Formate geschaffen werden – darunter eine erweiterte Klub-Weltmeisterschaft der Männer, hinter der mutmasslich saudisches Kapital stand.

Der Plan scheiterte damals auch am geschlossenen und massiven Widerstand der Uefa, die ihre finanziellen Flaggschiffe – neben der Champions League auch die Europameisterschaft – bedroht sah.

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