Discounter meldet zum zweiten Mal Insolvenz an – massiver Stellenabbau droht
StartseiteWirtschaftStand: 14.07.2026, 18:58 UhrKommentareUns auf Google folgenDas Einzelhandelsunternehmen Kodi muss erneut Insolvenz anmelden. Der Discounter für Drogerie und Haushaltswaren plant nun einen ha...
- 3 min read
Stand: 14.07.2026, 18:58 Uhr
Kommentare
Das Einzelhandelsunternehmen Kodi muss erneut Insolvenz anmelden. Der Discounter für Drogerie und Haushaltswaren plant nun einen harten Einschnitt.
Oberhausen – Der Nonfood-Discounter Kodi steckt erneut tief in der Krise: Nur eineinhalb Jahre nach seinem letzten Schutzschirmverfahren hat das Unternehmen beim Amtsgericht Halle an der Saale einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Das Gericht ordnete umgehend die vorläufige Eigenverwaltung an. Die Geschäftsführung bleibt damit voll handlungs- und weisungsbefugt und führt die Kette unter Aufsicht eines vorläufigen Sachwalters eigenverantwortlich weiter.

Als Gründe nennt Kodi eine unverändert schwache Konsumstimmung sowie einen zunehmenden Wettbewerbsdruck durch digitale Geschäftsmodelle. Hinzu kommen hohe Energiekosten, steigende Lohnnebenkosten und gleichzeitig hohe Mietkosten, die das Unternehmen nach eigenen Angaben erheblich belasten.
„Ausgangslage nicht einfach“: Discounter Kodi muss erneut Insolvenz anmelden
Kodi-Geschäftsführer Fabian Grund erklärte dazu: „Wir konnten unser vorangegangenes Sanierungsverfahren erfolgreich abschließen und den Geschäftsbetrieb stabilisieren. Die seinerzeit umgesetzten Maßnahmen haben eine wichtige Grundlage für die Fortführung unseres Unternehmens geschaffen. In den vergangenen Monaten haben sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen jedoch in einer Dynamik und Intensität verschärft, die zum Zeitpunkt nicht absehbar waren und unsere Situation erneut erheblich belasten.“
Zur Entscheidung, nun erneut ein Insolvenzverfahren einzuleiten, sagte Grund: „Das nun eingeleitete Verfahren ist Ausdruck eines verantwortungsvollen Umgangs mit der Situation. Unser Ziel ist es, den Fortbestand unseres Unternehmens zu sichern. Die Ausgangslage ist allerdings nicht einfach – das müssen wir ganz offen sagen.“
Bundesweit 150 Filialen, 1200 Mitarbeiter – das ist Kodi
Im Rahmen der Restrukturierung muss Kodi nach eigener Einschätzung rund 50 der aktuell 150 Filialen schließen. Mit den geplanten Maßnahmen wird auch ein Abbau von Arbeitsplätzen einhergehen. Welche Standorte konkret betroffen sind, steht noch nicht fest – weitere organisatorische Maßnahmen würden derzeit geprüft und sollen in den kommenden Wochen abgestimmt werden. Zunächst werde der Geschäftsbetrieb an sämtlichen Standorten ohne Einschränkungen fortgeführt, teilte das Unternehmen mit.
Für die Belegschaft, die die vorherige Sanierung mit großem Einsatz mitgetragen hat, findet Grund deutliche Worte: „Das ist eine harte Einschätzung – insbesondere für unsere Mitarbeitenden, die bereits ein Sanierungsverfahren mit großem Engagement begleitet haben und sich tagtäglich für KODi einsetzen. Dass wir ihnen diese Perspektive geben müssen, tut uns außerordentlich leid.“
Die Mitarbeitenden wurden am Dienstag, 14. Juli, über die Einleitung des vorläufigen Insolvenzverfahrens und die nächsten Schritte informiert. Ihre Löhne und Gehälter sind für die Monate Juli, August und September 2026 über das Insolvenzgeld gesichert. Kodi beschäftigt derzeit 1.200 Mitarbeiter, davon 72 im Dienstleistungszentrum und 36 in der Logistik. Die Kette betreibt bundesweit 150 Filialen mit einem Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen.
Zweites Insolvenzverfahren in gut 18 Monaten: Kodi wurde schon mal durch Investoren gerettet
Es ist bereits das zweite Insolvenzverfahren für Kodi innerhalb kurzer Zeit: Schon im November 2024 hatte das Unternehmen wegen Zahlungsschwierigkeiten ein Schutzschirmverfahren beantragt. Damals übernahm ein Investoren-Konsortium 150 der insgesamt 230 Filialen. Zuletzt war die Kette in die Schlagzeilen geraten, als sie im Februar dieses Jahres den in Ostdeutschland starken Konkurrenten Mäc Geiz übernahm.
Im laufenden Verfahren wird Kodi von der Insolvenz- und Sanierungskanzlei AndresPartner unterstützt, die auch die – davon unabhängig laufende – Sanierung der Schwestergesellschaft Mäc Geiz begleitet. Die Kanzlei verfügt nach eigenen Angaben über langjährige Erfahrung in der Restrukturierung von Einzelhandelsunternehmen. Zum vorläufigen Sachwalter bestellte das Gericht den Sanierungsexperten Prof. Dr. Lucas F. Flöther von der Kanzlei Flöther & Wissing, der das Verfahren unabhängig begleitet und die Geschäftsführung im Interesse der Gläubiger überwacht.
Die Kodi Handels GmbH mit Sitz in Oberhausen versorgt nach eigenen Angaben seit 1981 Kundinnen und Kunden mit Produkten des Alltags. Das Haushalts- und Drogeriesortiment umfasst mehr als 2.700 Artikel aus den Bereichen Reinigen, Kochen, Dekorieren, Heimwerken, Textilien und Lebensmittel. (Quellen: Lebensmittel Zeitung, Lebensmittel Praxis, INDat, dpa) (han)