Die größte Hafenanlage ihrer Art in Deutschland entsteht in Niedersachsen – auf ihr ruhen große Hoffnungen
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Stand: 19.07.2026, 21:15 Uhr
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Eine Kaimauer als Kraftwerk: In Cuxhaven wird gerade Energiegeschichte geschrieben. Im Alten Fischereihafen entsteht ein Leuchtturmprojekt für die Energiegewinnung aus Meerwasser.
Im Alten Fischereihafen von Cuxhaven entsteht ein Energieprojekt, das nicht nur in Niedersachsen, sondern in dieser Größenordnung auch europaweit seinesgleichen sucht. Rund um das Ufer am Alten Fischereihafen wird eine 1.200 Meter lange Stahlspundwand errichtet – keine gewöhnliche Kaimauer, sondern eine thermisch aktivierte Konstruktion, die Wärme und Kälte direkt aus dem Meerwasser gewinnt. Das Ziel: ein gesamtes Stadtquartier klimaneutral zu heizen und zu kühlen, ohne einen Hauch fossiler Energie.
Heizen mit Meerwasser: Cuxhaven baut Europas größte Energiespundwand
Die Idee klingt simpel, ist technisch aber anspruchsvoll. Hinter den rund 1750 Stahlbohlen der Spundwand verlaufen insgesamt rund 24 Kilometer Absorberrohre. Sie funktionieren nach demselben Prinzip wie Erdwärmesonden, die tief in den Boden gebohrt werden – nur dass hier nicht die Erde, sondern das Hafenwasser als Wärmequelle dient. Das Meerwasser gibt seine gespeicherte Energie an die Rohre ab. Von dort wird sie über leistungsstarke Großwärmepumpen in nutzbare Heiz- und Kühlenergie umgewandelt.
Entscheidend dabei: Das System greift nicht in das Gewässer ein. Es wird kein Wasser entnommen oder eingeleitet. Die Spundwand wirkt ausschließlich als passiver Wärmetauscher – direkt im Hafenbecken, ohne Eingriff in das Ökosystem. Das System wurde zuvor in drei kleineren Versuchsanlagen erprobt. Cuxhaven ist nun die erste große Anlage weltweit. Die Lebensdauer der Spundwand wird mit bis zu 100 Jahren angegeben; sie kann ganzjährig im Dauerbetrieb eingesetzt werden.
Neues Energieprojekt liefert 5.000 Megawattstunden pro Jahr – und spart viele Tonnen CO₂
Die Zahlen hinter dem Projekt sind beeindruckend. Die Energiespundwand soll eine Heizleistung von 2.050 Kilowatt erreichen und jährlich rund 5.000 Megawattstunden Wärmeenergie liefern. Damit soll das rund 61.000 Quadratmeter große Quartier rund um den Alten Fischereihafen – mit zahlreichen Wohn- und Gewerbegebäuden – dauerhaft und vollständig klimaneutral mit Energie versorgt werden: beheizt im Winter, gekühlt im Sommer.
Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich laut Planung auf rund 3,135 Millionen Euro. Allein die Leitungen hinter den Stahlelementen kosten rund 2,5 Millionen Euro. Das Land Niedersachsen beteiligt sich mit einem Förderbescheid in Höhe von 1,4 Millionen Euro – das entspricht 45 Prozent der Investitionssumme.
„Einzigartig in Deutschland“: Meerwasser-Energie versorgt ein ganzes Quartier
Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer betont: „Ein Projekt in dieser Größenordnung, mit Energie aus der Spundwand umliegende Gebäude mit Wärmepumpen klimaneutral zu versorgen, ist einzigartig in Deutschland.“ Das Projekt sei mehr als ein lokales Vorzeigeprojekt. Die Energiespundwand zeige, „wie behutsam und umweltfreundlich klimagerechte Energie aus dem Meerwasser gezogen werden kann“. Die hier eingesetzten technischen Lösungen könnten als Demonstrationsobjekt für andere Quartiere und Kommunen dienen – überall dort, wo Flüsse, Seen oder Hafenbecken zur Verfügung stehen.
Aquathermie gilt in der Fachwelt längst als einer der vielversprechendsten Bausteine der Wärmewende. Die Energiequelle Wasser ist vielerorts vorhanden, der Eingriff in die Natur minimal, das Potenzial groß. Auch auf der Überseeinsel in Bremen wird Wasserenergie als Quelle der Wärme- und Kälteversorgung genutzt. Hier versorgt die Weser das Quartier nahezu CO₂-neutral mit Strom, Wärme und Kälte.