Bewässerungsverbot im Aargau: Gärten vertrocknen – Gemeinden unter Druck

Ein Leser wirft der Gemeinde Buchs AG Doppelmoral vor, weil sie Sportplätze weiter bewässert. Ganz anders ist die Situation in mehreren Aargauer Gemeinden, wo Bewohner ihre Gärten seit Wochen kaum mehr giessen dürfen.

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Bewässerungsverbot im Aargau: Gärten vertrocknen – Gemeinden unter Druck

Publiziert30. Juli 2026, 18:42

Bewässerungsverbot«Es tut weh, diese Pflanzen vertrocknen zu lassen»

Ein Leser wirft der Gemeinde Buchs AG Doppelmoral vor, weil sie Sportplätze weiter bewässert. Ganz anders ist die Situation in mehreren Aargauer Gemeinden, wo Bewohner ihre Gärten seit Wochen kaum mehr giessen dürfen.

Thomas Sennhauser

Darum gehts

  • In mehreren Aargauer Gemeinden gelten verbindliche Bewässerungsverbote wegen anhaltender Trockenheit.
  • Ein Leser wirft der Gemeinde Buchs AG Doppelmoral vor, weil sie Sportplätze weiter bewässert – die Gemeinde widerspricht.
  • Gemeinderat Christian Moricchi erklärt, eine vollständige Austrocknung der Sportplätze würde Sanierungskosten «im Umfang von einem Steuerprozent» verursachen.

«Das ist ein Unsinn und eine Sauerei. Ich fühle mich als Bewohner verarscht. Die Gemeinde betreibt hier eine Doppelmoral.» Leser F. (42) ist empört über die Gemeinde Buchs im Kanton Aargau: «Die Gemeinde verbietet der Bevölkerung das Bewässern ihrer Gärten, bewässert aber gleichzeitig täglich ihre Grünanlagen und die Fussballplätze.»

Eine Anfrage bei der Gemeinde zeigt jedoch: Ein generelles Bewässerungsverbot gibt es in Buchs AG nicht. Die Bevölkerung wird lediglich dazu aufgerufen, sparsam mit Wasser umzugehen und wenn möglich auf das Bewässern von Rasenflächen zu verzichten. Gemeinderat Christian Moricchi bestätigt, dass die Sportplätze weiterhin bewässert werden – allerdings nur noch einmal pro Woche während zwei bis vier Stunden. Andere öffentliche Rasenflächen würden bereits gar nicht mehr bewässert.

Die Gemeinde begründet die Ausnahme mit den hohen Kosten, welche bei einem vollständigen Austrocknen der grossen Sportplätze entstehen würden. Eine spätere Sanierung würde laut Moricchi schnell Kosten «im Umfang von einem Steuerprozent» verursachen. Von Doppelmoral könne deshalb keine Rede sein.

In anderen Aargauer Gemeinden gilt ein härteres Bewässerungsverbot

Anders als in Buchs AG gilt in anderen Gemeinden des Kantons Aargau ein verbindliches Bewässerungsverbot. Beispielsweise in Dottikon AG dürfen Rasenflächen nicht mehr mit dem Schlauch oder Rasensprenger bewässert werden. Erlaubt ist nur noch das gezielte Giessen besonders wichtiger Pflanzen mit der Giesskanne. Wie ein Augenschein vor Ort in Dottikon AG zeigt, verzichtet offenbar auch die Gemeinde selbst auf die Bewässerung ihrer Sportplätze und öffentlichen Grünflächen.

In diesen Gemeinden gelten derzeit Bewässerungsverbote

«So trocken war unser Garten seit 70 Jahren noch nie»

Für die Dottikonerin Yvonne (92), die seit 70 Jahren hier lebt, ist es eine Selbstverständlichkeit, dass auch die Gemeinde auf die Bewässerung verzichtet. An einen derart trockenen Sommer kann sie sich nicht erinnern. «So etwas habe ich noch nie erlebt. Noch nie war unser Rasen so vertrocknet», sagt sie. Sie befürchte, dass die Wiese endgültig zerstört sei und im Herbst erstmals neu angesät werden müsse.

Ganz aufgegeben hat sie die Hoffnung aber noch nicht. «Vielleicht schenkt uns der heilige Petrus doch noch einmal ein Gewitter.» Normalerweise freue sie sich darüber, dass Dottikon nicht in einer typischen Regenzone liege. «Aber dieses Jahr ist das gar kein Vorteil.»

«Nicht einmal 2003 war es so schlimm»

Auch Christine (77) ist überrascht, wie früh die Natur in diesem Sommer austrocknet. «Nicht einmal im Rekordsommer 2003 war es Ende Juli schon so trocken.» Damals sei der Rasen zwar ebenfalls gelb gewesen, aber längst nicht in diesem Ausmass. «Ich will gar nicht wissen, wie das Ende August aussieht.»

Sie hält sich konsequent an das Bewässerungsverbot. «Ich giesse nur noch die wichtigsten Blumen mit der Giesskanne. Ein schöner Rasen ist nicht lebenswichtig.»

«Christine (77) hält sich konsequent an das Bewässerungsverbot. Mit der Giesskanne versorgt sie nur noch die wichtigsten Blumen – «ein schöner Rasen ist nicht lebenswichtig», sagt sie.

«Christine (77) hält sich konsequent an das Bewässerungsverbot. Mit der Giesskanne versorgt sie nur noch die wichtigsten Blumen – «ein schöner Rasen ist nicht lebenswichtig», sagt sie.20min/Thomas Sennhauser

«Das Wasser gelangt nicht zu den Wurzeln, weil der Boden steinhart ist»

Auch Franco (72), der seit rund 20 Jahren in Dottikon lebt, kennt einen derart trockenen Sommer nicht. Auch sein Rasen ist völlig vertrocknet: «Eine Hortensie ist bereits abgestorben.» Besonders frustriert ist er über den pickelharten Boden. «Das Wasser versickert gar nicht mehr. Es läuft einfach davon.»

Mit der erlaubten Giesskanne könne er seine Blumen kaum sinnvoll bewässern. Um das Wasser bis zu den Wurzeln zu bringen, müsste er immer wieder nachgiessen. «Das wäre reine Wasserverschwendung.» Gleichzeitig schmerze es ihn, teure Hortensien einfach vertrocknen zu lassen. «Ich stecke in einem richtigen Dilemma.»

Wie gehst du mit der aktuellen Trockenheit und den Wasser-Sparappellen um?

Ich spare Wasser, wo es nur geht, auch wenn meine Pflanzen leiden.

Ich giesse nur das Allernötigste mit der Kanne.

Ich habe keine Einschränkungen, bei uns ist die Lage nicht so dramatisch.

Ich halte mich nicht an die Appelle, mein Garten ist mir wichtiger.

Ich habe keinen Garten und muss mir keine Gedanken machen.

Ich warte einfach auf Regen und hoffe das Beste.

Thomas Sennhauser

Thomas Sennhauser (ths), arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er begann als Videojournalist und wechselte nach zwei Jahren ins Ressort News wo er über gesellschaftliche Themen und Analysen zu Geschehnissen im Ausland schreibt.

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