Etwas Licht, viel Schatten auf dem Jobmarkt

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Etwas Licht, viel Schatten auf dem Jobmarkt

Stand: 26.07.2026, 18:09 Uhr

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Ein Arbeiter auf der Baustelle der zweiten S-Bahn-Stammstrecke in München. Die Tür zum Jobmarkt steht nicht gerade offen, im Gegenteil. „Die Zugangschancen am Arbeitsmarkt verschlechtern sich gegenüber dem Vorjahr erneut“, sagt Arbeitsmarktforscherin Sandra Zimmermann.

Ein Arbeiter auf der Baustelle der zweiten S-Bahn-Stammstrecke in München. Die Tür zum Jobmarkt steht nicht gerade offen, im Gegenteil. „Die Zugangschancen am Arbeitsmarkt verschlechtern sich gegenüber dem Vorjahr erneut“, sagt Arbeitsmarktforscherin Sandra Zimmermann. © Peter Kneffel/dpa

Der FR-Arbeitsmarktindex FRAX legt zu – und das trotz vieler Alarmsignale wie einer steigenden Arbeitslosigkeit. Ein Blick in die Daten liefert die Hintergründe.

Für den FRAX geht es nach oben. Im ersten Quartal 2026 klettere der Index, den das Wirtschaftsforschungsinstitut WifOR für die FR berechnet, auf 108,2 Punkte. Das ist ein Plus von 2,2 Punkten im Vergleich zum Vorjahresquartal – und ein Zeichen der Erholung auf dem kriselnden Arbeitsmarkt?

Nein, denn zwar verbessern sich die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten deutlich, was das Plus antreibt, wie Dr. Sandra Zimmermann, Head of Scientific Dialogue bei WifOR, sagt. „Der Anstieg darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Lage am Arbeitsmarkt insgesamt weiter eintrübt“, betont die Forscherin. „Beschäftigungsentwicklung, Zugangschancen und Ausbildung entwickeln sich gegenüber dem Vorjahr rückläufig. Insbesondere die steigende Arbeitslosigkeit, der wachsende Anteil von Langzeitarbeitslosen und die sinkende Zahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge zeigen, dass sich die strukturellen Herausforderungen am Arbeitsmarkt verfestigen.“

Die Zahl der Erwerbstätigen lag im ersten Quartal bei rund 45,86 Millionen Menschen. Das ist ein leichter Rückgang, allerdings bleibt die Erwerbstätigkeit auf einem hohen Niveau. „Deutlicher fällt die Entwicklung bei der Arbeitslosigkeit aus: Sie stieg binnen eines Jahres um mehr als 77.000 Personen auf knapp 2,98 Millionen“, sagt Zimmermann.

Ein weiteres Problem: Die Tür zum Jobmarkt steht nicht gerade offen, im Gegenteil. „Die Zugangschancen am Arbeitsmarkt verschlechtern sich gegenüber dem Vorjahr erneut“, sagt Zimmermann. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen stieg im ersten Quartal auf 35,9 Prozent und lag damit 0,8 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert. Auch der Anteil der Unter-25- und Über-54-Jährige an allen Arbeitslosen steigt.

Auch auf dem Ausbildungsmarkt bleibt die Lage angespannt. Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverhältnisse sinkt; und rechnerisch stehen nicht für alle Ausbildungsinteressierten ausreichend Ausbildungsangebote zur Verfügung.

Für das zweite Quartal 2026 liegen die umfangreichen Daten, auf deren Basis der FRAX berechnet wird, noch nicht vor

Was ist der FRAX?

Der FR-Arbeitsmarktindex (FRAX) ist eine Entwicklung der Frankfurter Rundschau und des Wirtschaftsforschungsinstituts WifOR. Grundgedanke ist, dass die Arbeitslosen- und Erwerbstätigenzahlen alleine keine fundierte Bewertung des Arbeitsmarktes ermöglichen. Der FRAX analysiert deshalb den deutschen Arbeitsmarkt in fünf Kategorien und anhand von 18 Indikatoren, um so zu einem stimmigen Gesamtbild zu kommen. Alle Texte sind auf fr.de/frax zu finden. FR

Wie entwickelt sich der Arbeitsmarkt in Deutschland?

Beschäftigung: Der Trend geht in die falsche Richtung: weniger Erwerbstätige, mehr Arbeitslose – das ist keine gute Kombination. Knapp 45,86 Millionen Menschen waren im ersten Quartal erwerbstätig, etwas weniger als im Vorjahresquartal. Dafür legt die Arbeitslosigkeit zu: 2,98 Millionen Menschen waren ohne Job, ein Plus von knapp 77.000 Personen. Die WifOR-Fachleute sehen hier „eine beständige Verschlechterung“. Die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden verändert sich quasi nicht.

Zugangschancen: Unter Krisen leiden Randgruppen auf dem Arbeitsmarkt besonders – also etwa junge und ältere Menschen. Das zeigt sich auch aktuell: Der Anteil jüngerer und älterer Arbeitsloser an allen Arbeitslosen steigt im ersten Quartal auf 34,7 Prozent. Ein Jahr zuvor waren es noch 33,9 Prozent. Die angespannte Lage zeigt sich auch bei Langzeitarbeitslosen – also Menschen, die länger als ein Jahr ohne Job sind. Ihr Anteil beträgt 35,9 Prozent, ein Plus von 0,8 Prozentpunkten.

Ausbildung: Der Nachwuchs sendet seit mehreren Jahren keine guten Nachrichten. Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverhältnisse sinkt weiter und liegt aktuell nur noch bei knapp 468.000. Das wird Folgen haben, schließlich ist der Azubi von heute die Fachkraft von morgen. Immerhin: Bei der Übernahmequote verändert sich im ersten Quartal nichts: 79 Prozent der Azubis werden übernommen und bleiben nach Ausbildungsende in ihrem Betrieb.

Einkommen: Die Preise sind noch immer hoch, aber die Zeit der großen Preissteigerungen auf breiter Front ist vorerst vorbei. Dafür steigen die Löhne inzwischen stärker als die Inflation. Das bedeutet, dass auch die Kaufkraft steigt. Davon profitieren aber nicht alle Menschen in Deutschland. Bei nicht wenigen Personen ist der Lohn so niedrig, dass sie ihn mit Grundsicherung aufstocken müssen: Im ersten Quartal waren das 780.200 Erwerbstätige, immerhin 35.400 weniger als im Vorjahr.

Arbeitsbedingungen: Der große Ausreißer: Bei den Arbeitsbedingungen geht es steil bergauf. Sie haben sich gegenüber dem Vorjahr spürbar verbessert und heben sich damit von anderen Kategorien ab. Weniger Arbeits- und Wegeunfälle sowie vor allem eine deutlich stärkere emotionale Bindung an den Arbeitsplatz tragen zu stabileren und hochwertigeren Beschäftigungsverhältnissen bei. Ein Grund für das Minus bei den Unfällen ist allerdings der Rückgang an Beschäftigten.