Familien sind Schlüssel zur Intergration von Expats

Expats in der Schweiz Fuss fassen in der Schweiz: Die Schlüsselrolle der Partner Sie ziehen für die Karriere des Partners mit, werden aber oft alleingelassen...

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Familien sind Schlüssel zur Intergration von Expats

Expats in der Schweiz Fuss fassen in der Schweiz: Die Schlüsselrolle der Partner

Sie ziehen für die Karriere des Partners mit, werden aber oft alleingelassen. Laut Forschung sind sie jedoch entscheidend dafür, ob internationale Fachkräfte hier Fuss fassen.

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Sie fühlte sich zu Beginn sehr allein. Die Kanadierin Meaghan Renner kam 2018 mit ihrer Familie nach Basel. Ihr Mann arbeitet bei einer internationalen Pharmafirma, sie selbst wollte damals nicht arbeiten, ihre Kinder waren noch klein.

Person mit kurzem braunem Haar vor grauer Wand.
Legende:

Der Start war schwer – doch heute ist Meaghan Renner glücklich in Basel.

ZVG/Meaghan Renner

Die Firma ihres Mannes habe ein Willkommenspaket zur Verfügung gestellt: Hilfe mit dem Umzug, Beratung für die Einschulung. Und auch Support für die Ehepartner. Doch als Renner die «Spouse»-Unterstützung anforderte, hiess es: Das ist Hilfe bei der Jobsuche. Angebote für betreuende Eltern gäbe es keine.

Es hat sich angefühlt, als wäre ich keine Person mehr.

«Wenn du in die Schweiz kommst und dein Beruf hier nicht eins zu eins existiert, verlierst du einen grossen Teil deiner Identität», sagt Meaghan Renner. Sie hätte sich darum gewünscht, dass auch betreuende Eltern Starthilfe bei der Integration bekommen, und diese Absage habe sie getroffen: «Es hat sich angefühlt, als wäre ich keine Person mehr.»

Wer sind die « Spouses»?

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«Spouses» ist Englisch und bedeutet wörtlich übersetzt Ehepartner oder Lebenspartnerin. Wenn in einer Paarkonstellation jemand einen Job im Ausland annimmt, zieht die andere Person mit – oder auch die ganze Familie.

Diese Rolle nannte man in der Fachsprache früher auch «trailing spouse», also nachziehender oder -folgender Partner. Der Ausdruck gilt in der Forschung aber als veraltet oder sogar als abwertend. Denn dem oder der Spouse wird so eine passive Haltung zugeschrieben.

Die Partnerinnen und Partner der internationalen Arbeitskräfte sind jedoch entscheidend dafür, wie gut sich die Arbeitskräfte integrieren und wie lange sie hier bleiben. Zu diesem Schluss kommt Kristina Jäger. Die Kulturanthropologin hat an der Universität Basel promoviert und der Personengruppe der Spouses ihre Dissertation gewidmet.

Partner als Schlüsselrolle für Integrationsprozess

Die Fachkräfte selbst hätten häufig einen vergleichsweise einfachen Start in der Schweiz, sagt Kristina Jäger. Sie haben einen Job und bewegen sich meist in einem Umfeld, das Englisch spricht. Anders steht es um die Partnerinnen und Partner.

Person mit Brille vor verschwommenem Hintergrund.
Legende:

Kristina Jäger hat an der Universität Basel ihre Doktorarbeit zu Expats in der Schweiz geschrieben.

ZVG/Kristina Jäger

Wenn eine Familie oder ein Paar ins Ausland zieht, würden sich die Rollen und Dynamiken oft grundlegend ändern, so Jäger. «Das ist ein Faktor, den viele unterschätzen. Für manche ist der Schritt ins Ausland sehr schwierig», sagt die Forscherin. Nicht nur die Arbeitskraft, sondern auch die Begleitperson muss Fuss fassen. Sowohl beruflich als auch sozial.

Findet einer der beiden Partner in der Schweiz keinen Anschluss, kann dies weitreichende Folgen haben: Häufig entscheidet sich die Familie, weiterzuziehen, erklärt Jäger.

Mehrere Kinder sitzen in einem Klassenzimmer, eins hebt die Hand.
Legende:

Hilfe bei der Einschulung der Kinder soll den internationalen Arbeitskräften helfen, sich zurechtzufinden.

Keystone/Gaetan Bally

Die Rolle des Spouse ist unabhängig vom Geschlecht anspruchsvoll, sagt die Forschung von Jäger. Wenn aber Männern die Spouse-Rolle zukomme, seien sie im Vergleich zu Frauen stärker belastet.

Männer sind oft der Meinung, dass sie die Situation allein meistern können

«Männer sind weniger gewillt, Unterstützungsangebote anzunehmen», sagt Jäger: «Sie sind oft der Meinung, dass sie die Situation allein meistern können». Zudem unterschätzten sie häufig, wie lange der berufliche Einstieg dauern kann, und seien deshalb schneller frustriert.

Partner als Chance für Fachkräftemangel

Gerade bei der beruflichen Integration der Spouses sieht Jäger Chancen: Angesichts des Fachkräftemangels könnten die häufig gut ausgebildeten Partnerinnen und Partner von Expats einen wichtigen Beitrag leisten – vorausgesetzt, sie würden gezielter in den Arbeitsmarkt integriert.

«Das Potenzial der Spouses wurde noch nicht ausreichend erkannt. Es ist mehr Engagement erforderlich, um jede und jeden Einzelnen zu erreichen», so das Fazit von Kristina Jäger.

Basel zieht internationale Fachkräfte an

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In der Region Basel tummeln sich internationale Firmen. Pharmariesen wie Roche oder Novartis haben ihren Firmensitz am Rheinknie. Auch internationale Firmen wie Bayer und Lonza oder die Universität Basel ziehen hoch qualifizierte Arbeitnehmende an.

Der Kanton Basel-Stadt hat keine genauen Daten zu diesen Arbeitskräften, die häufig unter dem Sammelbegriff «Expats» zusammengefasst werden. Die Behörden sprechen von «internationalen Fachkräften». 2024 haben «rund 47'000 ausländische Erwerbspersonen» zur baselstädtischen Wohnbevölkerung gezählt, schreibt das zuständige Departement. Ein grosser Anteil davon habe einen tertiären Bildungsabschluss.

Und was ist mit Meaghan Renner? Die Kanadierin ist heute glücklich in Basel. Sie arbeitet als Schneiderin und betreibt eine Website, die Alltagswissen für Expats in der Region Basel vermittelt. In zwei Jahren kann sie mit dem Einbürgerungsprozess beginnen. «Das werde ich auf jeden Fall machen», sagt Renner und lächelt.

Regionaljournal Basel/Baselland, 21.7.26, 17:30 Uhr ;  garl;gygm;liea