Die wahre Gefahr fürs Herz: Warum Ärzte jetzt vor allem vor diesen Getränken statt vor Kaffee warnen

Neue Empfehlungen der AHA besagen, dass bis zu fünf Tassen Kaffee pro Tag der Herzgesundheit zuträglich sein können, wobei Experten betonen, dass Energydrinks weiterhin Risiken bergen.

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Die wahre Gefahr fürs Herz: Warum Ärzte jetzt vor allem vor diesen Getränken statt vor Kaffee warnen

Experten mit neuer Empfehlung: So können fünf Tassen Kaffee täglich das Herzinfarkt-Risiko senken

Stand: 26.07.2026, 07:30 Uhr

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Neue Empfehlungen der AHA besagen, dass bis zu fünf Tassen Kaffee pro Tag der Herzgesundheit zuträglich sein können, wobei Experten betonen, dass Energydrinks weiterhin Risiken bergen.

München – Wissenschaftler haben neue Empfehlungen veröffentlicht, denen zufolge bis zu fünf Tassen koffeinhaltigen Kaffees pro Tag für die meisten Erwachsenen sicher sein und sogar das Risiko für mehrere schwere Herzerkrankungen senken könnten.

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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsweek.com

Das Ergebnis ist bedeutsam, weil Koffein in der Kardiologie seit Langem widersprüchlich beurteilt wird und vielen Patienten geraten wurde, es einzuschränken oder ganz zu meiden. Die neue Forschung legt nahe, dass Millionen von Kaffeetrinkern ihren Konsum nicht reduzieren müssen und künftige Empfehlungen sich ändern könnten, wenn Experten besser verstehen, wie Koffein unterschiedliche Menschen beeinflusst.

Eine Hand bedient die Anzeige eines Kaffeeautomaten, unten fließt Kaffee in zwei dünnen Strömen in eine weiße Tasse.

Neue Empfehlungen der AHA besagen, dass bis zu fünf Tassen Kaffee pro Tag der Herzgesundheit zuträglich sein können, © IMAGO/Ulrich Roth

Die American Heart Association (AHA) hat eine neue wissenschaftliche Stellungnahme veröffentlicht, in der sie zu dem Schluss kommt, dass bis zu 400 Milligramm Koffein pro Tag – etwa drei bis fünf 8‑Unzen‑Tassen koffeinhaltigen Kaffees – im Allgemeinen für die meisten Erwachsenen sicher sind und bei einigen Menschen mit einem geringeren Risiko für Herzinsuffizienz, Herzkrankheiten und Schlaganfall in Verbindung stehen können.

In der Stellungnahme wird außerdem davor gewarnt, dass hoch dosierte Koffeinquellen, insbesondere Energydrinks und Energy‑Shots, den Blutdruck erhöhen und Herzrhythmusstörungen auslösen können, was unterstreicht, dass nicht jede Form von Koffein gleich zu bewerten ist.

Die AHA weist zudem darauf hin, dass gefilterter Kaffee das LDL‑Cholesterin nicht erhöht, während ungefilterter Kaffee – etwa French‑Press‑, türkischer oder aufgekochter Kaffee – Cafestol enthält, eine Substanz, von der bekannt ist, dass sie den LDL‑Spiegel ansteigen lässt.

Neue Erkenntnisse zu Kaffee und Herzgesundheit

Die Auswertung der AHA hebt eine wachsende Zahl von Studien hervor, die darauf hindeuten, dass moderater Kaffeekonsum die kardiovaskuläre Gesundheit unterstützen kann.

Forscher stellten fest, dass Menschen, die regelmäßig koffeinhaltigen Kaffee trinken, tendenziell seltener an Herzinsuffizienz, koronarer Herzkrankheit und Schlaganfall erkranken. Einige randomisierte Studien zeigen sogar ein geringeres Risiko für Vorhofflimmern bei regelmäßigen Kaffeetrinkern.

Wissenschaftler mahnen jedoch zur Vorsicht und betonen, dass die positiven Effekte von Kaffee nicht allein auf Koffein zurückzuführen sein dürften.

Kaffee enthält Dutzende bioaktiver Substanzen – darunter Antioxidantien und entzündungshemmende Wirkstoffe –, die möglicherweise erklären, warum sowohl koffeinhaltige als auch entkoffeinierte Varianten mit einem geringeren Risiko für bestimmte Erkrankungen in Verbindung gebracht wurden.

Mehr als nur Koffein: Was im Kaffee steckt

Ungefilterter Kaffee hebt sich aus Sicht der AHA besonders ab, weil in French‑Press‑, türkischem oder gekochtem Kaffee höhere Mengen an Cafestol vorkommen, das nachweislich den LDL‑Cholesterinspiegel erhöht. Gefilterter Kaffee hingegen entfernt einen Großteil dieser Verbindung, sodass sich hier kein Anstieg des LDL‑Cholesterins zeigt. Für Verbraucher könnte die Zubereitungsart daher eine wichtige Rolle spielen, wenn sie Kaffee regelmäßig und in größeren Mengen trinken.

Dr. Gregory M. Marcus – Vorsitzender der Verfassergruppe der wissenschaftlichen Stellungnahme und Professor für Medizin an der University of California, San Francisco – sagte gegenüber Newsweek, dass es bislang überraschend wenig formale Empfehlungen zu Koffein gegeben habe.

Frühere Ratschläge beruhten seinen Worten nach „eher auf überliefertem Erfahrungswissen als auf Wissenschaft“ und empfahlen Patienten mit Herzrhythmusstörungen oder Bluthochdruck häufig, Koffein vollständig zu meiden.

Wie sich die Empfehlungen zu Koffein gewandelt haben

„Dank jüngster, streng durchgeführter Studien wissen wir nun, dass koffeinhaltiger Kaffee zumindest möglicherweise vor der häufigsten Herzrhythmusstörung, dem sogenannten Vorhofflimmern, schützt“, sagte Marcus. Er fügte hinzu, dass der Zusammenhang zwischen Koffein und Blutdruck „potenziell in beide Richtungen gehen“ könne, je nach individueller Veranlagung.

Marcus wies darauf hin, dass kardiologische Leitlinien erst vor Kurzem begonnen haben, Koffein ausdrücklich zu erwähnen, wobei die erste formale Empfehlung lautet, dass das Meiden von Koffein Patienten mit Vorhofflimmern keinen Nutzen bringt. Zugleich betonte er, dass diese Neubewertung von Koffein sorgfältig eingeordnet werden müsse, da Menschen sehr unterschiedlich darauf reagieren und weitere Forschung nötig sei, um sichere Grenzen für verschiedene Patientengruppen klar zu definieren.

Könnte Kaffee eines Tages empfohlen werden

Marcus erklärte, die neuen Ergebnisse eröffneten eine spannende Perspektive: die Frage, ob Ärzte eines Tages koffeinhaltigen Kaffee für bestimmte Patienten empfehlen könnten. Derzeit sei die Beweislage jedoch nicht stark genug, um Koffein gezielt zur kardiovaskulären Prävention zu verschreiben.

Doch die sich abzeichnenden Signale – insbesondere in Bezug auf Vorhofflimmern und das Risiko einer Herzinsuffizienz – deuteten darauf hin, dass künftige Studien eine Grundlage für klarere und möglicherweise positivere Empfehlungen schaffen könnten.

Während Kaffee für die meisten Erwachsenen als sicher gilt, warnt die AHA ausdrücklich vor Energydrinks und Energy‑Shots, die pro Unze drei‑ bis viermal so viel Koffein enthalten können wie normaler Kaffee. Solche Produkte können den Blutdruck deutlich in die Höhe treiben, Herzrhythmusstörungen auslösen und die kardiovaskuläre Belastung erhöhen, insbesondere bei jüngeren Erwachsenen, die sie häufig in kurzer Zeit und in großen Mengen konsumieren.

Warum Energydrinks ein Sonderfall sind

Die AHA listet mehrere mögliche Folgen von Energydrinks auf: Sie können den Blutdruck in die Höhe schnellen lassen, Herzrhythmusstörungen auslösen und die Belastung für das Herz‑Kreislauf‑System erhöhen, vor allem bei jüngeren Erwachsenen. Fallberichte dokumentieren Herzrhythmusstörungen bei ansonsten gesunden Menschen kurz nach dem Konsum hoch dosierter Energydrinks, was die Sorge verstärkt, dass diese Produkte Herzprobleme auslösen oder verschlimmern könnten.

Koffein erreicht innerhalb einer Stunde seine maximale Konzentration im Blut und wird je nach Genetik, Alter, Medikamenteneinnahme und bisherigem Koffeinkonsum unterschiedlich schnell abgebaut.

Kurzfristige Effekte können vorübergehende Blutdruckanstiege, eine erhöhte Herzfrequenz, gesteigerte Wachheit sowie gelegentliche Herzstolperer oder Schlafstörungen umfassen. Da die Reaktionen stark variieren, betonen Experten, dass das, was für die eine Person unbedenklich ist, bei einer anderen bereits Beschwerden hervorrufen kann.

Individuelle Reaktionen auf Koffein

Dr. Ethan Korngold, Kardiologe und Chief Medical Officer für das Vascular‑Geschäft von Abbott, sagte gegenüber Newsweek, dass die neuen Erkenntnisse eine bedeutende Veränderung darin darstellen, wie Ärzte künftig über Koffein sprechen könnten.

„Über Jahrzehnte hinweg warnten Kardiologen ihre Patienten vor Kaffee, und diese Forschung stellt diese konventionelle Weisheit in wesentlicher Hinsicht infrage. Wir sehen nun, dass Koffein in der richtigen Menge und aus den richtigen Quellen das Herz möglicherweise eher schützt, als ihm zu schaden.“

Korngold betonte, dies sei ein wichtiger Unterschied, der künftige Gespräche im Behandlungszimmer verändern könnte. „Und persönlich, als obsessiver Anhänger der Third‑Wave‑Coffee‑Bewegung, freue ich mich sehr über ermutigende Nachrichten zu einem meiner liebsten Hobbys“, sagte er. Die Aussagen unterstreichen, wie sehr sich die Sichtweise innerhalb der Fachwelt wandelt, auch wenn weiterhin Vorsicht im Umgang mit hoch dosierten Produkten geboten bleibt.

Verändern Zusätze die Wirkung des Kaffees

Marcus sagte, dass strenge Studien bislang nicht geklärt haben, wie Kaffeeweißer, aromatisierte Sirupe oder Zucker die kardiovaskulären Effekte von Kaffee beeinflussen könnten. Allerdings sei es „nicht unvernünftig anzunehmen“, dass zugesetzte Zucker und Sirupe mögliche Vorteile eher verringern. Zugleich verweist er darauf, dass viele Menschen ihren Kaffee mit Milch, Zucker oder Aromen trinken und dass realistische Empfehlungen diesen Alltag berücksichtigen müssen.

Interessanterweise wurden die meisten Beobachtungsstudien mit Teilnehmern durchgeführt, die ihren Kaffee so tranken, wie sie es gewöhnlich tun – was bedeutet, dass etwaige Vorteile offenbar bestehen bleiben, selbst wenn Zusätze enthalten sind.

Marcus sagte, dies könne darauf hindeuten, dass die positiven Effekte trotz Süßungsmitteln auftreten oder ohne sie sogar stärker ausfallen könnten. Um dies zu klären, seien jedoch gezielte Studien notwendig, die unterschiedliche Zubereitungsweisen und Zusatzstoffe vergleichen.

Andere koffeinhaltige Getränke im Vergleich

Obwohl sich die Stellungnahme stark auf Kaffee konzentriert, erklärte Marcus, dass viele der Erkenntnisse wahrscheinlich auch auf koffeinhaltige Tees übertragbar sind, die ebenfalls mit einem reduzierten Risiko für Vorhofflimmern, Herzinsuffizienz und Schlaganfall in Verbindung gebracht wurden.

Säfte und Limonaden hingegen – ob koffeinhaltig oder nicht – bergen eigene Risiken. Marcus verwies auf umfangreiche Belege, die zuckerhaltige Getränke mit Typ‑2‑Diabetes und Fettleibigkeit in Zusammenhang bringen, was wiederum das Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, Schlaganfall und vorzeitigen Tod erhöht.

Energydrinks bleiben laut AHA die größte Sorge. „Die verfügbaren Studien deuten darauf hin, dass diese Produkte zu Schäden führen können“, sagte Marcus.

Trotz der ermutigenden Ergebnisse zu Kaffee betont die AHA, dass mehr randomisierte, kontrollierte Studien nötig sind, um zu verstehen, wie Koffein unterschiedliche Menschen beeinflusst und wie nicht aus Kaffee stammende Quellen die Herzgesundheit beeinflussen. Aufgrund begrenzter Daten wurde Koffein nicht in die AHA‑Ernährungsempfehlungen für 2026 zur kardiovaskulären Gesundheit aufgenommen.