Feuerwehr Wiesbaden: Drohnen fliegen voraus zum Einsatzort
Die Feuerwehr in der hessischen Landeshauptstadt testet neuartige Drohnen. Sie werden von einem externen Anbieter in Berlin gesteuert und erkunden die Einsatzstelle aus der Luft, bevor die Wehrleute eintreffen.
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Ein schwerer Unfall auf der Autobahn, ein Waldbrand oder ein brennendes Betriebsgelände: In diesen Fällen geht es für die Einsatzkräfte der Feuerwehr um Minuten, die im Extremfall über Leben oder Tod von Menschen entscheiden können. Um so schnell wie möglich über eine Gefahrenlage informiert zu werden, setzt die Feuerwehr in Wiesbaden in einem Pilotprojekt derzeit zwei automatisiert alarmierbare Drohnen ein, die noch vor den Rettern am Einsatzort sind und diesen entscheidende Informationen übermitteln.
Das in Hessen einmalige Pilotprojekt ist für die Dauer eines Jahres angelegt. Sollte es erfolgreich sein, könnte nach Auskunft von Fabian Kiefer, Leiter der IT bei der Feuerwehr, eine dritte Drohne angeschafft werden. Aktuell sind die beiden Drohnen laut Kiefer in der Rettungswache 3 im Stadtteil Igstadt und in der Rettungswache 2 in Mainz-Kastel stationiert. Die zweite Drohne ist derzeit jedoch nur für den Einsatz in diesem Sommer vorgesehen. Eine dritte Drohne könnte in der Feuerwache 1 am Kurt-Schumacher-Ring eingesetzt werden.
Partner der Feuerwehr ist das Berliner Unternehmen Skyflow, dessen Drohnenpiloten aus der Ferne den automatisierten Flugbetrieb überwachen und bei Bedarf eingreifen können. Die Drohnen verfügen laut Kiefer über eine maximale Reichweite von 15 Kilometern und können 45 Minuten in der Luft bleiben. Die Startzeit beträgt nach Auskunft von Skyflow 25 Sekunden, und die Drohnen fliegen mit einer Geschwindigkeit von 54 Kilometern in der Stunde.
Drohnenbilder ermöglichen schnellere Einsatztaktik
„Die Drohne verschafft uns in vielen Situationen einen deutlichen Informationsvorsprung“, teilte Thorsten Wenderhold, Abteilungsleiter des Einsatzdienstes bei der Wiesbadener Feuerwehr, mit. „Gerade bei weitläufigen oder schwer einsehbaren Einsatzstellen können wir schneller erkennen, welche Kräfte und Maßnahmen tatsächlich benötigt werden.“
Da nahezu alle Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr mit mobilen Tablets ausgestattet sind, können die Drohnenbilder direkt zu den Feuerwehrleuten, aber auch der Leitstelle und der Einsatzleitung gesendet werden. Zudem sind an der Drohne Wärmebildkameras installiert, die bei der Suche nach Vermissten helfen können.
Laut Kiefer nutzen 80 Prozent der Feuerwehren in Hessen Drohnen, die aber erst dann zum Einsatz kommen, wenn die Retter am Brandort sind und sie selbst aufsteigen lassen. Der gravierende Unterschied ist, dass die Wiesbadener Drohnen vor den Einsatzkräften am Ort des Geschehens sind. Dadurch ist es möglich, die Lage während der Anfahrt zu analysieren und den Einsatz taktisch zu planen.
Das Pilotprojekt kostet 60.000 Euro brutto im Jahr. Die Drohnen können laut Kiefer werktags von 8 bis 17 Uhr eingesetzt werden. Sie werden nicht dauerhaft zur Überwachung öffentlicher Gebiete genutzt, da ihre Einsatzzeit durch die Akkulaufzeit begrenzt ist. Es ist laut Kiefer auch nicht vorgesehen, eigene Feuerwehrleute als Drohnenpiloten auszubilden. Aufgrund der komplizierten Rechtslage im Luftverkehrsgesetz sei dies nicht praktikabel.