Frank John seit einem Jahr Landrat: Bevölkerungsschutz spielt eine immer größere Rolle
Frank John ist ein erfahrener Verwaltungschef. Nach anderthalb Jahrzehnten als Bürgermeister in Kirkel lenkt er seit einem Jahr die Geschicke des Saarpfalz-Kreises. Wie sich seine tägliche Arbeit geändert hat.
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Frank John seit einem Jahr Landrat Bevölkerungsschutz spielt eine immer größere Rolle
Homburg · Frank John ist ein erfahrener Verwaltungschef. Nach anderthalb Jahrzehnten als Bürgermeister in Kirkel lenkt er seit einem Jahr die Geschicke des Saarpfalz-Kreises. Wie sich seine tägliche Arbeit geändert hat.
14.07.2026 , 19:00 Uhr
Landrat Frank John sitzt an seinem mit Arbeit vollgepackten Schreibtisch im Landratsamt Homburg.
Foto: Peter Neuheisel
Seit einem guten Jahr ist der neue Landrat des Saarpfalz-Kreises, Frank John, im Amt. Zum 1. Juni 2025 löste er seinen SPD-Parteifreund Theophil Gallo ab, der zehn Jahre Kreisverwaltungschef war. Wir trafen uns mit John, seinem Büroleiter Stefan Munz und Pressesprecherin Anika Bäcker und sprachen über seine noch recht neue Aufgabe – eine Herausforderung für den erfahrenen Verwaltungsmann, der zuvor bereits anderthalb Jahrzehnte lang Bürgermeister der Gemeinde Kirkel war. Nicht zuletzt deshalb pflegt er auch den engen Kontakt mit allen sieben saarpfälzischen Kommunen.
Im Kreis ist Frank John für 750 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zuständig
Wer Frank John kennt weiß, dass er üblicherweise sehr pragmatisch an die Dinge herangeht, auch an eine neue Sache. So verwundert es kaum, wenn er sagt, für ihn habe sich im Grunde nicht viel verändert. Wenngleich er sagt: „Ob man für 100 Leute wie bisher oder für 750 verantwortlich ist, ist allerdings schon ein Unterschied.“ Sein täglicher Arbeitseinsatz habe sich etwas verschoben. Seien es in Kirkel noch 50 Prozent reine Verwaltungsarbeit, die andere Hälfte Außendarstellung gewesen, stieg die Büroarbeit im Landratsamt auf 70 Prozent. Der Rest ist Politik, also Besuche von Veranstaltungen beziehungsweise Kontakte mit Bürgern. Dazu kommen zahlreiche Gremien, in denen er als Landrat sitzt. Zwangsläufig sei man in der großen Einheit Kreisbehörde etwas weiter weg vom Bürger. „Vieles passiert im Hintergrund.“
Die Unterschriftenmappen stapeln sich auf Johns Schreibtisch
Viel Wichtiges passiert beim Thema Soziales – bei der Jugendhilfe, beim kommunalen Jobcenter. Über Letzteres verfügt nur die Hälfte der saarländischen Landkreise. „Bei uns läuft das sehr gut, die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache, die Zahl der Arbeitsvermittlungen kann sich sehen lassen“, ist der 54-Jährige auch etwas stolz. Er zeigt auf seinen Schreibtisch, auf dem sich die Unterschriftenmappen stapeln und schmunzelt: „Das sind ein paar mehr als früher im Kirkeler Rathaus.“ Aber die Arbeit mache jede Menge Spaß, vor allem wenn er feststelle, „was alles in der Kreisverwaltung läuft, wie die Hintergründe aussehen. Die Mitarbeiter ziehen mit, haben mein volles Vertrauen, und das Vertrauen bekomme ich zurück.“ Als früherer Fußballer ist John eben ein Mannschaftsspieler.
Bevölkerungsschutz ist mehr als Katastrophenschutz
Ein großer Teil der Aufgaben, mit denen sich der Landrat befassen muss, fällt unter den Begriff Bevölkerungsschutz. Gerade dieses Thema ist laut John inzwischen sehr weit gefasst. Es beinhaltet inzwischen weit mehr als den klassischen Katastrophenschutz mit der Koordinierung von Einsätzen bei Starkregen, Überschwemmungen oder Großbränden mit Gefahrstoffen ebenso wie die Vorbereitung auf außergewöhnliche Schadenslagen. Gleichzeitig rücken auch weltweite Krisen stärker in den Fokus, wie beispielsweise der Krieg in der Ukraine. Die operative Planung für Deutschland sehe vor, dass die Kreise die militärisch-zivile Zusammenarbeit umzusetzen haben. Zum Beispiel müssen zivile Einheiten bereitgestellt werden, um das Militär im Ernstfall oder auch bei Großübungen unterstützen zu können. „Da sind wir überall dran, und im zweiten Schritt müssen wir hier auch die Kommunen mitnehmen“, zählt Frank John auf. Allein die Einarbeitung in diese Themen koste viel Zeit. Aber die geopolitische Gesamtlage zwinge zum Umdenken und zur Beschäftigung mit dem Aufgabenfeld.
Das Katastrophenschutzzentrum kommt in die leerstehenden Werkshallen von Michelin
Apropos Katastrophenschutz: Das geplante Zentrum des Saarpfalz-Kreises wird bekanntlich in die leerstehenden Produktionsstätten von Michelin in Erbach kommen. Ursprünglich hatte man am Zunderbaum in Homburg einen Neubau geplant (wir berichteten).
Ein Schwerpunkt nach der Sommerpause wird das geplante Biosphärenhaus sein. Es gehe dann um die Machbarkeitsstudie. Der Kreis plant das Haus im derzeitigen Sparkassen-Gebäude in Blieskastel, bereits heute haben im Obergeschoss der Biosphärenzweckverband Bliesgau sowie die Saarpfalz-Touristik ihren Sitz.
Ein weiteres großes Aufgabenfeld sind Schulen und Kitas. „Wir sind öffentlicher Träger der Jugendhilfe und bei den Kitas Beklagter, wenn wir Plätze nicht bereitstellen können.“ Umso wichtiger sei eine vorausschauende und umfassende Planung: Wie viele Plätze stehen zur Verfügung? Wie sieht die Gruppeneinteilung aus? Wo sind Neubauten oder Erweiterungen erforderlich? „Wir werden nach wie vor keine Betreiber sein, aber die großflächige Planung wird uns helfen.“
Bei den weiterführenden Schulen will der Landrat die energetische Sanierung vorantreiben. Dabei helfen auch die Lukif-Fördermittel des Bundes. Man werde eine gute Schulinfrastruktur im Kreis zur Verfügung haben. Auch die Förderschulen werden sukzessive ausgebaut – „wir erleben hier einen regelrechten Run auf die Einrichtungen“. Die Herausforderungen bei den Themenfeldern Jugendhilfe und Pflege verschweigt Frank John nicht. Insbesondere bei der Jugendhilfe steht eine Reform an, Stichwort: Eingliederungshilfe des Landes. Die Aufgaben sollen perspektivisch zu den Kreisen verlagert werden. John: „Dafür benötigen wir sicherlich zehn bis 15 Leute.“
Das Aufgabenfeld des noch relativ „neuen“ Landrats ist ausgesprochen vielfältig. Über mangelnde Arbeit kann sich Frank John also nicht beklagen. Die wenige Freizeit, die ihm bleibt, nutzt er zum Radfahren oder Wandern. Und wann immer es möglich ist, begleitet er seine Tochter Zoe zum Training und zu den Spielen des Frauennachwuches bei der SV Elversberg. (ust)