Fünf Jahre, fünf Erinnerungen: So erlebte die Redaktion die Flutkatastrophe im Juli 2021

Vor fünf Jahren kam die Flut. Das Hochwasser vom 14. und 15. Juli 2021 hat die Menschen in der Eifel erschüttert. Wir erinnern uns daran, wie die Redaktion diese Ausnahmesituation erlebt hat.

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Fünf Jahre, fünf Erinnerungen: So erlebte die Redaktion die Flutkatastrophe im Juli 2021

Fünf Jahre, fünf Erinnerungen So erlebte die Redaktion die Flutkatastrophe im Juli 2021

Eifelkreis/Vulkaneifelkreis · Vor fünf Jahren kam die Flut. Das Hochwasser vom 14. und 15. Juli 2021 hat die Menschen in der Eifel erschüttert. Wir erinnern uns daran, wie die Redaktion diese Ausnahmesituation erlebt hat.

14.07.2026 , 07:03 Uhr

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Erinnerungen an die Flutkatastrophe in Bildern

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Foto: Fritz-Peter Linden

Mit voller Wucht traf die Flutkatastrophe vor fünf Jahren die Region. Sowohl im Eifelkreis als auch im Vulkaneifelkreis stiegen am Mittwoch, 14. Juli 2021, die Pegelstände aller Flüsse und Bäche in beängstigender Geschwindigkeit an. Am Morgen des Donnerstags, 15. Juli, zeigte sich die volle Zerstörungskraft des Wassers. Anlässlich des fünften Jahrestages schildern fünf Redaktionsmitglieder ihre Erinnerungen an die Katastrophe.

Fritz-Peter Linden: Das Hochwasser – Die Bilder, die bleiben

Prüm/Stadtkyll Mittwoch, 14. Juli 2021: Wir waren vorgewarnt. Wochenlanger Regen, die ohnehin schon feuchten Böden konnten nichts mehr aufnehmen. Aus allen Orten wurden steigende Pegel gemeldet. Im Lauf des Tages dann die ersten Rettungseinsätze im Nimstal.

Das Hochwasser sorgte für Überschwemmungen und Schäden in Prüm.

Das Hochwasser sorgte für Überschwemmungen und Schäden in Prüm.

Foto: TV/Fritz-Peter Linden

Als ich abends nach Hause fuhr, war die Lage kritisch. In der Nacht wurde sie katastrophal. Bei uns in Stadtkyll brach der bereits überflutete Damm des Stausees am Ferienpark, das Wasser raste ins Dorf, ein Mensch wäre beinahe davon fortgerissen worden.

Ach ja: Auf dem Heimweg zurück vom Ferienpark musste ich durch eine riesige Wasserlache, die sich auf der Straße gebildet hatte. Der Motor drohte abzusaufen. Egal, Gas geben, weiterrollen, es ging gerade noch gut, obwohl ich danach tagelang den Gestank von Abgasen – Auspuff unter Wasser – im Wagen hatte.

Die noch größere Erschütterung folgte am Morgen darauf. Auf der Fahrt zur Redaktion in Prüm immer wieder Seen, die sich über Nacht gebildet hatten, geflutete Häuser, Treibgut. Ich hatte die Strecke durchs Prümtal genommen, kam deshalb von Dausfeld in die Stadt. Und sah als Erstes den Campingplatz.

Das Wasser der Prüm schoss in breitem Strom und laut rauschend über die gesamte Anlage, kreuz und quer lagen Wohnwagen, von einer immensen Kraft herumgewürfelt. Ein Mensch, das stellte sich erst später heraus, war in seinem Auto fortgetrieben worden und umgekommen. Er wurde erst Tage später gefunden, am Flussufer in Niederprüm.

Was mich unterdessen am meisten beschäftigte: Ich hatte unheimlich viel zu berichten – und konnte nicht. Mobilfunk ausgefallen, kein Strom in der Redaktion. Auch hier half die Feuerwehr Prüm: Auf der Wache konnte ich einen Rechner nutzen und erste Bilder mit ein bisschen Text an die Online-Kolleginnen schicken.

Noch ein Bild kommt mir wieder in den Sinn: Das Prümer Messegelände in den Tagen und Wochen danach. Die dort abgeladenen Trümmer, das Treibgut, der Schutt, die Fahrzeugwracks, ganze Hausstände – alles, was bei der Flut angefallen war – hier wurde es abgeladen.

Letztes – und bestes – Bild: Nach wie vor beeindruckt bin ich davon, wie schnell und in welch großer Zahl die Leute den besonders vom Hochwasser Getroffenen und Geschädigten zu Hilfe kamen, wie auch Unternehmer und Landwirte mit allem verfügbaren Gerät anrückten, um ihnen beizustehen, wo es nur ging. Das sind die Motive, die ich gerne behalte. Anders als die anderen.

Besonders betroffen vom Hochwasser war Walsdorf-Zilsdorf, wo Dutzende Keller vollliefen und Straßen unter Wasser standen, die somit unpassierbar wurden – wie am Kreisverkehr in Richtung Hillesheim.

Besonders betroffen vom Hochwasser war Walsdorf-Zilsdorf, wo Dutzende Keller vollliefen und Straßen unter Wasser standen, die somit unpassierbar wurden – wie am Kreisverkehr in Richtung Hillesheim.

Foto: TV/Mario Hübner

Mario Hübner: „Bergab rinnen die Wassermassen von allen Seiten ins Tal“

Gerolstein/Hillesheim Es sind drei, vier Bilder, die mir von der Jahrhundertflut im Landkreis Vulkaneifel besonders in Erinnerung bleiben – und ein mulmiges Gefühl: Als ich mich am Nachmittag des 14. Juli – es regnete bereits seit Stunden unablässig – mit dem Auto von Daun auf nach Hillesheim ins Katastrophenzentrum aufmache, komme ich bis Walsdorf. Bergab rinnen die Wassermassen von allen Seiten ins Tal – und bilden am Kreisverkehr an der ED-Tankstelle bereits einen großen See. Drinnen stehen schon mehrere Autos, die noch das Durchkommen wagen. Ich überlege kurz und kehre dann um, da es später wohl nicht mehr gelingen wird. Auch jetzt schon sperrt die Feuerwehr immer mehr Straßen und so finde ich nur dank Ortskenntnis und über mehrere Feldwege unbeschadet den Weg zurück in die Redaktion – von wo ich dann weiter berichte.

Das für mich unglaublichste Bild (bzw. Video): Die ansonsten gerade einmal vier, fünf Meter breite Kyll in Gerolstein verwandelt sich in der Flutnacht zu einem reißenden Strom, breitet sich auf rund 50 Meter aus und lässt so auch die komplette Bundesstraße 410 (Brunnenstraße) mehr als einen halben Meter hoch absaufen – was einen Lkw-Fahrer aber nicht davon abhält, dennoch dadurch zu fahren. Die Folge: Er drückt so eine mächtige Bugwelle vor sich her, die wiederum neun geparkte Fahrzeuge wie Legosteine wegschiebt und beschädigt. Von seiner Selbstgefährdung mal ganz abgesehen. In dem Zusammenhang bleiben mir auch die Aussagen mehrerer Einsatzleiter der Feuerwehr in Erinnerung, die berichten, dass sie einige Autofahrer und Fußgänger retteten, die unbedingt durch die Fluten wollten – und damit auch die Einsatzkräfte gefährdeten.

Zweitens das Bild von der nicht nur von Schlamm überfluteten Bahnstrecke Trier-Gerolstein-Köln bei Lissingen, wo die Wassermassen mal eben das gesamte Gleisbett aus Schotter weggespült und die Gleise auf breiter Strecke ausgehöhlt haben. Jetzt liegen sie da in freier Luft und man bekommt beim Anblick bereits eine Ahnung: Das wird nicht nur hier so sein. Da ist sicher auch vieles andere wie Steuerungstechnik kaputtgegangen. Kurzum: Das wird lange dauern, bis das alles repariert ist. Und so war es auch. Dass es dann aber vier Jahre dauerte, bis wieder ein regelhafter Zugbetrieb aufgenommen wurde, hat die Menschen in der Eifel arg gebeutelt. Die Bahn bezifferte bei einem Besuch in Gerolstein (zusammen mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer/SPD) knapp zwei Wochen nach der Flut den Schaden in einer ersten Einschätzung auf 1,3 Milliarden Euro.

Drittens das Bild der unzähligen (sicher Millionen) kleinen blauen Kunststoffteile (geschredderte Sprudelkästen, die als Recycling-Material dienen sollten) des Gerolsteiner Brunnens. Das in Bigbags auf dem Werksgelände gelagerte Material wurde von der Flut mitgerissen und verbreitete sich von Gerolstein aus im gesamten Kylltal bis zur Mündung in die Mosel bei Trier-Ehrang: am Bachufer, auf Wiesen, Plätzen, Wegen, Straßen und in Parks. Zwar hatte das Unternehmen Aufräumtrupps entsandt, um das Kunststoffgranulat aufzusammeln, aber angesichts der Fülle wurden sie nicht Herr über das Problem. Später zog sich das Unternehmen dann auf den – wohl rechtlich gesicherten – Standpunkt zurück, dass nicht der Verursacher das angeschwemmte Material zu entsorgen hat, sondern derjenige, auf dessen Boden es landet. Und so finden sich heute noch in Gerolstein und entlang der Kyll viele der kleinen blauen Teile.

Viertens der Blick in das Kellergeschoss des Hotels Augustinerkloster (und des benachbarten Krimihotels) in Hillesheim: Bis zur vorletzten Stufe vor dem Erdgeschoss ging der Pegel der braunen Brühe des kleinen Hillesheimer Bachs im Augustinerkloster. Die Folge: Das Schwimmbad, die Sauna, der Wellnessbereich, die gesamte Haustechnik, das Materiallager, der Aufzugsschacht, die Konferenzräume und auch der Frühstücksraum, der im Erdgeschoss etwas tiefer liegt, sind komplett zerstört.

Doch letztlich war die Flut – man traut es sich kaum niederzuschreiben – dann aber sogar noch ein „Glücksfall“ für die beiden Hotels: Dank der Versicherung konnten die beiden Häuser nicht nur saniert, sondern auch modernisiert und auf den neuesten Stand der Technik gebracht werden – wobei wegen der notwendigen, baubedingten Schließungen dann aber wiederum massive Einnahmeausfälle zu verkraften waren. Das Fatale: Die Hotels waren nach insgesamt zwölf Monaten coronabedingter Schließung erstmals wieder annähernd ausgelastet. Dann kam die Flut!

 Hochwasser Eifel: Das Haus von Dieter Wenzel aus Brecht ist beim Hochwasser an der Prüm eingestürzt.

Hochwasser Eifel: Das Haus von Dieter Wenzel aus Brecht ist beim Hochwasser an der Prüm eingestürzt.

Foto: TV/Dagmar Dettmer

Dagmar Dettmer: Es hat gedauert, bis ich verstand: Das passiert gerade wirklich

Bitburg Es gab Warnungen, seit Tagen. Unsere Rettungsdienste waren vorbereitet. Ein Segen. Und klar, auch wir in der Eifelredaktion harrten der Dinge, die da kommen sollten. Doch das, was dann über uns hereinbrach, ist auch heute, fünf Jahre später, schwer zu fassen. Menschen verloren ihr Zuhause, bangten um ihr Leben, standen später vor den Trümmern dessen, was sie sich aufgebaut hatten. Zum ersten Mal hatte ich echt Angst, auch um meine Reporterkollegen, die ich morgens nur noch mit: „Passt bitte auf euch auf“ verabschiedete.

Die Helfer von Feuerwehr, THW und Rotem Kreuz kamen aus den nassen Klamotten kaum raus, begaben sich selbst in Gefahr, um zu retten, was zu retten war. Später sprach ich mit einem der drei Einsatzkräfte, die bei Messerich eine ganze Nacht auf dem Dach eines Unimogs trieben. Kein Kontakt mehr zur Straße. Kein Kontakt zur Einsatzzentrale. Neben ihnen schipperte ein Gastank. Stunden in Lebensangst. Der Feuerwehrmann und die beiden THW-Kameraden hatten Glück.

Ähnlich wie ein Mann, dessen Haus in Brecht an der Prüm unter den Wassermassen zusammenkrachte. Ihm gelang mit seinem Vater die Flucht vor den Fluten ins Obergeschoss. In letzter Minute wurden die beiden über ein Fenster gerettet. Dann fiel das Gebäude in sich zusammen.

Es sind solche Schicksale, die mich berühren. Begleitet von den Bildern, die ich vorher vielleicht in Südostasien vermutet hätte. Aber nicht in der Eifel. Autos trieben in den Fluten umher, Wohnwagen hingen wie vergessener Weihnachtsbaumschmuck an Bäumen, Asphaltbrücken sprengte das Wasser auseinander und etliche Orte waren komplett geflutet.

Unvergessen aber auch: Die Bilder von den unermüdlichen Einsatzkräften, den vielen Helfern, die Tage und Wochen alles gaben. Flut 2021: Das war auch ein großes Miteinander, ein unglaublicher Zusammenhalt, der spürbar war.

Unsere Reporterin Jessica Gronert hat bei den Aufräumarbeiten nach der Flutkatastrophe 2021 im Ahrtal mitgeholfen. Hier sitzt sie im zerstörten Erdgeschoss einer befreundeten Familie. Die Schaufenster hatten der Flut nicht standgehalten.

Unsere Reporterin Jessica Gronert hat bei den Aufräumarbeiten nach der Flutkatastrophe 2021 im Ahrtal mitgeholfen. Hier sitzt sie im zerstörten Erdgeschoss einer befreundeten Familie. Die Schaufenster hatten der Flut nicht standgehalten.

Foto: Olga Gronert

Jessica Gronert: Als ich im Ahrtal geholfen habe – Meine Erinnerung an die Flutkatastrophe

Bad Neuenahr-Ahrweiler (jgr) Als ich am 16. Juli 2021 zum Helfen in Bad Neuenahr-Ahrweiler ankam, war alles verwüstet. Die Straßen waren voller Schlamm und Gerümpel. Ein Auto lag mitten auf der Straße auf dem Dach. Ein weiteres Auto lag auf dem Dach eines anderen Autos. Es waren unvorstellbare Zustände.

Der Freund meines Bruders und dessen Familie waren direkt von der Flut betroffen. Als ich bei der Familie ankam, war ich von ihren Gesichtern überrascht. Sie lächelten zur Begrüßung. Versuchten, trotz allem, positiv zu bleiben. Doch der Schock und der Schmerz waren in ihren Augen sichtbar.

Im Erdgeschoss ihres Hauses hatten sie vor wenigen Tagen noch große Schaufenster. Doch das Glas war komplett herausgerissen worden, nur die leeren Rahmen waren übrig geblieben. Ein Streifen an den Wänden zeigte, wie hoch das Wasser gestanden hatte: bis fast zur Decke. Im Keller stand noch immer ein zähes Wasser-Schlamm-Gemisch, das sie wegen des vielen Schlamms nicht abpumpen konnten.

Ich half dabei, den Schlamm in Eimer zu schaufeln und diese durch die Kellerfenster nach draußen zu reichen. Wir waren viele Helfer. Dennoch brauchten wir zwei Tage, um den Keller von dem restlichen, gröbsten Schlamm zu befreien. Wir hatten keinen Strom, also zündeten wir Kerzen an. Es sah aus wie in einem Horrorfilm.

Und trotzdem: Viele scherzten, lächelten, versuchten sich gegenseitig aufzumuntern. Rückblickend weiß ich, dass das ein automatischer Schutzmechanismus war, damit wir und vor allem die Betroffenen nicht an Trauer und Entsetzen ersticken. Aber ich erinnere mich noch genau an die Augen. Die Augen konnten den Schock nicht überspielen. Ich weiß noch, wie schwer sich mein Herz anfühlte. Auch die körperliche Überanstrengung stand allen ins Gesicht geschrieben.

In einer ruhigen Minute erzählte die Familie von ihren schlimmen Erlebnissen. Wie das Wasser stieg. Von den Schreien aus der Nachbarschaft. Von tragischen Schicksalen, die das Hochwasser nicht überlebt hatten.

Bei allem Entsetzen über das Erlebte empfinde ich heute aber auch Stolz auf meinen Bruder, der damals selbst vor Ort lebte. Wie er direkt am ersten Tag, als das Wasser im Erdgeschoss und auf den Straßen noch hüfthoch stand, zur Hilfe eilte. Und genau das ist bei einer Katastrophe wie dieser entscheidend: Zusammenhalt und Unterstützung.

 Diese Holzkonstruktion sind die Reste der Sportplatzbrücke in Waxweiler. Sie wurde vom Strom fortgerissen und blieb an der Schmelzbergbrücke hängen.

Diese Holzkonstruktion sind die Reste der Sportplatzbrücke in Waxweiler. Sie wurde vom Strom fortgerissen und blieb an der Schmelzbergbrücke hängen.

Foto: TV/Frank Auffenberg

Frank Auffenberg: Die Gefahr unterschätzt – Am Morgen danach zeigte sich erst das ganze Ausmaß

SCHÖNECKEN/WAXWEILER Mittwochmittag kommen die ersten Nachrichten: Die Pegel steigen rapide. Die Redaktion zieht sich ins Homeoffice zurück.

Da steht das Wasser in der Straße Unter der Pfordt bereits in den Häusern. Schlimm. Fürchterlich. Aber noch nicht außergewöhnlich. Als Wahlbonner hab ich schon ein paar Hochwasserlagen erlebt. Doch eines ist anders. Während der Rhein meist einfach steigt, Ortschaften flutet und wieder sinkt, schießt die Nims in mir bisher unbekannter Geschwindigkeit durch ihr Bett und die Dörfer. Überall ist die Feuerwehr unterwegs, um Menschen zu retten und Häuser so gut es geht leer zu pumpen.

Ich mache noch Fotos von den gefluteten Feldern, schicke von der Brücke im Ortskern einer Freundin eine der Aufnahmen nach Zürich und die Antwort kommt prompt: „Frank, geh sofort von dieser Brücke runter." Ich nehme die Warnung an, aber nicht wirklich ernst. Ich laufe über den kleinen Weg zwischen Fluss und Forum eine weitere Runde und stehe wieder vor der Brücke. Die Bruchstücke eines Schranks schlagen mit Wucht gegen einen der Pfeiler. Doch es ist kein Schrank. Es sind die Reste von Bienenkästen.

Nachts schrecke ich kurz auf, irgendwo rumste es, ich drehe mich um und schlummere weiter – nicht ahnend, dass sich da schon überall in der Region grässlichste Szenen abspielen.

Donnerstagmorgen folgt ein erster neugieriger Rundgang durchs Dorf. Auf zur Brücke. Sie steht noch. Meine Freundin hat also unnötig Alarm geschlagen. Dann schweift der Blick zum Forum: Dort, wo ich noch am Vortag Zuflucht suchte, klafft ein riesiges Loch. Teile des Fundaments der Halle liegen offen. Die anschließende kurze Redaktionskonferenz gibt die Gewissheit: Ich lebe und arbeite in einem Katastrophengebiet.

Der erste Weg des Tages führt nach Waxweiler. Das Örtchen an der Prüm soll hart getroffen worden sein. Vor Ort sacken mir beim Blick auf die Zerstörungen erstmals die Knie weg. In der schwer beschädigten Schmelzbergbrücke am Wehr steckt eine riesige Holzkonstruktion. Meter hoch ragt sie über der mittlerweile wieder niedriger fließenden Prüm. Erst Gespräche mit den Anwohnern bringen Klarheit: Es sind die Reste der Sportplatzbrücke. Sie kollabierte, wurde mitgerissen und blieb in dem Bauwerk stromabwärts wie ein Geschoss stecken. Im Hintergrund: Das gesamte Gelände am Kanal ist verwüstet. Außenmauern von Gebäuden sind weggerissen, an den Flussufern türmen sich Schutt und Treibgut.

Was mich heute aber weiter beeindruckt, sind nicht diese schlimmen Bilder der Zerstörungen. Sie werden von der teils bedingungslosen Hilfsbereitschaft der Menschen überlagert. Wie überall in der Eifel laufen schon am Tag nach der Katastrophe die ersten Aufräumarbeiten. Nachbarn helfen Nachbarn, aber auch wildfremden Menschen. Tagelang und meist ohne längere Pausen schuften die Eifeler bis zur Erschöpfung, bieten Obdach, tragen Trümmer oder bekochen die Helfer – jeder, wie er kann.

In der Krise rücken die Menschen, ohne zu fragen, wieder näher zusammen. Manchmal wünscht man sich dieses Miteinander zurück – aber bitte ohne vorherige Katastrophe.