„Geht gar nicht“: Kita-Leitung kritisiert beliebtes Elternverhalten
StartseitePanoramaStand: 13.07.2026, 21:28 UhrKommentareUns auf Google folgenViele Eltern bieten ihren Kindern Süßigkeiten als Belohnung für das Aufessen. (Symbolbild) © Pond5 Images/ImagoDruckmittel oder Beloh...
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Stand: 13.07.2026, 21:28 Uhr
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Druckmittel oder Belohnung? Viele Eltern locken Kinder mit Tricks zum Essen. Eine Kita-Leiterin erklärt, warum das schwierig ist.
Frankfurt – Der Teller ist halb voll, das Kind hat keine Lust mehr, und dann fällt der Satz, den viele Eltern kennen: „Wenn du aufisst, gibt es noch etwas Süßes.“ Kurzfristig scheint das zu funktionieren. Doch was diese Methode mit Kindern macht, beschäftigt Kita-Leiterin Liana Schulz.
Auf Instagram schildert sie den Fall einer Mutter, die ihr genau davon berichtete: Teller leer, dann gibt es Smarties. Ein Vorgehen, das Schulz auch in vielen Kitas beobachtet. Dabei sieht sie Süßigkeiten nicht als Belohnung, sondern als gezieltes Druckmittel. Das Sättigungsgefühl spiele dabei keine Rolle mehr. Kinder essen über ihren Hunger hinaus, nur um die Belohnung zu bekommen.
Leiterin einer Kita: Süßigkeiten als Druckmittel „geht gar nicht“
„Süßigkeiten als Druckmittel einzusetzen – ‚Iss dein Mittagessen auf, dann bekommst du etwas Süßes‘ – geht gar nicht“, sagt Schulz der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. „Kinder sollen lernen, aus eigenem Antrieb zu kooperieren und ein Sättigungsgefühl zu entwickeln.“ Grundsätzlich verboten sind Süßigkeiten in ihrer Einrichtung aber nicht. „Ich liebe es selbst, nach dem Mittagessen etwas Süßes wie ein Bonbon oder einen Keks zu essen. Warum sollten Kinder das nicht dürfen?“, so Schulz. Es gehe um Balance, nicht um Verbote.
Gleichzeitig beobachtet sie, dass viele andere Einrichtungen einen deutlich strengeren Kurs fahren. „Viele Kitas sind rigoros und verbieten alles, was nicht in das Konzept passt – aus Gründen wie Ernährungspyramide oder Zahnhygiene“, erklärt sie. In ihrer eigenen Kita gebe es zwar klare Vorgaben für die Gestaltung des Essens, aber der entscheidende Unterschied sei die Flexibilität: „Eltern dürfen selbst entscheiden, was sie zusätzlich mitgeben.“ Diese Offenheit bedeute jedoch nicht, dass Süßigkeiten als Erziehungsmittel eingesetzt werden dürften.
Sobald Süßigkeiten zur Belohnung werden, wird Essen laut Schulz zum Machtinstrument. „Nicht Begleitung. Nicht Selbstregulation. Sondern Steuerung“, fasst sie zusammen. „Das kann zu massiven gesundheitlichen Schäden führen.“ Eltern sollten darauf vertrauen, dass Kinder ein natürliches Hungergefühl besitzen. „Kein Kind verhungert“, sagt sie. „Kinder essen, wenn sie hungrig sind. Druck und Machtspielchen führen nur dazu, dass Kinder langfristig Probleme mit ihrem Sättigungsgefühl entwickeln.“
„Essen ist kein pädagogisches Werkzeug“: Eltern nutzen Machtposition aus
Schulz kritisiert auch die Haltung vieler Erwachsener gegenüber Kindern. „Es ist wichtig, Kinder auf Augenhöhe zu begleiten. Wenn Eltern Machtpositionen ausnutzen, sprechen wir von Adultismus, der Diskriminierung von Kindern aufgrund ihres Alters. Das darf niemand wollen.“ Ihr Grundsatz lautet: „Nachtisch ist kein Druckmittel. Essen ist kein pädagogisches Werkzeug.“ Der Nachtisch dürfe dazugehören – „jederzeit, unabhängig vom Hauptgang. Und auch mal davor.“
Statt auf Druck oder Belohnungen zu setzen, verfolgt Schulz in ihrer Kita einen anderen Ansatz. Die Einrichtung hat Beete im Garten. Die Kinder pflanzen eigenes Gemüse, ernten es und bereiten es zu. „Wenn Kinder in den gesamten Prozess eingebunden werden – vom Einkaufen bis zum Zubereiten – dann sind sie oft viel motivierter, ausgewogen zu essen.“ Das mache gesunde Ernährung greifbar und motiviere dazu, Neues auszuprobieren, denn „Selbstbestimmung und Mitgestaltung helfen, um Kinder für gesunde Ernährung zu begeistern“. (Quellen: Instagram, eigene Recherche)