Größte Anlage ihrer Art in NRW – „Leuchtturm-Projekt für Europa“

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Größte Anlage ihrer Art in NRW – „Leuchtturm-Projekt für Europa“

Stand: 01.08.2026, 19:10 Uhr

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In Wesseling bei Köln steht die einst größte Elektrolyseanlage zur Herstellung von Wasserstoff in Europa. Der Standort ist entscheidend.

Wesseling – Im bevölkerungsreichsten Bundesland NRW sind auch besonders viele Pendler unterwegs. Täglich legen die Menschen hier laut Umweltministerium rund 56 Millionen Wege zurück, 30 Millionen und mehr davon mit dem Privatauto. Die dafür benötigten Kraftstoffe werden in Raffinerien hergestellt, so zum Beispiel in der Shell Rheinland Raffinerie in Wesseling bei Köln. Um diesen Herstellungsprozess langsam von fossilen Energien zu lösen, wurde 2021 eine der größten Anlagen Europas in NRW gebaut.

Schornsteine des Shell Energy und Chemical Park in Wesseling hinter Wolken

Schornsteine des Shell Energy und Chemical Park in Wesseling hinter Wolken: Die Refhyne-Anlage war zu Beginn die größte ihrer Art in Europa. © picture alliance/dpa | Thomas Banneyer

Wasserstoff ist zentraler Rohstoff in diesem Prozess. Zwischen Rohrleitungen, Tanks und Reaktoren wird er gebraucht, um Kraftstoffe herzustellen – bislang teilweise aus Erdgas gewonnen. In Wesseling steht die Refhyne-Anlage, die diesen etablierten Ablauf verändert: Sie spaltet Wasser mit Strom auf und liefert Wasserstoff für den laufenden Raffineriebetrieb. Die entscheidende Frage lautet dabei nicht nur, ob die Technik funktioniert, sondern auch, wie viel fossile Energie sie tatsächlich ersetzen kann.

Refhyne-Anlage in Wesseling: Leuchtturmprojekt – aber wie viel steckt dahinter?

Die Refhyne-Anlage steht auf dem Gelände der Rheinland Raffinerie. Die großindustrielle Elektrolyseanlage produziert seit fünf Jahren nach Angaben von NRW.Energy4Climate jährlich rund 1300 Tonnen Wasserstoff. Zum Zeitpunkt ihrer Inbetriebnahme im Juli 2021 galt sie als Europas größte PEM-Wasserstoff-Elektrolyseanlage.

NRW.Energy4Climate

Die Landesgesellschaft für Energie und Klimaschutz des Landes Nordrhein-Westfalen unterstützt Akteure, die den Wandel zur Klimaneutralität des Bundeslandes mitgestalten wollen, heißt es auf der Website. Die Gesellschaft ist Tochter des Landes NRW und bietet vor allem Wissen, Informationen und Beratung an.

Refhyne befindet sich dort, wo Wasserstoff zentraler Rohstoff ist: Die Shell Rheinland Raffinerie benötigt nach Angaben der Website von NRW.Energy4Climate jährlich rund 180.000 Tonnen Wasserstoff für die Kraftstoffproduktion. Die Elektrolyse ersetzt dort jedoch nicht die gesamte bisherige Wasserstofferzeugung, sondern übernimmt zunächst nur einen kleinen Teil davon. Die Anlage deckt etwa ein Prozent des Bedarfs.

Wasserstoff kann direkt im industriellen Verbund eingesetzt werden

Die Anlage ist in die Raffinerieprozesse am Standort Wesseling eingebunden. Das ist laut Landesgesellschaft für das Projekt entscheidend: Der erzeugte Wasserstoff muss nicht erst über weite Strecken transportiert werden, sondern kann innerhalb des bestehenden industriellen Verbunds eingesetzt werden.

Das Wasserstoff-Elektrolyse-Werk Refhyne in Wesseling

Das Wasserstoff-Elektrolyse-Werk Refhyne in Wesseling: Nur ein kleiner Beitrag zum Klimawandel © IMAGO/Paul Eckenroth/Joker

Realisiert wurde das Projekt von einem europäischen Konsortium aus Shell, ITM Power, SINTEF, thinkstep und Element Energy, und gefördert durch das europäische Fuel Cell and Hydrogen Joint Undertaking, kurz FCHJU. Die Website nennt für die Anlage eine Leistung von zehn Megawatt und eine Jahresproduktion von rund 1300 Tonnen grünem Wasserstoff.

Wasserstoff-Gewinnung – so funktioniert‘s:

Die Refhyne-Anlage arbeitet mit einem PEM-Elektrolyseur. Die Abkürzung steht für „Polymer Electrolyte Membrane“ oder „Proton Exchange Membrane“. Bei der Elektrolyse wird Wasser mithilfe elektrischer Energie in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten. Wird dafür Strom aus erneuerbaren Energien eingesetzt, spricht die Projektbeschreibung von „grünem“ Wasserstoff.

Die PEM-Technologie hat laut NRW.Energy4Climate eine hohe Leistungsfähigkeit und lässt sich nahezu verzögerungsfrei regeln. Dadurch kann die Anlage auch auf schwankende Strommengen aus erneuerbaren Quellen reagieren. Diese Eigenschaft ist ein wesentlicher Unterschied zu einer Produktion, die dauerhaft mit gleichbleibender Leistung betrieben werden muss. Zugleich kann die Elektrolyse dazu beitragen, Stromangebot und Stromverbrauch zeitlich besser aufeinander abzustimmen.

Kleiner Teil der fossilen Herstellung von Wasserstoff wird klimafreundlich ersetzt

Der Wasserstoff wird in der Raffinerie für die Kraftstoffproduktion genutzt. Vor dem Bau von Refhyne erzeugte Shell den Anteil des Wasserstoffs, der nicht als Nebenprodukt der Raffinerieprozesse anfiel, nach Angaben der Website aus Erdgas durch Dampfreformierung. Rund 70 bis 80 Prozent des benötigten Wasserstoffs entstehen demnach ohnehin als Nebenprodukt; die restlichen 20 bis 30 Prozent wurden zuvor aus Erdgas hergestellt. Die Anlage übernimmt einen kleinen Teil dieser Produktion und ersetzt damit einen Teil der fossilen Herstellung – vorausgesetzt, die Elektrolyse wird mit erneuerbarem Strom betrieben.

Raffinerien zählen zu den großen industriellen Wasserstoffverbrauchern. Wasserstoff wird dort unter anderem benötigt, um bei der Herstellung von Kraftstoffen Schwefel aus Zwischenprodukten zu entfernen und bestimmte Produkteigenschaften zu erreichen. Bei Refhyne geht es laut der Website zunächst nicht darum, Wasserstoff in einem neuen Anwendungsfeld einzusetzen, sondern einen bestehenden industriellen Prozess schrittweise anders mit Energie und Rohstoffen zu versorgen.

Bedeutung des Projekts liegt in Integration in Produktionsstandort

Die Bedeutung des Projekts liege deshalb vor allem in seiner Größenordnung und seiner Einbindung in einen laufenden Raffineriebetrieb. Die Anlage ist keine Labor- oder reine Demonstrationsanlage, sondern eine großindustrielle PEM-Anwendung. Die Projektbeteiligten erprobten damit, wie sich Elektrolyse in einen energieintensiven Produktionsstandort integrieren lässt.

Die Anlage nutzt demnach die vorhandene Infrastruktur eines großen Chemie- und Raffineriestandorts und verbindet Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen mit einem industriellen Bedarf, der bislang teilweise über Erdgas gedeckt wurde. Wie stark sich daraus langfristig Beschäftigungs-, Investitions- oder Standorteffekte ergeben, lässt sich aus den Angaben der Website allerdings nicht ableiten.

Nur ein Prozent des jährlichen Bedarfs gedeckt

Die Zahlen sind nicht überragend: 1300 Tonnen Wasserstoff pro Jahr entsprechen zunächst nur rund einem Prozent des jährlichen Bedarfs der Raffinerie. Die Anlage kann darum nur als erster Schritt der Industrie hin zu einer Umstellung auf Wasserstoff verstanden werden. Zum Beispiel können technische Erfahrungen für größere Elektrolyseure gesammelt werden.

Perspektivisch könnten laut Website bis zu zehn Prozent des Wasserstoffbedarfs am Standort durch grünen Wasserstoff gedeckt werden. Im Folgeprojekt Refhyne II wurde im Juli 2024 die finale Investitionsentscheidung getroffen. Vorgesehen ist eine 100-Megawatt-Anlage, die ab 2027 bis zu 15.000 Tonnen Wasserstoff pro Jahr produzieren soll.

Die Website nennt außerdem ein weiteres geplantes PEM-Projekt von Shell in den Niederlanden mit einer Kapazität von 200 Megawatt. Für die Einordnung der Wesselinger Anlage ist das relevant: Refhyne ist nicht mit den deutlich größeren Anlagen gleichzusetzen, die inzwischen geplant oder entwickelt werden.

Klimavorteil nur, wenn erneuerbare Energien eingesetzt werden

Als Klimavorteil kann die Elektrolyse nur verstanden werden, wenn erneuerbare Energien eingesetzt werden. Die Herstellung von Wasserstoff durch Dampfreformierung erzeugt nach Angaben von NRW.Energy4Climate rund zehn Tonnen CO₂ pro Tonne Wasserstoff. Eine Elektrolyseanlage reduziert diese Emissionen nur dann, wenn der benötigte Strom tatsächlich aus erneuerbaren Quellen stammt. Andernfalls werden Emissionen nicht vollständig vermieden, sondern möglicherweise lediglich an anderer Stelle im Energiesystem verursacht. Bei Refhyne bleibt der Beitrag zum Gesamtbedarf der Raffinerie stark begrenzt.

Dennoch bezeichnet der Projektverantwortliche für Shell im europäischen Refhyne-Konsortium, Frithjof Kublikc, die Anlage als Leuchtturm-Projekt: „Refhyne ist ein Leuchtturm-Projekt für Europa und für die deutsche Energiewende, da erstmalig die weltweit größte 10-MW-PEM-Wasser-Elektrolyse in einer Raffinerie als Plattform für eine Sektorenkopplung voll integriert und betrieben wird“, sagt er laut der Website. Doch Refhyne kann nur ein kleiner Baustein auf dem Weg hin zu klimaschonender Energiegewinnung sein.