Großteil der Österreicher unterstützt Vernichtungsverbot für Kleidung

Textilkreisläufe Großteil der Österreicher unterstützt Vernichtungsverbot für Kleidung Laut einer Umfrage begrüßen rund 85 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher das Verbot bei unverkauften Stü...

  • 3 min read
Großteil der Österreicher unterstützt Vernichtungsverbot für Kleidung

Textilkreisläufe

Großteil der Österreicher unterstützt Vernichtungsverbot für Kleidung

Laut einer Umfrage begrüßen rund 85 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher das Verbot bei unverkauften Stücken

Frauen durchstöbern Kleidungsstücke auf Kleiderständern in einem Geschäft in einem Einkaufszentrum in Sydneys zentralem Geschäftsviertel (CBD), Australien. Ansicht von oben, aufgenommen am 5. Februar 2018.
Unverkaufte Kleidung, Accessoires und Schuhe sollen künftig wiederverwendet, weiterverkauft, wiederaufbereitet oder gespendet werden (Symbolbild).

EU-weit/Österreich/Wien – Große Unternehmen dürfen unverkaufte Kleidung und Schuhe seit dem Wochenende in der EU nicht mehr vernichten. Laut einer repräsentativen Umfrage der Altstoff Recycling Austria AG (ARA) befürworten rund 85 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher dieses Verbot. Außerdem wollen rund 94 Prozent, dass kaputte Textilien ab 2028 recycelt werden müssen und nicht mehr über den Restmüll entsorgt werden. Dabei zeige sich jedoch noch eine Umsetzungslücke, so die ARA am Montag.

Aktuell würden laut ARA in Österreich über 213.000 Tonnen Textilmüll anfallen. Davon würden rund drei Viertel zurzeit nicht getrennt gesammelt, sondern thermisch verwertet werden. In Europa seien es jährlich schätzungsweise vier bis neun Prozent der unverkauften Textilien, die vernichtet werden würden, was laut Konsumentenschutz wiederum um die 5,6 Millionen Tonnen an klimaschädlichen CO2-Emissionen erzeuge.

Klare Zustimmung der Bevölkerung

85 Prozent der Befragten fänden es gut, dass neue, unverkaufte Kleidung künftig nicht mehr vernichtet werden darf. Außerdem solle kaputte Kleidung verstärkt im Kreislauf geführt werden, finden 94 Prozent. Besonders hoch falle laut Umfrage die Zustimmung bei älteren Bevölkerungsgruppen aus. Die Herausforderung liege darin, die notwendigen Strukturen für Sortierung und Recycling aufzubauen, so ARA-Vorstandssprecher Harald Hauke. Zum Textilrecycling sind Unternehmen dann ab 2028 verpflichtet. Die Menschen in Österreich seien jedenfalls bereit, "ihren Beitrag zu leisten und Textilien getrennt zu sammeln".

Eine Umsetzungslücke zeige sich aktuell bei beschädigten Textilien. Ungefähr die Hälfte der Österreicherinnen und Österreicher würde kaputte Kleidung zwar im Moment über den Restmüll entsorgen – so war es bisher vorgesehen –, gleichzeitig würden mehr als zwei Drittel ein ungutes Gefühl dabei haben. Gut erhaltene Kleidung würde von rund 42 Prozent der Befragten in den Altcontainer gegeben werden und zusätzlich ein gutes Drittel spende sie etwa an soziale Einrichtungen. Um die 84 Prozent würden sich mehr Aufklärung zur korrekten Entsorgung wünschen, als Motivatoren für die getrennte Sammlung würde jeder Dritte mehr Sammelcontainer in der Wohnumgebung nennen. Klare Kennzeichnung auf Produkten über die richtige Entsorgung und Gewissheit, dass kaputte Textilien auch tatsächlich recycelt werden, wünschen sich 29 Prozent.

Was gilt seit dem Wochenende?

Das neue Verbot gilt für unverkaufte Kleidung, Accessoires und Schuhe. Sie sollen wiederverwendet, weiterverkauft, wiederaufbereitet oder gespendet werden. Außerdem sollen Alttextilien künftig getrennt gesammelt werden. Das System der erweiterten Verantwortung ist bereits aus Bereichen wie Verpackungen, Elektroaltgeräten und Batterien bekannt. Für mittlere Unternehmen gelte die Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte voraussichtlich ab 2030, kleine Unternehmen seien von den Vorgaben ausgenommen.

Für funktionierende Textilkreisläufe brauche es laut ARA klare gesetzliche Rahmenbedingungen und die entsprechende Infrastruktur. Eingebunden werden sollen unter anderem Altstoffsammelzentren und karitative Einrichtungen, die Erfahrung aus dem Verpackungsrecycling könne auch im Textilbereich genutzt werden. (APA, 20.7.2026)

Forum: 65 Postings

Ihre Meinung zählt.

Die Kommentare im Forum geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Benutzer:innen können diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H. vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.