Halde muss saniert werden: Wie geht es mit den Opernfestspielen am Saarpolygon weiter?

Die Opernfestspiele am Saarpolygon haben sich in nur zwei Jahren zum Tourismusmagnet entwickelt. Auch die „West Side Story“ dieses Jahr verkauft sich bestens. 2027 aber kann Joachim Arnold nicht mehr auf der Halde spielen. Wie geht’s weiter?

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Halde muss saniert werden: Wie geht es mit den Opernfestspielen am Saarpolygon weiter?

Halde muss saniert werden Wie geht es mit den Opernfestspielen am Saarpolygon weiter?

Ensdorf · Die Opernfestspiele am Saarpolygon haben sich in nur zwei Jahren zum Tourismusmagnet entwickelt. Auch die „West Side Story“ dieses Jahr verkauft sich bestens. 2027 aber kann Joachim Arnold nicht mehr auf der Halde spielen. Wie geht’s weiter?

21.07.2026 , 18:05 Uhr

In nur zwei Jahren haben sich die Opernfestspiele am Saarpolygon als Kulturmarke mit touristischer Ausstrahlung weit über die Region hinaus etabliert. Doch nach der „West Side Story“ in diesem Jahr ist Schluss. Macher Joachim Arnold muss sich einen neuen Ort suchen, denn die Bergehalde wird saniert.

In nur zwei Jahren haben sich die Opernfestspiele am Saarpolygon als Kulturmarke mit touristischer Ausstrahlung weit über die Region hinaus etabliert. Doch nach der „West Side Story“ in diesem Jahr ist Schluss. Macher Joachim Arnold muss sich einen neuen Ort suchen, denn die Bergehalde wird saniert.

Foto: Ruppenthal

Wann hat sich zuletzt eine Kulturmarke so schnell etabliert? In nur zwei Jahren wurden die Opernfestspiele am Saarpolygon zur festen Größe, mit Riesenausstrahlung noch dazu. 13.500 Besucher kamen 2024 – und im Sommer 2025 nochmals annähernd so viele zur „Zauberflöte“ auf die Bergehalde Duhamel bei Ensdorf. Um dort beim Open Air mit einzigartigem Rundumblick über das Saarland und den Füßen quasi auf der saarländischen Montan-Geschichte, ein Kulturevent zu genießen, das es so sonst nirgendwo gibt. Location, Stimmung, Kulturangebot: Alles passte.

„West Side Story“ wird noch mehr Besucher ziehen als „Zauberflöte“

Und Macher Joachim Arnold will und wird dieses Jahr, vom 13. August an, mit der Neuproduktion der „West Side Story“ sogar noch ein paar Schippen drauflegen: Bereits 80 Prozent der Tickets für die 12 angesetzten Vorstellungen seien bereits weg, sagt der Veranstalter. Damit verkauft sich der Leonard-Bernstein-Evergreen sogar noch besser als die Mozart-Oper auf der Halde.

Joachim Arnold

Foto: rup

Halden-Sanierung beginnt noch 2026

Eitel Sonnenschein also? Nein, denn mitten ins wohlige Vorverkaufskassenklingeln für das Musical am Saarpolygon platzt die Nachricht, dass die Halde Duhamel saniert werden muss (wir berichteten). In dem Bergbau-Abraumkoloss mit 50 Hektar Grundfläche schwelt nämlich ein Feuer, das erstickt werden muss. Zudem sind die Flanken der Halde zu steil, müssen aus Stabilitätsgründen zum Teil abgeflacht werden. Noch dieses Jahr soll die Sanierung beginnen, so die RAG Montan Immobilien GmbH: Fünf Jahre könnte die Sanierung dauern. Was für die Opernfestspiele bedeutet, dass sie sich schon für 2027 einen neuen Spielort suchen müssen.

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So beeindruckend war die Premiere der Zauberflöte in Ensdorf

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Foto: Ruppenthal

Marke etabliert – und schon wieder verloren?

Eine denkbar schlechte Nachricht: Heißt es doch, dass die Opernfestspiele nicht allein einen prägenden Namensteil einbüßen, sondern vor allem ihren spektakulären Spielort auf der Bergehalde am Fuße des Polygons, der an die über 250-jährige Bergbaugeschichte des Saarlandes erinnert, die 2012 endete. Der Ort samt seiner Aura machen aber einen wesentlichen Teil des Erfolges aus. Und die Landesregierung alimentierte das übrigens auch kräftig: 400.000 Euro gab’s als „Leuchtturm“-Finanzierung zum Anschub, weitere 150.000 Euro zur Fortführung. Ist das Geld jetzt am Ende in den Haldenschutt gesetzt?

Arnold war vorab informiert

Opernfestspiel-Macher Joachim Arnold widerspricht und ist auch von der Nachricht, dass die Halde saniert wird, nicht überrascht. „Es war immer klar, dass die Halde saniert werden muss“, sagt er. Er habe sich auch bewusst darauf eingelassen, an diesem Ort etwas zu beginnen, was er nun von 2027 anderswo fortsetzen muss.

Klar sei aber immer auch gewesen, betont Arnold, dass er nach der Sanierung wieder mit den Festspielen auf die Halde zurückkönne. Das Kultur-Open-Air sei ja wie maßgeschneidert für die Anforderungen auf der Halde, die frei zugänglich bleiben soll für Besucher, die sich mit der Historie des Bergbaus beschäftigen wollen und den Ausblick auf die (Industrie-)Landschaft suchen. Daher darf die Halde auch nicht dauerhaft zugestellt werden, ein temporäres Open Air jedoch, mit rund zwei Wochen Spielzeit und einigen Wochen Auf- und Abbauphase sei tolerierbar. Wenn die Halde denn saniert ist, „soll es dort auch weitergehen“, versichert Arnold: „Ich habe nie etwas Gegenteiliges gehört.“

Schwer, Ersatz zu finden

Die Attraktivität der Opernfestspiele am Saarpolygon bringt aber zugleich auch ein gravierendes Problem: Die Location auf der Halde ist so singulär und beeindruckend, dass es schwer werden dürfte, einen Ersatz mit ähnlicher Ausstrahlung zu finden. „Wir können jetzt nicht einfach in irgendeine Halle gehen, es muss ein ähnlich ikonischer Ort sein“, erklärt Arnold. Längst hat er sich auf die Suche gemacht und auch einige Alternativen ins Auge gefasst. Konkreter will er aber nicht werden.

Käme das Weltkulturerbe Völklinger Hütte infrage?

Käme etwa das Weltkulturerbe Völklinger Hütte infrage? „Es muss auch ein Ort sein, der noch nicht anderweitig besetzt ist“, schränkt Joachim Arnold ein, sagt jedoch auch, „auf dem Hüttengelände ließe sich vielleicht noch etwas finden“. Was die Spekulation zusätzlich befeuert. Der gewiefte Kulturveranstalter, der über viele Jahre auch den Zeltpalast in Merzig betrieb, will eben, wenn er den neuen Ort annonciert, auch einen Wow-Effekt wie damals mit der Bergehalde. Viele Orte sind denkbar, sagt Arnold und meint selbstbewusst: „Wir brauchen eine vernünftige Zuwegung, alles andere an Infrastruktur, das haben wir bewiesen, können wir notfalls hinschaffen. Das kriegen wir hin.“

Was auch bedeuten könnte, dass Arnolds Flying Circus nicht nur an einem Platz Station machen wird, sondern ein paar Ausweichjahre lang von Ort zu Ort ziehen könnte. Sicher aber ist, dass er 2027 wieder eine Oper rausbringen will, „denn die ‚West Side Story’ quasi noch mal an einem anderen Ort zu machen, das würden uns die Leute nicht abkaufen“.

Dass er nun Jahre überbrücken muss, bereitet Joachim Arnold aber keine Sorge. Er ist sicher, dass die Strahlkraft der ersten drei Jahre Opernfestspiele, die künstlerische Qualität und seine Findigkeit ausreichen, um über die Zeit zu kommen, bis man wieder auf die Halde zurückkehrt. In vielleicht fünf Jahren. Dann wäre Joachim Arnold 67. Ob er dann wirklich noch Lust hat, wieder auf der Halde von vorn anzufangen? Die Energie, mit der er gerade nach einem Ausweichquartier fahndet und Ideen dafür entwickelt, verscheuchen aber jeden Zweifel, dass das Rentenalter ein Hinderungsgrund sein könnte. (lck)

„West Side Story“ am Saarpolygon: 13. bis 30. August.