Hallervorden im CDU-Wahlkampf: Nun knöpft er sich Merz’ neue Generalsekretärin vor

Wieder einmal tritt Didi Hallervorden im CDU-Wahlkampf in Sachsen-Anhalt auf. Erneut attackiert er Kanzler Merz, „Kriegsminister“ Pistorius – und erstmals die neue CDU-Generalsekretärin.

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Hallervorden im CDU-Wahlkampf: Nun knöpft er sich Merz’ neue Generalsekretärin vor

Gerade eine Minute steht Didi Hallervorden auf der Bühne, da wendet er sich singend an den Bundeskanzler: „Tagchen, Friedrich Merz. Ich wollte Ihnen eigentlich schreiben, doch lass’ ich’s lieber bleiben und sag’s, dass alle’s hören: Kriegstüchtig sollen wir sein, so wie vor 90 Jahren … Mein hochverehrter Kanzler, mein Sohn wird niemals schießen, der mag nicht, Sie zu grüßen und sagt: Mich kriegt Ihr nicht.“

Auf der Leinwand hinter Hallervorden sind Merz und Verteidigungsminister Boris Pistorius zu sehen. Auch Pistorius bekommt zur Eröffnung sogleich einen mit: „Hallo Herr Kriegsminister, Sie haben meinen Sohn gebeten, im Krieg für Sie zu töten …“

Dessau-Junkers-Saal, Montagabend. Willkommen zum CDU-Landtagswahlkampf. Etwa 500 Gäste sind gekommen, die Luft ist stickig. In knapp fünf Wochen wählt Sachsen-Anhalt. Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze liegt meilenweit hinter der AfD. Da ist jede Aufmerksamkeit recht. Selbst wenn Hallervordens letzter Auftritt zusammen mit Schulze vorige Woche in Magdeburg allerhand Ärger in der CDU ausgelöst hat, und einen öffentlichen Rüffel der neuen Generalsekretärin Franziska Hoppermann.

„So viel Aufmerksamkeit in der ganzen Bundesrepublik“ habe die Magdeburger Veranstaltung auf die CDU gezogen, sagt Moderatorin Clara von Nathusius, während sie Hallervorden („fast 70 Jahre Bühnengeschichte“) begrüßt. Hallervorden, geboren 1935 in Dessau, unterstützt Schulze in diesem Wahlkampf, wirbt für Meinungs- und Kunstfreiheit, wettert gegen die AfD und, beim Thema Frieden, eben gegen Merz und Pistorius. Der Name Putin hingegen wird an diesem Abend nicht fallen.

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Seine Botschaft infolge der jüngsten Aufmerksamkeit macht Hallervorden, neben dem Anti-Merz-Lied zu Anfang, schnell klar: Ich stehe zu dem, was ich denke und sage. Oder, in seinen Worten: „Mein Rückgrat sagt mir in Zusammenarbeit mit meinem Gehirn: Lass Dich nicht verbiegen.“ Abermals ist in einem Video, das während Hallervordens Gesangseinlage gezeigt wird, eine Demonstration mit dem Schriftzug „Stoppt den Völkermord in Gaza“ zu sehen. Unter anderem davon hatte sich Hoppermann am Wochenende distanziert.

Hallervordens Retourkutsche am Montagabend: „Uns alle wird es noch geben, wenn Frau Hoppermann abgewählt ist.“

Zu diesem Zeitpunkt steht Schulze längst mit Hallervorden auf der Bühne – anders als zu Beginn, während des Anti-Merz-Liedes. Die beiden Männer mögen und duzen sich. Schulze darf sich anhören, wenn Hallervorden auflistet, für wen er Wahlkampf gemacht habe: Helmut Schmidt, Hans-Dietrich Genscher, und nun eben Schulze.

Ich teile nicht jeden Inhalt von Didi.

Sven Schulze, CDU, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, über seine Auftritte mit Didi Hallervorden

Schulze wahrt Distanz zu Hallervorden, dessen Aussagen seien nicht immer „Linie der CDU“, aber die gemeinsame Veranstaltung heiße nun einmal „Kunst braucht Freiheit, nicht Kunst braucht Zustimmung“. Er wolle das Thema Meinungsfreiheit „nicht einer Partei überlassen“. Vielleicht sei es ein Fehler, „dass die CDU solche kontroversen Debatten selten geführt hat“. Um aber noch einmal sicherzugehen, sagt Schulze: „Ich teile nicht jeden Inhalt von Didi.“

Schulze wie Hallervorden geben die beiden Standhaften, das kommt an im Saal. Immer wieder gibt es Beifall. „Ich werde nicht umfallen, wenn es mal Gegenwind gibt“, sagt Schulze. Sein Umgang mit Hallervorden ist eine Gratwanderung. „Ich stelle in keinster Weise das Existenzrecht Israels infrage und auch zum Thema Völkermord habe ich eine völlig andere Meinung“, sagt Schulze am Montagabend. Das Existenzrecht Israels stehe für ihn ebenfalls außer Frage, sagt Hallervorden, um dann über den „Völkermord“ Israels in Gaza zu reden, unter Verweis auf das von Südafrika angestrengte Verfahren gegen Israel vor dem Internationalen Gerichtshof. Das Datum 7. Oktober 2023, der Überfall der Hamas, wird an diesem Abend nicht erwähnt.

Beifall erhält Hallervorden für seinen Hinweis, da stimme „irgendwas nicht“, wenn der Krieg Israels und der USA gegen den Iran nicht als völkerrechtswidrig bezeichnet werde. Merz hat das bislang vermieden.

Als „unbequemer Mahner“ sieht sich Hallervorden, und wirbt vehement für Meinungs- und Kunstfreiheit. Die sieht er durch die AfD bedroht, wenn diese, wie er sagt, „ideologische Eindeutigkeit und patriotische Pflichtkenntnisse“ verlange. Das führe, warnt er, am Ende zu Zensur.

Am Ende des Abends verstößt Hallervorden noch einmal gegen die Leitlinien der CDU. Neben einer Koalition mit SPD und Grünen, rät er der CDU, es sich „nicht mit den Linken zu verscherzen“. Die werde man „wahrscheinlich zur Tolerierung brauchen“. Und was sagt Sven Schulze? Dass er mit Hallervorden nicht „immer hundertprozentig einer Meinung“ sei.