Hollerbusch in Holzkirchen: 30 Jahre als integrative Kita

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Hollerbusch in Holzkirchen: 30 Jahre als integrative Kita

Stand: 22.07.2026, 06:30 Uhr

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Gelungen: Das Jubiläum mit Gottesdienst in der Segenskirche, den die Kinder mitgestaltet haben. Auch Bürgermeister Christoph Schmid (hinten, 3. v. l.) war dabei.

Gelungen: Das Jubiläum mit Gottesdienst in der Segenskirche, den die Kinder mitgestaltet haben. Auch Bürgermeister Christoph Schmid (hinten, 3. v. l.) war dabei. © Bettina Eck

In der evangelischen Kita Hollerbusch werden Kinder mit und ohne Beeinträchtigung betreut. Die Leiterinnen blicken zum Jubiläum im Interview zurück – und voraus.

Holzkirchen – In der evangelischen Kita Hollerbusch spielen Kinder mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsam – und lernen voneinander. Jetzt hat die integrative Einrichtung mit einer Krippe und drei Kindergartengruppen, die ihren Namen der Heilpflanze verdankt, ihr 30-jähriges Bestehen gefeiert. Im Interview blicken die langjährigen Leiterinnen Ursula Stacheter (59) und Andrea Wahnschaffe (54) auf bewegte Zeiten.

Zwischen Wandel und Beständigkeit: Ursula Stacheter (l.) und Andrea Wahschaffe leiten die Kita Hollerbusch mit Krippe und Kindergarten seit vielen Jahren.

Zwischen Wandel und Beständigkeit: Ursula Stacheter (l.) und Andrea Wahschaffe leiten die Kita Hollerbusch mit Krippe und Kindergarten seit vielen Jahren. © Thomas Plettenberg

Integrative Einrichtungen waren vor 30 Jahren keine Selbstverständlichkeit…

Andrea Wahnschaffe: Der Hollerbusch war die erste Einrichtung dieser Art in Holzkirchen. Tatsächlich sind die Gründer damals nicht auf offene Ohren gestoßen mit ihrer Idee. Die Haltung der Marktgemeinde war, dass man so etwas nicht brauche. Wer Bedarf habe, solle nach München fahren. Es ist dem Engagement und der Hartnäckigkeit der damaligen Verantwortlichen zu verdanken, dass man letztlich mit drei Integrationskindern den Betrieb aufnehmen konnte.

Wie hat sich die integrative Pädagogik seither entwickelt?

Ursula Stacheter: Der Gedanke damals war, Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf in eine bestehende Gruppe zu integrieren. Also gab es eine Integrationsgruppe mit 15 Kindern, von denen drei Integrationskinder waren. So hat man das viele Jahre lang praktiziert. Dann kam die Entwicklung von der Integration zur Inklusion. Wir haben jetzt keine eigene Integrationsgruppe mehr, sondern in jeder Gruppe sind Kinder, die Unterstützung brauchen.

Was ist der Unterschied zwischen Integration und Inklusion?

Stacheter: Der Blickwinkel ist ein anderer. Bei Inklusion steht nicht so sehr das Kind mit seiner Behinderung im Fokus, sondern seine Teilhabe. Jedes Kind ist – so wie es ist – in Ordnung und kann betreut werden. Die Einrichtung soll so gestaltet sein, dass sie allen Kindern Teilhabe ermöglicht.

Welche Voraussetzung brauchen Sie dafür?

Stacheter: Wir brauchen einen Fachdienst. Früher war das ein externer Fachdienst. Seit September haben wir eine eigene Heilpädagogin angestellt. Und wir haben unsere drei Erzieher zur Fachkraft für Inklusion fortbilden lassen. Da wir zwei einseitig hörende Kinder haben, arbeiten wir auch mit dem Fachdienst Hören zusammen. In der Folge haben wir Absorber in den Räumen anbringen lassen, damit die einseitig hörenden Kinder nicht so sehr beeinträchtigt sind. Letztlich führt das für alle Kinder und die Erzieher zu einem angenehmeren, entspannteren Alltag.
Wahnschaffe: Ehrlicherweise muss man aber auch sagen, dass der Inklusion Grenzen gesetzt sind. Es gibt Fälle, die von uns nicht die richtige Förderung erhalten können. Es gehört dazu, das zu benennen.

Wie verhalten sich die Kinder ohne Behinderung gegenüber den Kindern mit Beeinträchtigung?

Stacheter: Unvoreingenommen und offen, da können wir Erwachsenen viel lernen. Sie sind interessiert und fragen unverblümt nach, wo Erwachsene vielleicht betroffen zur Seite schauen würden. Wenn man ihnen dann erklärt, was das Kind hat, ist es für sie ganz normal, und das Kind ist mit dabei. Alle, auch wir Erwachsenen, erleben das Miteinander als sehr bereichernd.

Wie gehen Sie als evangelische Kita damit um, dass die Gesellschaft säkularer wird?

Stacheter: Ich glaube, dass wir den Familien und Kindern gerade deshalb etwas geben können. Wir haben heuer die Kinderbibelzeit eingeführt, eine Kinderbibelstunde. Als evangelische Einrichtung ist es uns wichtig, die Regeln des Miteinanders über die Jesusgeschichten zu vermitteln. Die Kinder finden das toll. Letztlich handelt es sich um Regeln, die in einer säkularen Welt nichts von ihrer Bedeutung eingebüßt haben und die auch in anderen Religionen verankert sind.
Wahnschaffe: Wir sehen in der Religionspädagogik die Möglichkeit, den Kindern Orientierung im Leben zu bieten. Unser Ziel ist, ihnen Respekt und Nächstenliebe spielerisch zu vermitteln. Das schließt Offenheit für die Welt und andere Religionen mit ein. Gleichzeitig ist es uns wichtig, dass die Kinder bei der Kinderbibelzeit auch mitmachen dürfen. Das sollte Eltern bewusst sein, wenn sie sich bei uns anmelden.

2013 kam der Rechtsanspruch auf frühkindliche Förderung. Erst ein Jahr alt, und schon weg von Mama: Hatten Sie Bedenken?

Stacheter: Vor dem Hintergrund des Rechtsanspruchs hat man sich in Holzkirchen recht schnell darauf geeinigt, Kinder ab einem Jahr aufzunehmen. Allerdings waren die Bedenken groß. Die Frage war, ob so junge Kinder in Fremdbetreuung gut aufgehoben sind. Es hat sich jedoch bald eine eigene Pädagogik für die Krippe entwickelt.

Haben sich die Sorgen bewahrheitet?

Stacheter: Nein, überhaupt nicht. Wir sehen die weitere Entwicklung unserer Krippenkinder in unserem Kindergarten. Wir beobachten, dass sie sehr selbstständig sind, etwa beim An- und Ausziehen. *
Wahnschaffe: Man muss in diesem Zusammenhang vielleicht erwähnen, dass wir die einzige Krippe in Holzkirchen sind, in der man nicht fünf Tage buchen muss. Bei uns ist Platzsharing möglich. Das kommt den Mamas entgegen, die sagen: Okay, ich muss drei Tage arbeiten, aber an den anderen beiden Tagen will ich mein Kind daheim betreuen. Das wollen wir unterstützen.

Führte das Recht auf einen Kitaplatz zu einem Anspruchsdenken der Eltern?

Stacheter: Die Eltern haben sich verändert, das muss man schon sagen. Allerdings hat sich auch die Familiensituation verändert. Früher waren viel mehr Mütter zu Hause oder haben höchstens halbtags gearbeitet. Unsere Grundhaltung ist: Die Eltern kaufen über den Träger den Anspruch auf Bildung und Erziehung ein, eine Dienstleistung. Die wollen wir auch erfüllen.

Mit welchen Herausforderungen rechnen Sie künftig?

Wahnschaffe: Zuletzt hatten alle Einrichtungen mit Fachkräftemangel zu kämpfen. Das dreht sich gerade. Die fehlenden Fachkräfte wurden ausgebildet, und der Freistaat hat den Ausbau der Kitas vorangetrieben. Das Problem ist jetzt ein anderes: Die Kinderzahlen gehen zurück. Wir müssen also eher schauen: Was ist unser Alleinstellungsmerkmal? Um dafür zu sorgen, dass alle Plätze besetzt sind.