„Hüpfe nicht mehr wie ein junges Reh über den Platz“: Werders Stark über Hüftprobleme und neuen Geist

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„Hüpfe nicht mehr wie ein junges Reh über den Platz“: Werders Stark über Hüftprobleme und neuen Geist

Stand: 17.07.2026, 18:42 Uhr

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Niklas Stark spricht im DeichStube-Interview über seine Hüftprobleme, ein besonderes Ziel und ein mögliches Karriereende bei Werder Bremen.

Bremen – Lediglich 14 Bundesligaspiele konnte Niklas Stark in der vergangenen Saison bestreiten, allen voran wegen hartnäckiger Hüftprobleme, die bis heute nicht restlos ausgestanden sind. Wie es ihm gesundheitlich zum Start der Vorbereitung geht und welche Ziele er sich für die kommende Spielzeit gesetzt hat, verrät der 31-Jährige im Interview mit der DeichStube. Außerdem erklärt Stark, warum er ein gutes Gefühl beim Blick auf den Kader hat, was Trainer Daniel Thioune seit dessen Amtsübernahme besonders gut gelungen ist – und wie er zum Thema „Karriereende bei Werder Bremen“ steht. 

DeichStube-Chefreporter Daniel Cottäus im Gespräch mit Niklas Stark vom SV Werder Bremen.

DeichStube-Chefreporter Daniel Cottäus im Gespräch mit Niklas Stark vom SV Werder Bremen. © gumzmedia

Knackt Werder Bremens Niklas Stark die 300-Bundesliga-Spiele-Marke? - „Da bin ich sehr optimistisch“

Niklas Stark, ist Ihnen bewusst, dass Sie in der neuen Saison einen großen Meilenstein in Ihrer Karriere erreichen können?

Meinen Sie die 300 Bundesligaspiele?

Genau! Aktuell stehen Sie bei 284, allzu viele Einsätze fehlen also nicht mehr. Bedeutet Ihnen die 300er-Marke etwas?

Es ist nicht so, dass ich die Zahl ständig im Kopf habe, aber sie ist schon etwas Besonderes. Als ich früher als Kind mit dem Fußballspielen angefangen habe, war mein größtes Ziel, dass ich es irgendwann zum besten Verein in unserer Region schaffe, zum 1. FC Nürnberg. 300 Bundesligaspiele waren meilenweit weg, gar nicht vorstellbar. Jetzt, wo ich recht nah dran bin, denke ich mir: Wahnsinn, wie lange die Karriere schon läuft! Ich meine, jedes Spiel ist ja auch wie ein Kampf, es strengt dich an, körperlich und mental. Das 300 Mal in der Bundesliga zu erleben, ist nicht selbstverständlich.

Wie optimistisch sind Sie, dass Sie die 16 fehlenden Spiele in der Saison 2026/27 einsammeln können? Seit Monaten machen Ihnen bekanntlich hartnäckige Hüftprobleme zu schaffen, durch die Sie im Vorjahr viele Partien verpasst haben.

Da bin ich sehr optimistisch! Aktuell fühle ich mich gut. Die ersten Trainingseinheiten liegen jetzt hinter uns, und mit dem Start in die Vorbereitung bin ich zufrieden. Ich bin mir sicher, dass ich der Mannschaft weiterhin helfen kann, auch wenn wir in der Innenverteidigung aktuell sehr gut aufgestellt sind. Wir haben viele Jungs, die zurecht Ansprüche anmelden, dort zu spielen.

Werder Bremens Niklas Stark im Interview: „Ich hüpfe nicht mehr wie ein junges Reh über den Platz“

Sind Sie inzwischen beschwerdefrei?

Also, ich hüpfe nicht mehr wie ein junges Reh über den Platz, die Zeiten sind vorbei. Ich muss schon auf meinen Körper schauen und hier und da etwas mit Auge trainieren. Was hatten wir eben? 284 Bundesligaspiele? Das meldet mir mein Körper spürbar zurück. Ich bin aber zuversichtlich, dass ich gut durchkomme.

Konnten Sie die spielfreie Zeit zur Regeneration der Hüfte nutzen?

Ja, absolut. Ich habe mir die nötige Ruhe gegönnt und hatte viele Behandlungen. Das hat sehr geholfen und war eine gute Vorbereitung auf den Saisonstart. Ich habe zwar weiterhin ein gewisses Defizit an der Hüfte, damit kann ich aber umgehen, weil mir mittlerweile klar ist, worauf ich achten muss. Ich weiß also, wie weit ich gehen kann – und das sind definitiv noch einige Schritte.

Haben Sie auch über eine Operation nachgedacht?

Nein, das wäre nach Rücksprache mit den Ärzten nicht sinnvoll gewesen.

In der Schlussphase der vergangenen Saison haben Sie mächtig auf die Zähne gebissen, kaum noch trainiert, aber trotzdem gespielt, um der Mannschaft zu helfen. Hat sich das gerächt? 

Nein, so sehe ich es nicht. Mit 31 Jahren und 284 Spielen spüre ich schon Themen, die mich über die Saison begleiten wie beispielsweise in der Rückrunde in Stuttgart. Da hatte ich Oberschenkelprobleme. Der Trainer (Daniel Thioune, Anm. d. Red.) wollte wissen, ob ich von Beginn an spielen kann. Die Chancen, dass der Muskel hält, standen 50:50. In enger Absprache haben wir es dann riskiert. In der Situation, in der wir waren, nimmt man das Risiko einfach mal in Kauf. So etwas habe ich in meiner Karriere nicht oft gemacht, aber es gibt Momente, da entscheidet man sich dafür.

Werder Bremens Niklas Stark verrät im DeichStube-Interview, ob er Angst um seine Karriere hatte

Hatten Sie in den vergangenen Monaten mal Angst um Ihre Karriere?

Nein, weil es immer einen klaren Weg gab, den ich gehen konnte, eine Perspektive. So ist es weiterhin. Ich bin grundsätzlich ein optimistischer Mensch und versuche, mich nicht lange mit negativen Gedanken aufzuhalten. Für uns als Mannschaft war die Rückrunde der letzten Saison enorm herausfordernd. Darauf lag mein voller Fokus.

Werder ist am Ende nur hauchdünn dem Abstieg entgangen. Hat die Mannschaft die Saison schon komplett abgeschüttelt, oder wirkt sie noch nach?

Ich kann mir schon vorstellen, dass sie noch nachwirkt – allein deshalb, weil wir es im neuen Jahr deutlich besser machen wollen. Die Zeit war brutal anstrengend für uns alle. Wir mussten körperlich und mental viele Ressourcen aufbringen, weshalb wir die Pause dringend gebraucht haben. Jetzt wollen wir zeigen, dass wir es besser können.

Der Kader hat sich deutlich verändert. Mehrere Spieler haben den Verein verlassen, bereits sieben Neuzugänge wurden verpflichtet. Wie ist Ihr erster Eindruck von der neu zusammengestellten Gruppe?

Gut! Wir haben viele junge Spieler dazu bekommen, die etwas erreichen wollen. Es ist zu spüren, dass sie die entsprechende Mentalität an den Tag legen. Das gefällt mir. Es ist gut, dass am Wochenende die Testspiele starten, damit wir uns schnellstmöglich als Team auf dem Platz finden können. Nach so vielen Veränderungen wird es bestimmt auch mal etwas stottern, hoffentlich natürlich so wenig wie möglich. Ich glaube aber, dass wir trotzdem auf der Straße bleiben und unseren Weg machen werden.

Werder Bremens Niklas Stark lobt Neuzugang Oskar Wojcik: „Er ist auf jeden Fall eine Verstärkung für uns“

Auch für Ihrer Position ist ein neuer Mann gekommen, Oskar Wojcik, hinter dem eine starke Saison in Polen liegt. Wie nehmen Sie ihn wahr?

Er ist auf jeden Fall eine Verstärkung für uns. Im Training war direkt zu sehen, dass er sehr viel mitbringt. Dazu kommt, dass er sich alles aufmerksam anhört und sehr interessiert ist. Oskar trägt dazu bei, dass der Konkurrenzkampf in der Defensive in diesem Jahr sehr hoch ist. Das kann uns als Mannschaft nur helfen.

.In Karim Coulibaly gilt ein anderer Innenverteidiger seit Monaten als heißer Abgangskandidat. Wie geht die Mannschaft mit dem Thema um?

(lacht) Er kriegt deshalb vielleicht mal einen Spruch, aber viel mehr auch nicht. Solange er da ist, trainiert er wie immer mit, ganz normal. Ich stelle keine Veränderung bei ihm fest. Und sollte er tatsächlich zu einem spannenden Verein wechseln, dann hat er es sich mit seinen Leistungen verdient.

Nach der erfolgreichen Mission Klassenerhalt kann Cheftrainer Daniel Thioune der Mannschaft nun deutlich mehr von seiner eigenen Handschrift mitgeben. Wie arbeitet er als Trainer? Was zeichnet ihn aus?

Als er kam, waren wir in einer angespannten Lage. Das merkst du als Spieler nicht nur an den Wochenenden. Es war im Training sehr leise auf dem Platz, manchmal wirkte es fast schon träge. Jeder war sehr mit sich selbst beschäftigt. Daniel hat es geschafft, dass wir vom vielen Denken wieder mehr ins Machen gekommen sind. Ich habe in meiner Karriere leider schon einige Erfahrungen im Abstiegskampf gesammelt. Du willst die Situation verbessern, machst dir viele Gedanken, aber auch schnell Vorwürfe, wenn etwas nicht funktioniert. Daraus kann ein Teufelskreis entstehen, und plötzlich fällt dir alles schwer, bist du gehemmt. Dagegen hat Daniel angearbeitet. Er hat wieder einen anderen Geist in die Kabine und auf den Platz gebracht. Darauf bauen wir jetzt auf.

Niklas Stark im Interview: „Deshalb kann ich mir vorstellen, meine Karriere irgendwann bei Werder Bremen zu beenden“

Über Ihre 284 Bundesligaspiele haben wir eingangs gesprochen. Nach dem Abgang von Leonardo Bittencourt zu Energie Cottbus sind Sie damit nun der erfahrenste Profi des Kaders, gefolgt von Mitchell Weiser mit 232 Spielen…

… ha, so ein Jungspund!

Was leiten Sie aus der Rolle des Routiniers für sich ab?

Die Rolle fällt einem irgendwann automatisch zu, wenn man lange dabei ist. Das ist ja keine bewusste Entscheidung. Ich war noch nie der Typ, der sich hinstellt und den anderen erklärt, was sie alles besser machen müssen. Es ist einfach nicht mein Ding, irgendwelche Weisheiten zu verkünden. Aber wenn mir etwas auffällt und ich merke, dass ich helfen kann, mache ich es natürlich gerne.

Sie stehen bereits seit 2022 bei Werder unter Vertrag, sind heute 31 Jahre alt und gehen mit dem Verein in Ihre fünfte Saison. Ist es für Sie vorstellbar, Ihre Karriere eines Tages in Bremen zu beenden?

Ich fühle mich weiterhin wohl in Bremen, daran hat sich nichts geändert. Deshalb kann ich mir vorstellen, meine Karriere irgendwann bei Werder zu beenden. Vorher will ich aber noch einige Spiele machen. (dco)