IFA Berlin-CEO im Interview: „In wirtschaftlich angespannten Zeiten wird die IFA wichtiger“

Ein leichtes Zuschauerplus gab es im letzten Jahr, aber auch Diskussionen. Waren es 2025 genügend technische Innovationen, die zu sehen waren? Welche Relevanz hat die IFA im Vergleich zur CES und Veranstaltunge...

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IFA Berlin-CEO im Interview: „In wirtschaftlich angespannten Zeiten wird die IFA wichtiger“

Ein leichtes Zuschauerplus gab es im letzten Jahr, aber auch Diskussionen. Waren es 2025 genügend technische Innovationen, die zu sehen waren? Welche Relevanz hat die IFA im Vergleich zur CES und Veranstaltungen in Asien? Themen, die auch 2026 bewegen. Mit dem IFA Kick off wurde der Countdown zur IFA 2026 eröffnet. Leif Lindner, der IFA-CEO, stand uns kurz Rede und Antwort.

Herr Lindner, die IFA steht in diesem Jahr unter dem Motto „The future is now“. Was dürfen die Besucherinnen und Besucher Anfang September erwarten?

Leif Lindner: „Unser diesjähriger Claim „The future is now“ beschreibt sehr gut, was die Besucherinnen und Besucher auf der IFA erleben werden: Technologie, die nicht mehr abstrakt oder weit weg ist, sondern heute schon unseren Alltag verändert. Es geht nicht nur um Produktneuheiten, sondern um konkrete Anwendungen. Wie hilft KI im Haushalt? Wie verändert Smart Living unser Zuhause? Welche Rolle spielen Robotik, Mobilität, Entertainment, Retail und vernetzte Ökosysteme in unserem Leben?

Ein besonderer thematischer Fokus liegt in diesem Jahr auf Zukunftstechnologien wie KI, Robotik und Smart Living. Die IFA zeigt Technologie zum Anfassen – gerade bei Themen wie Robotik ist das Live-Erlebnis entscheidend, weil man erst vor Ort versteht, wie weit die Entwicklung ist. Besucherinnen und Besucher erleben etwa, wie humanoide Roboter sich bewegen, interagieren und welche Rolle KI und Sensorik dabei spielen.

Gleichzeitig bleibt die IFA ein Erlebnis für ein breites Publikum. Der IFA Sommergarten bringt mit BUNT., Luciano, Ikkimel & Friends sowie Live-Podcasts wieder Musik, Entertainment und Popkultur auf das Messegelände. Das zeigt: Technologie ist heute Teil von Kultur, Alltag und Lifestyle – und genau das macht die IFA sichtbar.“

Klassische Unterhaltungselektronik – also Radio- und TV-Geräte – gehört seit Beginn der IFA vor mehr als 100 Jahren fest zur Messe. Welchen Stellenwert nimmt dieses Segment auf der IFA 2026 ein?

Leif Lindner: „Unterhaltungselektronik gehört zur DNA der IFA. Die IFA ist historisch aus diesem Segment heraus gewachsen – und auch 2026 bleibt Home Entertainment ein zentraler Bestandteil der Messe. Aber natürlich hat sich die Kategorie stark verändert. Heute sprechen wir nicht mehr nur über Radio- oder TV-Geräte im klassischen Sinne, sondern über vernetzte Entertainment-Ökosysteme: Displays, Sound, Streaming, Gaming, Smart-TV-Plattformen, personalisierte Inhalte und KI-gestützte Nutzererlebnisse.

Der Fernseher ist heute nicht mehr nur ein Empfangsgerät, sondern oft das zentrale Interface im Wohnzimmer. KI verbessert Bild und Ton in Echtzeit, Inhalte werden stärker personalisiert, und Geräte werden intuitiver in der Bedienung. KI ist längst nicht mehr auf einzelne Produktkategorien beschränkt, sondern durchdringt zunehmend alle Bereiche des vernetzten Zuhauses, so auch Home Entertainment.

Wir bewahren also unsere Wurzeln der klassischen Unterhaltungselektronik, zeigen aber gleichzeitig ihre nächste Entwicklungsstufe. Es geht um die Frage, wie Entertainment künftig individueller, vernetzter und immersiver erlebbar wird.“

KI war 2025 ein durchaus kontrovers diskutiertes Thema auf der IFA. Im aktuellen KI-Zeitalter geht der Trend vermehrt zu Streaming-Lösungen und Server-Anwendungen. Wie will es die IFA schaffen, diese aktuellen Trends aufzugreifen und dennoch den Fokus auf die physischen Produkte zu legen?

Leif Lindner: „Das ist genau der Punkt, an dem die IFA ihre besondere Stärke ausspielt. Natürlich entstehen viele Innovationen heute in der Cloud, in Software, in Streaming-Plattformen oder durch KI-Modelle im Hintergrund. Aber für die Menschen wird Technologie erst relevant, wenn sie in einem konkreten Produkt oder Erlebnis ankommt.

KI bleibt abstrakt, solange sie nur als Schlagwort existiert. Sie wird greifbar, wenn ein Fernseher Bild und Ton automatisch optimiert, wenn ein Haushaltsgerät Energie spart, wenn ein Kochassistent durch ein Rezept führt oder wenn ein Roboter tatsächlich mit Menschen interagiert. Genau diese Übersetzung von digitaler Intelligenz in physische Anwendung zeigen wir auf der IFA. Es geht also darum, wie Zukunftstrends zu konkreten Alltagshelfern werden.

Ein aktuelles Beispiel vom IFA Kick-Off ist Miele: Dort wurden konkrete Anwendungen gezeigt – etwa der Duoflex HX2, ein Gerät, das Saugen, Wischen und Selbstreinigung kombiniert, sowie ein KI-gestützter CulinaryCoach, der beim Kochen begleitet. Das zeigt sehr gut, dass KI nicht als abstrakte Technologie im Mittelpunkt steht, sondern der konkrete Nutzen im Alltag.

Der Fortschritt in Consumer Electronics misst sich heute nicht mehr nur in technischen Daten wie Megapixeln, Zollgrößen oder Gigabyte. Entscheidend ist, wie viel Aufwand Technologie den Menschen abnimmt. Die wirkungsvollste Technologie fällt oft gar nicht mehr auf, sie läuft im Hintergrund, lernt mit und macht den Alltag einfacher. Deshalb bleibt das physische Produkt so wichtig. Es ist die Schnittstelle zwischen Mensch und Technologie. Auf der IFA kann man sehen, ob ein Produktversprechen wirklich funktioniert.“

Warum lohnt sich ein Besuch der IFA 2026 für Hersteller, Händler und Endverbraucher gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten?

Leif Lindner: „Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten wird eine Messe wie die IFA wichtiger. Denn wenn Märkte anspruchsvoller werden, wenn Budgets genauer geprüft werden und Kaufentscheidungen bewusster getroffen werden, braucht es Vertrauen, Orientierung und echte Begegnung.

Für Hersteller ist die IFA eine einzigartige Plattform, um neue Produkte einem breiten Publikum, internationalen Medien und dem europäischen Handel gleichzeitig zu präsentieren. Sie bekommen direktes Feedback – nicht gefiltert durch Algorithmen – sondern unmittelbar vor Ort. Kein Algorithmus ersetzt persönlichen Marktzugang, Sichtbarkeit, Glaubwürdigkeit und belastbare Kontakte. Vertrauen entsteht im Gespräch, nicht im Feed. Genau dafür steht die IFA.

Für den Fachhandel ist die IFA 2026 besonders relevant, weil wir unser Angebot gezielt ausgebaut haben. Mit Formaten wie der neuen Retail Innovation Zone, dem Retail Leaders Summit und dem Smart Living Forum schaffen wir konkrete Mehrwerte: Austausch, Weiterbildung, neue Geschäftsmodelle, Omnichannel-Strategien und praxisnahe Einblicke in die Zukunft des Handels.

Und für Verbraucher:innen lohnt sich der Besuch, weil sie Orientierung in einem immer komplexeren Technologiemarkt bekommen. Wer ein neues Gerät kauft, will verstehen, welchen Mehrwert es wirklich bietet. Auf der IFA kann man Produkte vergleichen, ausprobieren und erleben.

Deshalb ist die IFA 2026 in wirtschaftlich angespannten Zeiten nicht nur eine Produktschau. Sie ist ein Ort, an dem Orientierung entsteht, Partnerschaften aufgebaut werden und Menschen wieder ein Gefühl dafür bekommen, welche Innovationen wirklich relevant sind.“

Herzlichen Dank für das Gespräch.