Immer mehr Extremwetter in NRW – Experten geben praktische Tipps für Autofahrer
wa.deNRWStand: 03.08.2026, 22:30 UhrKommentareUns auf Google folgenBei Regen und kräftigen Gewittern müssen Autofahrer besonders vorsichtig sein. © Hendrik Schmidt/dpaBei Hitze, Starkregen, Gewitter und Hagel s...
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Stand: 03.08.2026, 22:30 Uhr
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Bei Hitze, Starkregen, Gewitter und Hagel sicher durch den Verkehr kommen: Der TÜV NORD gibt Tipps für Fahrten bei Wetterextremen im Sommer.
Hamm – Früher galt der Sommer vor allem als Jahreszeit hoher Temperaturen. Heute wechseln die Wetterbedingungen jedoch häufig innerhalb kurzer Zeit. Auf Hitzeperioden können Gewitter, Starkregen oder Hagelschauer folgen. Wer die damit verbundenen Risiken kennt und sein Fahrverhalten entsprechend anpasst, ist sicherer unterwegs. „Eine Regel gilt bei fast allen Wetterextremen: Tempo reduzieren, Abstand vergrößern und das Fahrzeug ruhig führen. Entscheidend ist, früh zu reagieren – nicht erst, wenn Sicht, Fahrbahn oder Seitenwind bereits zur Gefahr werden“, erklärt Niels Wiemann, Leiter der TÜV NORD Station Hamm.
Extreme Hitze: TÜV gibt Tipps
Steigt die Temperatur im Fahrzeuginneren, lassen Aufmerksamkeit und Konzentration nach, während die Reaktionsfähigkeit abnimmt. Besonders auf längeren Fahrten kann die Hitze den Kreislauf zusätzlich belasten. Auch Hitzeflimmern auf aufgeheizten Straßen sowie tief stehende Sonne in den Morgen- oder Abendstunden können die Sicht erschweren. Wiemann empfiehlt:
- Vor dem Losfahren frische Luft ins Fahrzeug lassen und eine Wasserflasche für unterwegs bereithalten.
- Die Klimaanlage zunächst im Umluftbetrieb nutzen, um den Innenraum schnell abzukühlen, und anschließend eine angenehme, moderate Temperatur einstellen.
- Auf längeren Fahrten regelmäßige Pausen einplanen und sich zwischendurch kurz bewegen.
- Bei tief stehender Sonne helfen eine Sonnenblende oder eine saubere Sonnenbrille dabei, die Sicht zu verbessern und Blendungen zu minimieren.
- Wischwasser regelmäßig nachfüllen und die Wischerblätter auf Verschleiß prüfen. Schlieren auf der Windschutzscheibe können die Sicht, insbesondere bei Gegenlicht, erheblich beeinträchtigen.
Gewitter und Sturm
Gewitter bringen oft starke Windböen mit sich, die Fahrzeuge destabilisieren können. Vor allem auf Brücken, in offenen Landschaften oder beim Überholen großer Fahrzeuge ist Vorsicht geboten. „Beide Hände gehören jetzt konsequent ans Lenkrad. Und sobald Seitenwind aufkommt, sollten Autofahrende Überholmanöver meiden“, empfiehlt Wiemann.

Das Fahrzeug bietet bei Blitzschlag grundsätzlich Schutz, da die elektrische Energie über die Karosserie abgeleitet wird. „Bei Gewitter bleiben Autofahrende am besten im Fahrzeug. Fenster und Türen geschlossen halten und erst aussteigen, wenn das Unwetter vorüber ist“, so Wiemann. Treten Tornados oder entsprechende Warnungen auf, sollte die Fahrt frühzeitig beendet und ein sicherer Schutzort angesteuert werden.
Das gilt bei Starkregen
Der erste Regen nach einer Trockenphase birgt besondere Risiken. Ablagerungen auf der Fahrbahn bilden zusammen mit dem Wasser einen glatten Film, der die Bodenhaftung reduziert. Bei Starkregen kommen eingeschränkte Sichtverhältnisse, Wasseransammlungen auf der Fahrbahn und längere Bremswege hinzu. Wenn Aquaplaning droht – dann gilt:
- Nach Möglichkeit außerhalb von Spurrillen fahren, da sich dort Wasser sammelt und die Reifen leichter die Bodenhaftung verlieren können.
- Abblendlicht einschalten.
- Bei beschlagenen Scheiben die Lüftung stärker einstellen und die Luft direkt auf die Windschutzscheibe lenken, um wieder klare Sicht zu schaffen.
- Wird die Sicht durch Starkregen erheblich eingeschränkt, sollte an der nächstmöglichen sicheren Stelle angehalten und das Unwetter abgewartet werden.
Hochwasser
Hält Starkregen länger an, können Straßen schnell überflutet werden. Die Kanalisation stößt dann vielerorts an ihre Grenzen. Schon bei vergleichsweise geringen Wassertiefen von 20 bis 25 Zentimetern kann die Weiterfahrt für Pkw und zahlreiche SUV kritisch werden. Besonders tückisch: Die tatsächliche Tiefe überfluteter Fahrbahnen ist oft nicht erkennbar.

Wiemann: „Bei unklarer Wassertiefe ist Umkehren die sicherste Entscheidung.“ Überflutete Straßen und Unterführungen sollten möglichst vermieden und stattdessen eine sichere Ausweichroute gewählt werden. Fließendes Wasser sollte grundsätzlich nicht durchfahren werden, da Hindernisse oder Fahrbahnschäden verborgen sein können. Ist Wasser in das Fahrzeug eingedrungen, den Motor abstellen, nicht erneut starten und professionelle Hilfe anfordern.
Hagel: „Fahrt kontrolliert fortsetzen“
Hagel tritt häufig in Verbindung mit Gewittern auf und kann die Sicht innerhalb kürzester Zeit stark einschränken. Die Hagelkörner treffen mit hoher Geschwindigkeit auf Windschutzscheibe und Karosserie. Eine der größten Gefahren entsteht jedoch durch unüberlegte Reaktionen im Straßenverkehr: Wer plötzlich stark bremst oder ohne geeigneten Platz anhält, erhöht das Risiko von Auffahrunfällen und gefährdet nachfolgende Verkehrsteilnehmende. Wiemann rät:
- Die Fahrt kontrolliert fortsetzen, jedoch nur, solange die Sichtverhältnisse eine sichere Weiterfahrt zulassen.
- Ist eine Weiterfahrt nicht sicher möglich, sollte das Fahrzeug an einem geeigneten Ort abgestellt werden, ohne andere Verkehrsteilnehmende zu gefährden oder zu behindern. Die Warnblinkanlage kann dabei zusätzliche Aufmerksamkeit schaffen.
- Um mögliche Hagelschäden zu vermeiden, sollte das Fahrzeug nach Möglichkeit unter einem festen Schutz wie einer Garage oder einem Carport untergestellt werden.

„Wetterextreme gehören inzwischen zum Sommer dazu – Schäden leider auch. Wer diese zeitnah dokumentiert und die Versicherung informiert, schafft eine gute Grundlage für die weitere Regulierung“, fasst Wiemann zusammen. Wer Klarheit über die Höhe eines Schadens und die notwendigen Reparaturen benötigt, kann ein neutrales Gutachten durch Sachverständige von Prüfgesellschaften wie TÜV NORD erstellen lassen.
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