Rekord an Autobahnen: So teuer waren Benzin und Diesel noch nie

So viel mussten Autofahrer in Deutschland noch in keinem Jahr in der Sommerreisewelle für Kraftstoff bezahlen: Der Durchschnittspreis für Super E10 beläuft sich nach Zahlen der Internetplattform Clever Tanken d...

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Rekord an Autobahnen: So teuer waren Benzin und Diesel noch nie

So viel mussten Autofahrer in Deutschland noch in keinem Jahr in der Sommerreisewelle für Kraftstoff bezahlen: Der Durchschnittspreis für Super E10 beläuft sich nach Zahlen der Internetplattform Clever Tanken derzeit auf 2,14 Euro, der für Diesel auf 2,19 Euro je Liter. An den Autobahnen werden nach Erhebungen des ADAC bis zu 48 Cent je Liter mehr für Super E10 und bis zu 50 Cent je Liter mehr für Diesel verlangt.

Teuerste Reisezeit jemals

„Mit Blick auf die Sommerreisezeit haben wir derzeit die höchsten jemals registrierten Benzinpreise“, bestätigte ein Sprecher des ADAC auf Anfrage. Der höchste Durchschnittspreis an einem Tag überhaupt wurde laut ADAC für Diesel in diesem Jahr am 7. April mit 2,447 Euro je Liter erreicht. Super E10 erreichte sein bis heute nicht übertroffenes Tagesallzeithoch am 14. März 2022 mit 2,203 Euro je Liter. In der Sommerreisezeit waren aber selbst im teuren Tankjahr 2022 die Spritpreise niedriger als jetzt.

An vielen Autobahntankstellen sieht man mittlerweile Kraftstoffpreise von mehr als 2,50 Euro je Liter. Die Schwankungen im Tagesablauf sind dabei überdurchschnittlich. Am Montag nach der mittäglichen Preiserhöhung zeigte das Internetportal Tankstellenpreise.de für eine Shell-Tankstelle an der Autobahn 96 bei Lech 2,819 Euro je Liter Diesel und für eine Esso-Tankstelle an der Autobahn 2 bei Hamm 2,779 Euro je Liter Super E10 an.

Die Marke von 2,50 Euro hat dabei gleichsam einen gewissen symbolischen Wert: In den Neunzigerjahren hatte es vonseiten der Grünen mal die Forderung gegeben, Benzin müsse aus Umweltgründen fünf D-Mark kosten – das wäre also etwa diese Größenordnung.

Preise jetzt ohne Tankrabatt

Offenbar kommen für die hohen Preise unterschiedliche Faktoren zusammen. Mit der Abschaffung des Tankrabatts in Deutschland Ende Juni hatten die Preise einen Sprung gemacht. Zudem schwankt der Rohölpreis mit der Entwicklung im Nahen Osten. Im Laufe des Julis war er deutlich angestiegen, auf zeitweise mehr als 100 Dollar je Barrel (Fass zu 159 Liter) für die Nordseesorte Brent. Nach dem Wochenende fiel er mit der Feuerpause in Iran auf rund 85 Dollar je Barrel. Das müsste eigentlich für etwas Entspannung bei den Benzinpreisen sorgen.

Es ist dabei ungewöhnlich, dass Diesel teurer ist als Super E10, obwohl für Dieselkraftstoff die Besteuerung geringer ist. Eine ähnliche Entwicklung gab es schon mal während des Ukrainekriegs. Der Unterschied wird unter anderem damit erklärt, dass Deutschland bei der Dieselversorgung stärker  unmittelbar von Importen abhängig ist und der Dieselpreis deshalb stärker auf geopolitische Entwicklungen reagiert. „Das hat sehr wesentlich damit zu tun, dass Deutschland etwa ein Drittel des Diesels importieren muss“, sagte Manuel Frondel, Energiefachmann des Instituts RWI in Essen: „Der Benzinbedarf hingegen kann vollständig durch heimische Raffinerien gedeckt werden.“

Inflation in Deutschland dürfte wieder steigen

Die hohen Kraftstoffpreise dürften auch die Inflation wieder befeuern. In Deutschland hatte insbesondere der Tankrabatt dafür gesorgt, dass im Mai und Juni die Inflationsrate künstlich gedrückt wurde. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte in der vergangenen Woche die Leitzinsen im Juli unverändert gelassen. Vieles dürfte nun aber für eine Zinserhöhung im September sprechen. „Die eingehenden Daten und die geopolitischen Entwicklungen müssten schon sehr überzeugend sein, damit ich ⁠mich im September nicht für eine weitere Anhebung ausspreche“, äußerte der slowakische Notenbankchef Peter Kažimír am Montag.

„Das Thema Inflation ist noch lange nicht durch“, warnte Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank. Der Preisabstand zwischen Ölprodukten wie Diesel oder Kerosin zum Rohölpreis werde noch länger ungewöhnlich hoch bleiben. Schließlich seien in der Golfregion und auch in Russland viele Raffinerien durch Kriegseinwirkungen beschädigt. Darüber hinaus planten Umfragen zufolge noch immer viele Unternehmen, die gestiegenen Energiekosten an ihre Kunden weiterzugeben. Nachdenklich stimme auch, dass die langfristigen Inflationserwartungen der Verbraucher in den vergangenen Monaten gestiegen seien. „Die EZB sollte ihre Leitzinsen auf jeden Fall nach der Sommerpause erhöhen“, meinte Krämer.

Auch die politische Debatte über Regelungen zur Begrenzung der Benzinpreise verstummt nicht. Der rheinland-pfälzische Minister für Justiz und Verbraucherschutz, Helmut Martin (CDU), warnte am Wochenende, mit dem Tankrabatt sei „Geld verbrannt“ worden, das solle man nicht wieder machen. Auch Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte einer Neuauflage des Tankrabatts eine klare Absage erteilt. Aus der SPD aber gab es zuletzt Stimmen, die eine gewisse Sympathie für einen Preisdeckel erkennen ließen. In Osteuropa hatten solche Preisdeckel in der Vergangenheit allerdings bisweilen für Schlangen an Tankstellen und für leer gelaufene Tankstellen gesorgt.

Nach dem Ranking des Automobilclubs von Deutschland für die europäischen Benzinpreise liegt Deutschland jetzt für Superkraftstoff auf Platz drei der teuersten Tankländer hinter Dänemark und den Niederlanden. Für Diesel liegt Deutschland auf dem fünften Platz hinter den Niederlanden, der Schweiz, Finnland und Dänemark. In der Zeit des Tankrabatts hatte Deutschland vorübergehend Plätze weiter hinten belegt.