Kasseler Illustrator Markus Lefrançois erhält Brüder-Grimm-Dozentur
Die Stadt Hanau zeichnet den Illustrator mit der alle zwei Jahre vergebenen Dozentur aus. Mit der Auszeichnung sind eine Ausstellung, ein Workshop und 2000 Euro Preisgeld verbunden.
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Stand: 22.07.2026, 06:00 Uhr
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Die Stadt Hanau zeichnet den Illustrator mit der alle zwei Jahre vergebenen Dozentur aus. Mit der Auszeichnung sind unter anderem eine Ausstellung, ein Kinder-Workshop und 2000 Euro Preisgeld verbunden.
Kassel – Große Ehre für einen Illustrator aus Kassel: Markus Lefrançois erhält die alle zwei Jahre vergebene Brüder-Grimm-Dozentur der Stadt Hanau. Gleichzeitig wird eine Werkschau von Lefrançois eröffnet, die bis Jahresende im Kulturforum zu sehen sein soll. Das Preisgeld beträgt 2000 Euro.

Mit der Dozentur verbunden sind ein Vortrag bei der Preisverleihung, ein Zeichenworkshop für Kinder und Jugendliche sowie eine Seminarbeteiligung an der Universität Frankfurt. Die Auszeichnung wird Oberbürgermeister Claus Kaminsky am Donnerstag, 17. September, 19.30 Uhr, überreichen.
Kirche unterwegs auf der Halbinsel Scheid
Die Halbinsel Scheid ist das Zentrum für Camping- und Urlauberseelsorge der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck am Edersee. Das Angebot ist zuletzt gewachsen: Ein neues Kirchengebäude oberhalb der Liegewiese, „Kirche am See“, auch „Cafédrale“ genannt, umfasst Gottesdienstraum, Cafébereich mit Terrasse und ist neuerdings Kircheneintrittsstelle. Einen Bibelgarten (in Kooperation mit der Stiftung Bibelgesellschaft Kurhessen-Waldeck) hat Propst i. R. Helmut Wöllenstein (Marburg) mit Paradies- und Kräutergarten, „Garten Gethsemane“ und „Himmelsleiter“ in ehrenamtlicher Arbeit gestaltet. Eine Kapelle des Lichts, „Chapel of Light“, ist auf dem Grundstück des Korbacher Architekten Christoph Hesse entstanden – Stahlwände öffnen sich zum „himmlischen Dreieck“. Zwischen Ostern und Erntedankfest gibt es ein buntes Programm, gerade für junge Familien. Adresse: Adamsfeld 15. Leiterin von „Kirche unterwegs“ ist Diakonin Ronja Wiese. Weitere Standorte an Diemelsee und Bärensee bei Bruchköbel. Infos: kunterwegs.de
Lefrançois, geboren 1980 und aufgewachsen in Seligenstadt, hat sein Studium der Visuellen Kommunikation an der Kasseler Kunsthochschule als Meisterschüler 2008 abgeschlossen. Als freiberuflicher Illustrator, Grafik-Designer und Dozent arbeitet der vierfache Vater mit Buchverlagen wie Reclam, Carus, Gerstenberg, Knesebeck, Insel oder Boje, mit Museen und Kunden etwa aus dem Tourismus zusammen. Gerade für seine Illustrationen der Grimmschen Kinder- und Hausmärchen ist der Mitbegründer des Verlags Rotopol bekannt.
„Seine Illustrationen sind farbig, nicht zu bunt, erst recht nicht schrill und nie kitschig“, so begründet die Stadt Hanau die Auszeichnung für Lefrançois. Er nutze seine bevorzugte Technik des Aquarells auf eine sehr grafische Art und Weise: „Alle Formen und Figuren bekommen eine dunkle Umrandung aus verdünnter Tusche, die sogenannte Outline, die zurecht Vorbilder aus unterschiedlichen Epochen vermuten lässt.“ Einerseits sei die Liebe für die bildhafte Sprache von Comics sichtbar, während in Bildkomposition, Farbgebung und Ornamentik die Nähe zu mittelalterlicher Buchmalerei und zum Jugendstil sowie zur grafischen Kunst um 1900 fassbar werde. Lefrançois lege stets viel Atmosphäre in seine Bilder, etwa indem er den Zauber der der Natur eigenen Stimmungen für Jahres- oder Tageszeiten auf die Erzählung übertrage: „Denkbar einfach und so wirkungsvoll.“ Lefrançois selbst betont: „Eine Illustration soll immer etwas mehr erzählen, als schon im Text steht, sonst ist sie nicht vonnöten.“
Ihm komme es auf Perspektivwechsel an, „denn auch in der Geschichte ist man den Figuren schließlich mal mehr und mal weniger nah, fühlt sich groß und stark oder klein und schmächtig.“ Viele Kinderbücher findet der Illustrator allzu weichgespült: „Die Bilder guter Bücher sollen einfach ehrlich sein, so wie das Leben.“
Lefrançois lehrte inzwischen selbst an der Kunsthochschule, er war Dozent auch an der Europäischen Kunstakademie Trier, gab Workshops für die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur. Er gehört der Jury für den renommierten Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis an und ist ganz frisch Mitglied bei der deutschen Vorauswahl („Nominating Body“) des Astrid Lindgren Memorial-Award, des weltweit wichtigsten Preises für Kinder- und Jugendliteratur.
Neuerdings ist er auch im Team der Kinderbuchtage des Literaturhauses Kassel aktiv. Bekannt ist auch Lefrançois‘ anschauliche Darstellung der Attraktionen zwischen Schloss Wilhelmshöhe und Herkules. Seinen Plan des Bergparks Wilhelmshöhe gibt es als Faltblatt und Poster.

Eine ebenso plastische Karte hat der Illustrator für die Halbinsel Scheid am Edersee angefertigt. Die Idee entstammte privater Initiative, wie Lefrançois erzählt. Peter Dietrich war über Jahrzehnte in der Urlauberseelsorge „Kirche unterwegs“ am Edersee tätig (siehe Kasten). Er brannte für das Konzept von Begegnungen auf Augenhöhe, für die „Theologie der Gastfreundschaft“, wie er gegenüber dem Medienhaus der Kirche Bilanz zog, und habe das große Glück gehabt, dass seine Begabungen und die kirchliche Aufgabe so gut zusammengepasst hätten. Als er voriges Jahr in den Ruhestand trat, hatte er das Gefühl, seinem Einsatzort, wo er so tolle Zeiten erlebt habe, etwas zurückgeben zu müssen. Also beauftragte er Lefrançois, den ihm gemeinsame Bekannte empfahlen, für die Karte. „Zwei bis drei Wochen habe ich komplett daran gearbeitet“, erzählt der Illustrator, „95 Prozent aller Gebäude und Straßen sind abgebildet“.
herrlefrancois.de
Grimm-Dozentur
Die Grimm-Dozentur geht auf eine Initiative der Akademie für Kinder- und Jugendliteratur und der Stadt Hanau zurück. Unterstützt wird der Preis vom Institut für Jugendbuchforschung der Goethe-Universität Frankfurt und von der Brüder-Grimm-Stiftung der Sparkasse Hanau. Bisherige Preisträger sind der aus Kassel stammende FAZ-Literaturredakteur Tilman Spreckelsen, Irene Wellershoff, Redaktionsleiterin des ZDF-Kinderprogramms, der Maler und Zeichner Sebastian Meschenmoser und Schriftsteller Rafik Schami.