Keine Angst vor Amok – Schulen im Landkreis gut gesichert

Der Amoklauf an einem Schongauer Gymnasium beherrschte in dieser Woche die Schlagzeilen – und er warf auch die Frage auf, wie Schulen im Landkreis Starnberg vorbereitet sind. Der Merkur hat nachgefragt.

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Keine Angst vor Amok – Schulen im Landkreis gut gesichert

Stand: 11.07.2026, 14:00 Uhr

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Ein Polizeifahrzeug und der Rettungsdienst stehen vor dem Welfen-Gymnasium. Nach einem Vorfall mit mehreren Verletzten und einer Festnahme an dem Gymnasium in Oberbayern deutet laut einem Polizeisprecher vieles auf eine Amoklage hin. (zu dpa: „Mehrere Verletzte an Gymnasium: Was wir wissen und was nicht“)

Ein Polizeifahrzeug und der Rettungsdienst stehen vor dem Welfen-Gymnasium in Schongau. Der Amoklauf eines 16-Jährigen hat in dieser Woche viele Menschen beschäftigt. © Lennart Preiss/dpa

Der Amoklauf an einem Schongauer Gymnasium beherrschte in dieser Woche die Schlagzeilen – und er warf auch die Frage auf, wie Schulen im Landkreis Starnberg vorbereitet sind. Der Merkur hat nachgefragt. Demnach sind Sicherheitskonzepte ausgearbeitet, Lehrer geschult und auch die Polizei probt regelmäßig den Ernstfall.

Landkreis – Es war eine Nachricht, die schockierte. Bei einem mutmaßlichen Amoklauf am Welfen-Gymnasium in Schongau verletzte ein 16-jähriger ehemaliger Schüler zwei 13-jährige Mädchen schwer. Nach dem Abfeuern eines Schusses vor der Schule ging er mit einem Messer auf Schülerinnen und Schüler los. Das Thema Amokgefahr ist auch im Kreis Starnberg präsent – zumindest präventiv. „In den letzten Jahren war im Landkreis keine ernst zu nehmende ‚lebensbedrohliche Einsatzlage‘ an Schulen zu verzeichnen“, schreibt das Polizeipräsidium Oberbayern Nord auf eine Anfrage des Starnberger Merkur. Dennoch treffen die Schulen Vorbereitungen. Und auch die Polizei probt den Ernstfall, wie bei einer Übung am Starnberger Landratsamt vor zwei Jahren.

Schulen haben eigene Sicherheitskonzepte

„Wir haben ein Sicherheitskonzept mit eigenen Beauftragten“, sagt Thomas Volz, Schulleiter des Gymnasiums Starnberg. Auch an anderen Schulen wie dem Otto-von-Taube-Gymnasium in Gauting, dem Christoph-Probst-Gymnasium in Gilching, der Realschule Gauting oder dem neuen Gymnasium in Herrsching gibt es Sicherheitskonzepte. „Wir haben uns dabei von der Polizei beraten lassen“, sagt Sabine Mertschat, stellvertretende Schulleiterin am CPG. „Alle Gefahrensituationen sind besprochen“, sagt Eva Weingandt, Schulleiterin am Herrschinger Gymnasium.

An keiner der Schulen wird der Umgang mit einem Amokalarm allerdings standardmäßig geübt. „Wir wollen Panik vermeiden“, sagt Volz. „Ein Amokalarm ist eine Ausnahmesituation mit vielen Variablen, so etwas kann nicht geprobt werden“, erklärt Reinhard Schlamp, Schulleiter der Gautinger Realschule.

Lehrer sind ausgebildet

Die Lehrkräfte kennen aber die Abläufe bei einem Amokalarm. „Die Lehrer aus unserem Kriseninterventionsteam sind einmal jährlich auf einer Fortbildung“, erklärt Alexander Schröder, Schulleiter des Gautinger Gymnasiums. Auch an den anderen Schulen werde regelmäßig über das Thema konferiert. Es werde außerdem regelmäßig überprüft, ob Änderungen an den Notfallplänen vorgenommen werden müssen, berichten die Schulleiter.

„Der Vorfall in Schongau ist ein Anlass zur Überprüfung der Maßnahmen.“

„Der Vorfall in Schongau ist ein Anlass zur Überprüfung der Maßnahmen“, sagt Thomas Volz. Allerdings gebe es keine Blaupause für den Umgang mit einer Amoksituation. Zu unterschiedlich sind die verschiedenen Szenarien. „Tendenziell verlassen Schüler bei einem Feueralarm geordnet und schnell das Gebäude“, erklärt Volz. „Bei einem Amokalarm wird sich stattdessen im Gebäude verschanzt und auf die Polizei gewartet.“ Das Starnberger Gymnasium profitiert dabei von dem seit einigen Jahren etablierten System mit verschlossenen Eingängen. „Eine schulfremde Person kommt kaum ins Schulgebäude“, sagt Volz. Der Einlass an den versperrten Türen wird per Kamera gesteuert. Geöffnet wird nur, wenn das Gesicht erkennbar ist.

Polizei trainiert regelmäßig

Die Polizeiinspektionen sind auf mögliche Ausnahmesituationen vorbereitet und trainieren diese im Rahmen von Einsatztrainings regelmäßig. „Die regionalen Polizeiinspektionen verfügen außerdem über Planunterlagen mit Informationen zu den Schuleinrichtungen“, schreibt das Präsidium. Bei einem ausgelösten Alarm sei die oberste Priorität der zuständigen Polizei, den Täter daran zu hindern, weitere Menschen anzugreifen. Dabei werden die Inspektionen in der Regel von Spezialeinheiten der Polizei unterstützt.

Der Amokalarm unterscheidet sich vom Feueralarm in der Regel im Ton. Hinzu kommt meist eine vorher eingesprochene Klartextdurchsage mit Informationen und Handlungsanweisungen. Wie es nach einem ausgelösten Alarm weitergeht, ist jedoch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. „Wir wollen potenziellen Tätern keine Anleitung geben“, erklärt Eva Weingandt.

Seit dem Amoklauf in einer Erfurter Schule 2002, als ein Schüler 16 Menschen erschoss, gibt es bundesweite Vorgaben und Empfehlungen zum Umgang mit Amok. „Nach dem Amoklauf in Ansbach 2009 gab es noch einmal Neuregelungen“, erklärt Alexander Schröder. Der Gautinger Schulleiter erfuhr von dem Unglück in Schongau erst aus den Nachrichten. Bereits am Donnerstag boten einige Lehrer seines Kollegiums Besprechungsstunden für die Schüler an. „Jeder soll sich sicher fühlen“, sagt er.

Die Schulen im Landkreis haben mittlerweile Teams aus Schulsanitätern. „Bei uns ist es ein Wahlkurs mit festem Einsatzplan“, erzählt Eva Weingandt. Die Sanitäter sind in Erster Hilfe ausgebildet und können – wie am Gymnasium Schongau – in Notsituationen bei der medizinischen Erstversorgung helfen.