Korbach: Abfallsatzung neu – Gebühren steigen, Kalender entfällt
StartseiteLokalesFrankenbergKorbachStand: 01.09.2026, 08:00 UhrKommentareUns auf Google folgenNicht mehr gern gesehen: Wer die Tonne künftig überlädt, riskiert ein Bußgeld. Diese Handhabe hatte die Stadtverwalt...
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Stand: 01.09.2026, 08:00 Uhr
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Korbach überarbeitet erstmals seit 15 Jahren seine Abfallsatzung: Zusatzsäcke, Sonderleerungen und der Hol- und Bringservice werden teurer, der gedruckte Abfallkalender fällt weg, und Grünschnitt muss künftig bestellt werden.
Korbach – Korbach schreibt seine Abfallsatzung neu. Zum ersten Mal seit 15 Jahren. Die letzte Änderung stammt aus dem Jahr 2011. Der Magistrat hat den Entwurf vorgelegt, die beiden Korbacher Ausschüsse und das Parlament stimmten für die Anpassung. Dissens gab es zunächst darum, ob die Stadt künftig überhaupt noch Strauchschnitt abholen soll; die CDU hätte den Passus am liebsten gestrichen. Die SPD wiederum empfand eine neu eingeführte Nachweispflicht bei Inkontinenz als entwürdigend. Beide setzten sich nicht durch.
Auf den ersten Blick liest sich die Vorlage wie eine Gebührenerhöhung auf breiter Front: Zusatzsäcke plus 33 Prozent, Sonderleerungen im Gewerbe teils plus 70 Prozent, Hol- und Bringservice plus 20 Prozent. Aber: Der Hol- und Bringservice kostet seit seiner Einführung im Jahr 2002 unverändert 40 Cent für die Mülltonne und 76 Cent für den Großraumbehälter, jeweils für die ersten fünf Meter.
In diesen 24 Jahren hat sich das allgemeine Preisniveau in Deutschland um rund 80 Prozent erhöht, macht einen Kaufkraftverlust von etwa 45 Prozent. Um diesen Wertverlust auszugleichen, müsste die Tonnengebühr heute bei rund 72 Cent liegen, die für den Großraumbehälter bei rund 1,37 Euro. Die Stadt schlägt vor: 48 Cent und 88 Cent.
Auch neue Preise decken Kosten nicht
Damit bleibt der Service auch nach der Erhöhung real günstiger als 2002 – um etwa ein Drittel. Die Stadt hat über zwei Jahrzehnte einen wachsenden Zuschuss zu diesem Service gezahlt und korrigiert davon jetzt nur einen Teil. Abzusehen war bereits, dass es nicht noch einmal 24 Jahre dauern wird bis zur nächsten Anpassung: Bei den Restmüll- und Biomüllsäcken räumt die Vorlage ein, dass auch die neuen Preise die Kosten nicht decken.
Kämmerer Andreas Sinsch begründete die Neufassung im Bauausschuss vor allem organisatorisch, nicht fiskalisch: Man müsse die Struktur ohnehin neu regeln, weil sich rechtliche und praktische Voraussetzungen geändert hätten. Ein konkretes Beispiel: Rückwärtsfahrten der Müllfahrzeuge in Straßen sind aus Unfallverhütungsgründen inzwischen nicht mehr erlaubt – ein Grund für mehrere organisatorische Anpassungen. Dazu kommt die rechtliche Nachpflege: Das Kreislaufwirtschaftsgesetz des Bundes und die hessischen Ausführungsvorschriften haben sich seit 2011 mehrfach geändert. Und die Stadt hat in der Zwischenzeit ein Bringsystem eingeführt, das bislang gar nicht in der Satzung stand.
Bislang bekam jeder Haushalt und jeder Gewerbebetrieb in Korbach den Abfallkalender gedruckt zugeschickt. Das entfällt. Die Stadt begründet den Schritt mit den Kosten: Druck und Verteilung schlugen 2026 mit 5173,47 Euro zu Buche, dazu kommen weitere Kosten für Nachverteilung bei Beschwerden. 855 Kilogramm Papier wurden dafür verbraucht.
Künftig gibt es die Abfuhrtermine nur noch online. Sinsch verwies im Bauausschuss auf zwei Alternativen: Der Kalender liegt weiterhin ausgedruckt in der Korbach-Information und im Rathaus aus, und die Lobbe-App soll das Suchen nach Terminen ohnehin überflüssig machen.
Die zweite große Umstellung betrifft die Abfuhr von Baum- und Strauchschnitt. Bisher gab es zweimal im Jahr eine Straßensammlung mit festen, öffentlich bekanntgegebenen Terminen. Das fällt weg. Stattdessen müssen Bürger ihre Abholung künftig online buchen – ähnlich wie beim Sperrmüll, der das System schon seit Jahrzehnten nutzt.
Der Grund: Vor zehn Jahren sammelte die Stadt noch durchschnittlich 137 Tonnen Grünschnitt pro Jahr ein. Für 2026 rechnet die Verwaltung nur noch mit höchstens 13 Tonnen. Die Straßensammlung lohnt sich für diese Menge nicht mehr. Die Stadt spart dadurch beim Bauhof: Die Einsatzstunden sinken von bisher 85 auf künftig maximal 35 Stunden im Jahr, die Kosten von rund 16.500 Euro auf etwa 5000 Euro.
Einsparungen nennt die Vorlage bei zwei Positionen: rund 11.500 Euro jährlich durch die Umstellung der Grünschnittabfuhr, sowie rund 5200 Euro durch den Wegfall des gedruckten Kalenders. Zusammen macht das schätzungsweise 16.000 bis 17.000 Euro im Jahr.
Im Bauausschuss wollte Tim Kieweg (CDU) noch weiter gehen und die Abholung ganz streichen. Kämmerer Sinsch widersprach: Die Stadt wolle die Abholmöglichkeit bewusst erhalten, gerade für ältere Menschen ohne Auto. Bürgermeister Stefan Kieweg ergänzte im Hauptausschuss ein zweites Argument: Die Ortsteile lägen teils weit entfernt, ein kompletter Wegfall berge das Risiko wilder Müllablagerungen. Das Abrufsystem fange das ab und senke gleichzeitig deutlich die Kosten.
Berechtigungskarte: Zukunft noch offen
Eine Übergangsfrist gibt es: Die nächste reguläre Abfuhr läuft laut Sinsch noch nach altem System, erst danach greift die Umstellung auf Anmeldung. Offen blieb die Frage von Heinz Langerzik (CDU) nach der bestehenden Berechtigungskarte für die Abgabestelle an der Frankenberger Landstraße: Ob sie bleibt oder ersetzt wird, konnte Sinsch noch nicht beantworten.
Die reguläre Müllabfuhr im festen Rhythmus wird durch diese Satzung nicht teurer – die Grundgebühr bleibt vorerst unverändert, weil noch eine Rücklage abgebaut wird. Teurer wird es erst bei Zusatzleistungen.
Ein Restmüll- oder Biomüllsack kostet künftig 4,00 Euro statt bisher 3,00 Euro – ein Plus von einem Drittel. Die Stadt begründet das mit gestiegenen Entsorgungskosten in Flechtdorf (plus 40,63 Prozent bei Restmüll seit 2011) und gestiegenen Personalkosten beim Bauhof (plus 49,60 Prozent seit 2011). Selbst mit der Erhöhung, räumt die Verwaltung im Text ein, seien die Preise noch immer nicht kostendeckend.
Wer den Hol- und Bringservice nutzt – etwa weil er seine Tonne nicht selbst zum Fahrzeug bringen kann –, zahlt für die ersten fünf Meter künftig 0,48 statt 0,40 Euro, für jeden weiteren Fünf-Meter-Abschnitt 0,64 statt 0,54 Euro. Bei 15 Metern Wegstrecke und wöchentlicher Leerung macht das im Jahr rund 15 Euro mehr – nominal spürbar, real aber unter dem Niveau von 2002.
Wer seinen Garten selbst kompostiert und sich deshalb bislang von der Biotonne befreien lassen konnte, braucht künftig mehr Fläche: 50 statt bisher 25 Quadratmeter pro Person im Haushalt. Bei einer vierköpfigen Familie heißt das: 200 statt 100 Quadratmeter Garten. Wer dazwischen liegt, verliert die Befreiung.
Die Stadt beruft sich auf Empfehlungen des Umweltbundesamts, das 50 bis 70 Quadratmeter je Haushaltsmitglied für nötig hält, um eine Überdüngung des Gartenbodens zu vermeiden.
Verwaltungsgebühr je Leerung
Am deutlichsten trifft es Betriebe mit Sonderleerungen ihrer 1,1-Kubikmeter-Container – etwa wenn sie flexibel statt im festen Rhythmus leeren lassen. Die reine Leerungsgebühr für Restmüll steigt moderat, von 54,67 auf 57,04 Euro (plus 4,3 Prozent). Neu hinzu kommt aber eine Verwaltungsgebühr von 16,00 Euro pro Sonderleerung. In Summe steigt die Sonderleerung damit von 54,67 auf 73,04 Euro. Bei Altpapier ist der Sprung noch größer: von 25,56 auf 43,92 Euro, ein Plus von 72 Prozent.
Neue Tatbestände in der Satzung
Die Bereitstellungszeit für Sperrmüll, Elektrogeräte und Grünschnitt wird um eine Stunde vorgezogen, auf 6 statt 7 Uhr. Wer Sperrmüll zu früh rausstellt oder eine Tonne so überfüllt, dass der Deckel nicht mehr schließt, riskiert künftig ein Bußgeld – beides sind neue Tatbestände in der Satzung. Der Bußgeldrahmen selbst wird an die aktuellen Sätze des Ordnungswidrigkeitengesetzes angepasst und liegt künftig grundsätzlich zwischen 5,00 und 1000 Euro. Wer beim Ummelden von Bewohnern – etwa nach einem Auszug – die Drei-Wochen-Frist versäumt, muss ebenfalls mit einer neuen Verwaltungsgebühr rechnen.