Kriminalität in Freibädern: „Achtung, Taschendiebe im Trierer Südbad!“ – doch stimmt das wirklich?

Diebstahlwarnungen per Lautsprecher verunsichern Badegäste im Trierer Südbad. Dabei verzeichnet die Polizei kaum noch Zwischenfälle. Woran das liegt und wann es tatsächlich gefährlich war.

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Kriminalität in Freibädern: „Achtung, Taschendiebe im Trierer Südbad!“ – doch stimmt das wirklich?

Kriminalität in Freibädern „Achtung, Taschendiebe im Trierer Südbad!“ – doch stimmt das wirklich?

Trier · Diebstahlwarnungen per Lautsprecher verunsichern Badegäste im Trierer Südbad. Dabei verzeichnet die Polizei kaum noch Zwischenfälle. Woran das liegt und wann es tatsächlich gefährlich war.

05.08.2026 , 08:56 Uhr

Ungetrübter Badespaß: Im Trierer Südbad ist es gar nicht so gefährlich, wie mancher denkt.

Foto: Andreas Sommer

„Vor Taschendieben wird gewarnt! Lassen Sie Ihre Wertgegenstände nicht unbeobachtet. Vor Taschendieben wird gewarnt!“: So schallt es im Trierer Südbad täglich mehrfach durch die Lautsprecheranlage. Manche Badegäste trauen sich ob der verkündeten Gefahr kaum, ihren Platz zu verlassen.

Wer regelmäßig im Südbad ist, kennt das Bild: Auf der Liegewiese bilden Handtücher, die über Taschen und Rucksäcke ausgebreitet wurden, um diese vor Zugriff zu schützen, bunte Buckel. Neulich lag neben mir im knapp bemessenen Schatten ein Paar, um die 40 vielleicht, das sich nicht gemeinsam ins Becken traute. „Dann geh du jetzt schwimmen, und ich bleib bei unseren Sachen, und ich geh danach“, sagte der Mann zu der Frau.

„Könnten Sie einen Blick auf meine Tasche haben, dann würde ich kurz schwimmen gehen?“, fragte mich wenig später eine Liege-Nachbarin auf der anderen Seite, die alleine da war.

Diebe im Südbad? „Da haste aber Glück gehabt!“

Ein paar Meter weiter schimpfte kurze Zeit später ein Vater mit seinem jugendlichen Sohn: „Da haste aber Glück gehabt, dass dein Handy noch da ist – wenn du das hier rumliegen lässt, darfste dich nicht wundern!“

Drei Gespräche im Umkreis von etwa zehn Metern und binnen etwa einer Stunde: Offenbar geht im Südbad die Angst um, jederzeit Opfer eines Diebstahls werden zu können. Aber ist es da wirklich so gefährlich, wie mancher offenbar denkt? Laufen tatsächlich Diebe über die Liegewiesen, um auf einen unbeobachteten Moment zu warten, um Schwimmbadtaschen nach Geldbeuteln und Handys zu durchwühlen?

Nein. Zumindest nicht laut Polizei. „Wir können zumindest für diesen Sommer wirklich sagen, dass Diebstähle sowohl im Süd-, als auch im Nordbad gar kein Problemfeld darstellen“, betont Matthias Emmerich, Chef der Trierer Polizeiinspektion, auf Volksfreund-Nachfrage. Lediglich ein einziger Diebstahl sei in dieser Freibadsaison bislang zur Anzeige gebracht worden. „Im Südbad, allerdings nicht auf der Liegewiese, sondern in beziehungsweise aus einer Umkleidekabine“, berichtet Emmerich.

Und was ist mit Schlägereien, Belästigungen und sonstigen Straftaten, die insbesondere in den Jahren 2022 bis 2024 Freibäder bundesweit in die Schlagzeilen brachten? „Auch da gibt es in diesem Jahr in Trier keine Auffälligkeiten“, betont Polizeichef Emmerich.

Polizei gibt Entwarnung: Nur ein Diebstahl, kaum Einsätze

Dass es in Freizeiteinrichtungen mit bis zu 3.000 Besuchern am Tag hin und wieder zu Zwischenfällen komme, sei Alltag. Die Zahl der diesjährigen Polizeieinsätze in Nord- und Südbad lässt sich allerdings an einer Hand abzählen – und das teilweise wegen Lappalien.

Südbad Am 30. Mai wollten sich offenbar zwei 14-Jährige in der Schlange an der Kasse vordrängeln. Eine 43-jährige Frau ließ sich das nicht gefallen. „Es gab dann offenbar eine kleine Auseinandersetzung, während der einer der 14-Jährigen mit der flachen Hand die Frau auf den Arm schlug“, berichtet Emmerich. Am 26. Juni gerieten im Südbad etwa zehn Jugendliche zwischen 13 und 16 Jahren in Streit, bei dem es auch zu Handgreiflichkeiten kam. „Verletzt wurde allerdings niemand, wahrscheinlich war der Rangelei vorab ein Streit in der Schule vorausgegangen“, berichtet Emmerich.

Nordbad Am 20. Juni riefen Schwimmbadgäste die Polizei. Sie fühlten sich unwohl, weil ein Badegast am Rand des Schwimmerbeckens Fotos machte. Polizeichef Emmerich: „Wir haben den 34-jährigen Mann daraufhin kontrolliert, aber nichts Strafbares festgestellt.“

Am 26. Juni wurde die Polizei ins Nordbad gerufen, weil zwei Mütter in Streit geraten waren, in dessen Verlauf die 35-Jährige ihrer 40-jährigen Kontrahentin offenbar einen leichten Schlag versetzte. „Die Angegriffene gab an, Schmerzen zu haben, eine Verletzung wurde allerdings nicht festgestellt“, berichtet Polizeichef Emmerich. Der Handgreiflichkeit zwischen den beiden Müttern vorausgegangen war übrigens laut Polizeibericht ein Streit ihrer Kinder – beide drei Jahre alt, Motiv: unbekannt.

Am 27. Juni rückte die Polizei erneut ins Nordbad aus, diesmal wegen eines angeblich randalierenden Jugendlichen. Aber auch da habe es laut Emmerich keinen größeren Handlungsbedarf gegeben.

Südbad und Nordbad: Ruhige Freibadsaison 2026

Die Trierer Stadtwerke, deren Bädergesellschaft alle drei öffentlichen Schwimmbäder der Stadt betreibt, bestätigen den Eindruck der Polizei: „Tatsächlich verzeichnen wir in diesem Jahr im Vergleich zu den Vorjahren deutlich weniger Auffälligkeiten im regulären Badebetrieb“, erklärt SWT-Pressesprecher Carsten Grasmück auf Volksfreund-Nachfrage.

Sprunghaft angestiegen war die Zahl der Zwischenfälle im Sommer 2022, nach den Corona-Jahren. Die Stadtwerke reagierten und setzen seitdem zusätzliches Sicherheitspersonal ein, auch im aktuellen Sommer. „Im Südbad und im Bad an den Kaiserthermen“, sagt Grasmück. Ein Eingreifen der Sicherheitskräfte sei bislang jedoch „nur selten erforderlich“ gewesen. „Insgesamt erleben wir die diesjährige Freibadsaison bislang als deutlich ruhiger und entspannter“, berichtet Grasmück.

Und warum ist das so? „Auf einen einzigen Faktor zurückführen lässt sich das nicht“, sagt Grasmück, „aus unserer Sicht tragen das bewährte Sicherheitskonzept, die Präsenz der Sicherheitskräfte sowie die gute Zusammenarbeit mit den Behörden zu einem geordneten Badebetrieb bei.“ Die „Achtung, Taschendiebe“-Lautsprecherdurchsagen – auch, wenn die Zahlen eine sehr geringe Gefahr belegen – gehören zu diesem Präventionskonzept.

Polizeichef Emmerich führt die Beruhigung der Lage auch auf die Präsenz zurück, die die Polizei in den Vorjahren regelmäßig vor Ort im Schwimmbad gezeigt habe. „Dass wir da regelmäßig im Schwimmbad Streife gegangen sind – das dürfte durchaus einen präventiven Effekt gehabt haben, der sich nun eben auswirkt“, meint Emmerich.

Lange Schlange, gefährliche Hitze: Rettungskräfte im Einsatz

Einmal wurde es in diesem Sommer allerdings doch heikel und gefährlich für Besucher des Südbads: Am 21. Juni war vor der Kasse eine lange Schlange bis raus auf die asphaltierte Parkplatzfläche entstanden. Überfüllt war das Bad nicht – die Schlange hatte sich lediglich gebildet, weil die Bezahlvorgänge an der Kasse so lange dauerten. Bis zu 100 Badegäste standen schließlich bis zu einer Dreiviertelstunde in der sengenden Sonne. Sechs Menschen kollabierten, einer erlitt einen so starken Hitzeschaden, dass er zügig in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Mehrere Rettungsdienste, die Polizei und die Feuerwehr waren vor Ort.

Damit nicht nur Diebstähle zurückgehen, sondern auch solche lebensgefährlichen Situationen nicht mehr vorkommen, haben die SWT auch hier mit Präventionsmaßnahmen reagiert und mehrere große Sonnenschirme im Wartebereich aufgestellt.