Nach turbulenten Zeiten: Trump und Selenskyj nähern sich an – Patriot-Lizenzen und neue Russland-Sanktionen im Paket

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Nach turbulenten Zeiten: Trump und Selenskyj nähern sich an – Patriot-Lizenzen und neue Russland-Sanktionen im Paket

Kurswechsel zur Ukraine: „Trump glaubte früher, Russlands Sieg sei unvermeidlich“

Stand: 30.07.2026, 18:44 Uhr

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US-Diplomat Daniel Fried erklärt Trumps Kurswechsel zur Ukraine – und was hinter dem Treffen mit Selenskyj im Weißen Haus wirklich steckt.

Washington, D.C./Kiew – Das Verhältnis zwischen US-Präsident Donald Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj war lange angespannt. Doch in den vergangenen Wochen äußerte sich Trump zunehmend wohlwollend gegenüber der Ukraine. Der frühere US-Diplomat Daniel Fried sieht in dem Treffen zwischen den beiden Staatschefs im Weißen Haus am Dienstag mehr als nur einen diplomatischen Stimmungswandel.

Wolodymyr Selenskyj und Donald Trump

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und US-Präsident Donald Trump haben ein Verhältnis mit Höhen und Tiefen. (Archivbild) © Ukraine Presidency/Ukrainian Pre/Planet Pix via ZUMA Press Wire/dpa

Für Fried, ehemaliger stellvertretender US-Außenminister für europäische und eurasische Angelegenheiten, spiegelt Trumps zunehmend konstruktive Haltung gegenüber der Ukraine eine grundlegende Neubewertung des Kriegsverlaufs wider. „Trump glaubte früher, Russlands Sieg sei unvermeidlich. Viele Menschen teilten diese Ansicht“, sagte Fried der Kyiv Post. Diese Einschätzung habe sich gewandelt – „vor allem aufgrund der ukrainischen Erfolge.“

Trump und Selenskyj: US-Präsident mit Kehrtwende bei der Ukraine-Politik

Fried beschrieb das Treffen als deutliche Verbesserung gegenüber dem turbulenten Oval-Office-Aufeinandertreffen vom 28. Februar 2025. Die Gespräche seien diesmal sachlich und auf praktische Zusammenarbeit ausgerichtet gewesen. „Diesmal war Präsident Trump daran interessiert, mit Selenskyj zusammenzuarbeiten, mit der Ukraine zusammenzuarbeiten“, sagte Fried. „Und ich glaube, es war ein gutes Treffen.“

Ein weiteres Zeichen der Annäherung zwischen der Ukraine und den USA: US-Präsident Donald Trump soll laut ukrainischem Präsidenten Wolodymyr Selenskyj der Ukraine die vielfach geforderten Lizenzen zur Herstellung von Patriot-Abfangraketen zugesichert haben. „Er hat zugesagt, uns die Lizenzen zu erteilen“, sagte Selenskyj im Interview des Fox-News-Moderators Sean Hannity. Er hofft dadurch, die Produktion der dringend benötigten Abwehrraketen selbst schneller steigern zu können.

Stunden zuvor hatte Selenskyj sich noch vorsichtiger ausgedrückt. Bei dem Treffen im Weißen Haus hätten er und Trump über die Luftabwehr des von Russland angegriffenen Landes gesprochen. Es sei um eine Stärkung der ukrainischen Flugabwehr gegen russische Raketenangriffe gegangen, teilte Selenskyj auf der Plattform X mit. „Der Präsident und ich haben über Lizenzen zur Herstellung von Patriot-Abfangraketen gesprochen und andere Dinge, die helfen können“, schrieb er.

Erfolg für die Ukraine im US-Senat: Neue Sanktionen gegen Russland könnten kommen

Parallel zum Treffen im Weißen Haus stimmte der US-Senat mit 86 zu 12 Stimmen für die Weiterbehandlung eines Sanktionsgesetzes, das den wirtschaftlichen Druck auf Russland deutlich erhöhen soll. Das Gesetz, das ursprünglich vom verstorbenen republikanischen Senator Lindsey Graham gemeinsam mit dem demokratischen Senator Richard Blumenthal eingebracht worden war, würde Sanktionen ausweiten und Trump die Befugnis einräumen, Zölle von bis zu 100 Prozent auf Länder zu erheben, die weiterhin russische Energie in großem Umfang beziehen. Fried zufolge trug Selenskyjs direktes Gespräch mit US-Senatoren maßgeblich zu dem Ergebnis bei: „Dieses Treffen mit den Senatoren trug dazu bei, dass eine Reihe von Stimmen von ‚Nein‘ zu ‚Ja‘ gewechselt wurden.“

Das breite parteiübergreifende Votum wertet Fried als Zeichen stabiler Unterstützung für Kiew – aber auch mit Blick auf die Midterm-Wahlen im November. „Die Abstimmung im Senat hat gezeigt, dass es eine starke parteiübergreifende Unterstützung für die Ukraine gibt, auch wenn der Gesetzentwurf seine Mängel hat“, sagte er. Er rechne nicht damit, dass die Wahlen diese Unterstützung grundlegend erschüttern werden.

Als weiteres Signal der Annäherung gilt die geplante Reise von Trumps Sondergesandtem Steve Witkoff und Schwiegersohn Jared Kushner nach Kiew – ihr erster Besuch in der Ukraine, nachdem sie bislang vorwiegend Kontakt mit Moskau gehalten hatten, wie die Financial Times berichtet. Für Fried reiht sich das in ein Muster ein, das auf eine zunehmend pragmatische Partnerschaft hindeutet. (Quelle: Kyiv Post, Financial Times, dpa) (sischr)