Landrat und Bürgermeisterin ohne Gegenkandidaten: Wie funktioniert da Wahlkampf?

Marco Prietz und Ulrike Jungemann treten am 13. September als einzige Kandidaten an. Sie gelten als gewählt, wenn die Ja-Stimmen überwiegen und mindestens 25 Prozent der Wahlberechtigten für sie stimmen.

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Landrat und Bürgermeisterin ohne Gegenkandidaten: Wie funktioniert da Wahlkampf?

Stand: 20.07.2026, 06:30 Uhr

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Rotenburgs Landrat Marco Prietz (CDU) und Scheeßels Bürgermeisterin Ulrike Jungemann (CDU)

Die Wahl entschieden? Rotenburgs Landrat Marco Prietz (CDU, l.) und Scheeßels Bürgermeisterin Ulrike Jungemann (CDU) haben am 13. September keine Gegenkandidaten für ihre Wiederwahl. © Tobias Koch

Marco Prietz und Ulrike Jungemann treten am 13. September als einzige Kandidaten an. Sie gelten als gewählt, wenn die Ja-Stimmen überwiegen und mindestens 25 Prozent der Wahlberechtigten für sie stimmen. Ist das gut für die Demokratie?

Rotenburg/Scheeßel – Demokratie basiert auf Wahlen. Aber was ist, wenn es gar keine Wahl gibt? Bei der Frage, wer künftig im Kreishaus und im Scheeßeler Rathaus das Sagen hat, drängt sich diese Frage auf. Weder Landrat Marco Prietz noch seine CDU-Parteikollegin und Bürgermeisterin in der Beeke-Gemeinde Ulrike Jungemann werden am 13. September bei der Kommunalwahl Gegenkandidaten haben. Während es im Altkreis im Rennen um die Chefsessel der Rathäuser Duelle wie in Sottrum, Dreikämpfe wie in Rotenburg oder gar Vierkämpfe wie in Fintel gibt, werden die Wähler fürs Landratsamt und in Scheeßel nur eine Möglichkeit haben, abzustimmen: Ja oder Nein.

Prietz und Jungemann gelten wie alle Einzelbewerber nach dem Niedersächsischen Kommunalwahlgesetz als gewählt, wenn die Ja-Stimmen die Nein-Stimmen überwiegen und zugleich mindestens 25 Prozent der Wahlberechtigten für sie stimmen. Erreicht der Einzelkandidat das nicht, ist er nicht gewählt; das Amt bliebe vorerst unbesetzt und das Wahlverfahren müsste wiederholt werden. Realistisch ist das aber wohl nicht. Prietz genießt ein hohes überparteiliches Ansehen, wohl auch in der Bevölkerung, für Ulrike Jungemann gilt das Gleiche, sie kennt zudem das Prozedere. Schon 2021 stand sie als Nachfolgerin von Käthe Dittmer-Scheele alleine auf dem Wahlzettel. Ihr Ergebnis zur Premiere: 77,8 Prozent.

Jungemann betont, dass die Wahl auch bei nur einer Kandidatin fürs Bürgermeisteramt demokratisch sei. „Denn die Möglichkeit, einen Kandidaten aufzustellen, hätte jede Partei oder jede einzelne Person, die hätte kandidieren wollen, gehabt.“ Zudem habe jede Bürgerin und jeder Bürger die freie Wahl, am 13. September für oder gegen sie zu stimmen. Bei Prietz klingt es ganz genau so. Zwar komme es in Niedersachsen selten vor, dass es nur einen Kandidaten gibt, aber: „Demokratisch bleibt die Wahl natürlich trotzdem. Zum einen hatten alle Bürgerinnen und Bürger ausreichend Gelegenheit, selbst eine Kandidatur anzumelden. Zum anderen kann man am 13. September ja auch gegen mich stimmen, wenn man mit meiner Arbeit als Landrat unzufrieden ist.“

Ich denke, dass die Parteien und Wählergemeinschaften auf einen Gegenkandidaten verzichtet haben, weil sie mit meiner bisherigen Arbeit zufrieden sind.

Prietz führt die ausbleibende Konkurrenz auf Zustimmung zu seiner Arbeit zurück. „Ich übe mein Amt trotz der Mitgliedschaft in der CDU überparteilich und unabhängig aus“, sagt der Landrat. Er betont den respektvollen Umgang mit Kreistagsabgeordneten sowie Bürgerinnen und Bürgern. Entscheidungen seien stets sachorientiert. Ein Hinweis auf breite Unterstützung sei der Haushalt, den der Kreistag in den vergangenen fünf Jahren jeweils einstimmig beschlossen habe. 2021 bei seiner ersten Wahl als Nachfolger von Hermann Luttmann hatte Prietz noch zwei Gegenkandidaten. Allerdings war von Beginn an klar, dass diese mehr oder weniger chancenlos sind. Nachdem sich der Kandidat von SPD und Grünen, Volker Harling, gut zwei Monate vor der Wahl aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen hatte, ließen sich kurzfristig noch Stefan Klingbeil (Linke) und Gabriele Hornhardt für die „Bürgerliste Kirchwalsede – Deine Meinung zählt!“ aufstellen. Hauptbegründung: Damit es eine echte Wahl gibt. Nun aber hatten die anderen Kreistagsparteien schon frühzeitig verkündet, niemanden gegen Prietz aufstellen zu wollen. Auch von außerhalb kam kein Name – wie bei Jungemann. Die Befürchtungen, dass die AfD noch Kandidaten hervorzaubert, verpufften.

Jungemann verweist indes aus Scheeßeler Sicht auf den Rückhalt in der Kommunalpolitik. Große Projekte seien gemeinsam mit den Ratsmitgliedern auf den Weg gebracht worden. „Das zeigt mir, dass man mir sowie meinen Kolleginnen und Kollegen im Rathaus vertraut“, erklärt die Bürgermeisterin. Viele Beschlüsse seien einstimmig gefallen.

Wenn die Parteien und die Bevölkerung der Gemeinde unsere Arbeit schätzen und mit mir als Bürgermeisterin zufrieden sind, ist es nicht erforderlich, einen Gegenkandidaten oder eine Gegenkandidatin aufzustellen.

Der Wahlkampf verläuft also in beiden Fällen ohne direkten Wettbewerb. Prietz setzt auf Präsenz bei Terminen und Gespräche vor Ort. Sein Kalender sei durch dienstliche Verpflichtungen stark ausgelastet. Ergänzend nehme er an Parteiveranstaltungen teil. Themen, die häufig angesprochen würden, seien die wirtschaftliche Lage, die Gesundheitsversorgung und die innere Sicherheit. Für den Kreistag habe er sich als Zugpferd zum Stimmenfang der CDU nicht aufstellen lassen, das wäre nicht ehrlich gewesen, sagt er. Natürlich gebe es ein paar Flyer und eine Website zum Wahlkampf. „Es wird zudem auch einige Großflächenplakate geben“, sagt Prietz. Aber auf tausende Laternenplakate im ganzen Kreisgebiet verzichte er anders als 2021.

Jungemann setzt ebenfalls auf persönliche Nähe. Neben Bürgersprechstunden wolle sie Informationen direkt an die Bevölkerung verteilen. Ihr Terminkalender sei gut gefüllt. Sichtbar seien derzeit mehrere Projekte in der Gemeinde. Dazu zählen die Erschließung eines Gewerbeparks, die Sanierung der Sporthalle der Beeke-Schule sowie laufende Kanalarbeiten.

Beide Amtsinhaber setzen auf ihre bisherige Arbeit als Maßstab. Prietz verweist auf seine erste Wahl im Jahr 2021 mit 60,4 Prozent der Stimmen. Er wolle möglichst viele Wähler überzeugen, ohne seine Positionen zu verändern. Er hoffe auf eine noch höhere prozentuale Zustimmung als 2021. Jungemann äußert den Wunsch nach hoher Wahlbeteiligung und Unterstützung für ihre Arbeit. Ein konkretes Ziel außer der Wiederwahl nennt sie nicht. Aber sie hoffe auch auf engagierte Ratsmitglieder und Ortsräte für die kommende Amtszeit.