Lebensmittel teurer machen, Ärmere entlasten: Top-Ökonom Fuest macht heiklen Steuer-Vorschlag
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„Lebensmittel würden sich verteuern“: Ifo-Chef Fuest macht heiklen Steuer-Vorschlag – und will Ärmere entlasten
Stand: 06.08.2026, 18:09 Uhr
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Ifo-Chef Clemens Fuest will den reduzierten Mehrwertsteuersatz abschaffen. Ärmere sollen stattdessen Direktzahlungen erhalten.
München – Nach dem neuen Besteuerungs-Modell des Ökonomen Fuest würde künftig für sämtliche Waren der reguläre Satz von 19 Prozent gelten. „Alle Güter mit derzeit ermäßigtem Mehrwertsteuersatz, vor allem Lebensmittel, würden sich verteuern“, sagte Fuest der Bild. Die ärmere Bevölkerungshälfte müsste dadurch im Schnitt 30 Euro mehr pro Monat aufwenden. Diesen Mehrbetrag würde der Staat durch direkte Transfers ausgleichen – zu einem Gesamtpreis von 7,2 Milliarden Euro jährlich, so der Ökonom.

Den entscheidenden Steuer-Effekt erklärt Fuest dann auch in einem Beitrag im Handelsblatt: Derzeit kostet der ermäßigte Satz den Staatshaushalt 43,5 Milliarden Euro pro Jahr. Nach Abzug der Ausgleichszahlungen verblieben dem Staat demnach mehr als 36 Milliarden Euro zusätzlich. Dieses Geld könnte entweder zur Konsolidierung des Haushalts eingesetzt werden – oder dazu dienen, den regulären Mehrwertsteuersatz um zwei Prozentpunkte auf 17 Prozent zu senken.
Fuest will Revolution bei der Mehrwertsteuer: Preise rauf – und Arme entlasten
„Belastet würde vor allem die Hälfte der Bevölkerung mit den höheren Einkommen, also mit Bruttoeinkommen über circa 55.000 Euro“, erklärte Fuest der Bild. Der Ökonom betont dabei den sozialpolitischen Kern seines Ansatzes: „Wichtig ist mir, dass er eine Chance bietet, das Chaos bei der Mehrwertsteuer abzuschaffen, ohne die ärmsten Haushalte mehr zu belasten“.
Sein grundsätzliches Argument: Der ermäßigte Satz sei ein stumpfes Instrument zur sozialen Entlastung. „Es werden nicht nur Menschen mit niedrigen Einkommen entlastet, sondern alle Konsumenten, und der ermäßigte Satz gilt für viele Güter, nicht nur für Nahrungsmittel. Außerdem profitieren Haushalte umso mehr, je höher ihr Konsum ist“, so Fuest. „Das sozialpolitische Entlastungsziel könnte aber mit wesentlich weniger Aufwand erreicht werden“. Konkret: „Wenn diese Entlastung das eigentliche Ziel ist, könnte man den Haushalten das Geld auch durch direkte Transfers zukommen lassen.
Wie es im internationalen Vergleich aussieht
Betrachtet man nur den regulären Satz gehört Deutschland zu den fünf EU-Ländern mit der geringsten Mehrwertsteuer. Die meisten Länder haben jedoch auch reduzierte Sätze - mit Ausnahme von Dänemark, das auf alle Waren einheitlich 25 Prozent erhebt. Die Mehrwertsteuer-Bandbreite reicht von 2,1 Prozent (niedrigster Satz in Frankreich) bis zu 27 Prozent (regulärer Satz in Ungarn).
Die deutschen Staatsfinanzen stehen unter Druck: Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) muss in der Haushaltsplanung für die kommenden Jahre Milliardenlücken schließen. Außerdem plant die Koalition eine Reform der Einkommensteuer. Um deren Kosten aufzufangen, prüften Union und SPD auch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer.
„Alle Ausgaben und Steuervergünstigungen müssen auf den Prüfstand“, argumentiert Fuest nun. Hilfen dürften nur denjenigen zugutekommen, die sie auch wirklich bräuchten – und das sei bei der ermäßigten Mehrwertsteuer eben nicht der Fall. „Es werden nicht nur Menschen mit niedrigen Einkommen entlastet, sondern alle Konsumenten, und der ermäßigte Satz gilt für viele Güter, nicht nur für Nahrungsmittel. Außerdem profitieren Haushalte umso mehr, je höher ihr Konsum ist“, argumentiert der Ökonom. Der durch eine Reform entstehende Überschuss von 36,2 Milliarden könnte entweder zur Entlastung des Haushalts genutzt werden - oder zur Senkung des regulären Mehrwertsteuersatzes um zwei Prozentpunkte auf 17 Prozent.
SPD lehnt Fuest-Vorshclag direkt ab
SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf wies die Forderung umgehend zurück. „Wir haben eine ganze Reihe von Menschen, Rentnerinnen und Rentner, aber auch Schülerinnen und Schüler, Auszubildende, Studierende, die dann alle mehr zahlen müssten“, sagte er im RTL/ntv-„Frühstart“. Für die meisten Menschen bedeute das eine deutliche Preiserhöhung in einer Zeit, in der Bezahlbarkeit ohnehin schon ein Problem sei. „Und dann Preise auch noch über höhere Steuern im Konsum, im Verbrauch weiter zu erhöhen, das ist etwas, was mit uns nicht zu machen sein wird“, sagte der SPD-Politiker. (dpa)