Nach Evenepoels Etappensieg: Lipowitz rutscht aus der Co-Kapitänsrolle
Nach dem Etappensieg von Remco Evenepoel auf dem Plateau de Solaison ist die Kapitänsfrage beim Team Red Bull-Bora-hansgrohe vorerst geklärt. Florian Lipowitz ist bereit, den Belgier beim Kampf ums Podium der Tour de France zu unterstützen.
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Tourreporter
Nach Evenepoels Etappensieg Lipowitz rutscht aus der Co-Kapitänsrolle
Stand: 19.07.2026 • 22:41 Uhr
Nach dem Etappensieg von Remco Evenepoel auf dem Plateau de Solaison ist die Kapitänsfrage beim Team Red Bull-Bora-hansgrohe vorerst geklärt. Florian Lipowitz ist bereit, den Belgier beim Kampf ums Podium der Tour de France zu unterstützen.
Florian Lipowitz nutzt gerne eine Floskel, hinter der er alles verbirgt, was möglicherweise tatsächlich gerade in seinem Kopf passiert. "Super happy" lautet diese Floskel. Und natürlich hat er sie auch im Ziel der 15. Etappe der Tour de France auf dem Plateau de Solaison benutzt.
"Super happy" sei er, dass Remco Evenepoel die erste echte Bergankunft der Tour habe gewinnen konnte. "Ich glaube, für unser Team ist das ein Riesenerfolg. Und ja, es war einfach gut zu sehen, dass er heute die Beine dafür hatte", sagte Lipowitz der Sportschau. Und weil der 25 Jahre alte Radprofi aus Laichingen ein bescheidener junger Mann ist, versprach er auch gleich, sich nun in den Dienst von Evenepoel zu stellen.
Lipowitz bereit, sich zurückzunehmen
"Wir müssen in Ruhe mit dem Team reden, aber ich denke mal, dass es wahrscheinlich darauf hinauslaufen wird", sagte Lipowitz und zeigte dabei keinerlei Anzeichen von Enttäuschung. Das größte Ziel der Red Bull-Bora-hansgrohe-Mannschaft sei ein Platz auf dem Podium in Paris, bestenfalls sogar den zweiten Platz hinter dem unantastbaren Tadej Pogacar im Gelben Trikot. "Und da nehme ich mich selber natürlich gerne auch zurück."
Die Kapitänsfrage bei der deutschen World-Tour-Mannschaft dürfte nach diesem Tag geklärt sein. Nach seinem überraschenden Coup auf dem Plateau de Solaison hat Evenepoel nun fast zwei Minuten Vorsprung auf den Vorjahresdritten Lipowitz. Und nach Lage der Dinge dürfte sich der Abstand der beiden nach dem zweiten Ruhetag der Tour schon auf der 16. Etappe am Dienstag noch weiter vergrößern. Evenepoel ist Olympiasieger und Weltmeister im Kampf gegen die Uhr und geht dann als großer Favorit auf den Tagessieg in das Einzelzeitfahren.
Evenepoel wirkt souverän
Viel mehr noch als die reinen Zeitabstände dürfte aber auch der Eindruck auf dem Schlussanstieg am Sonntag den Ausschlag geben bei der Bewertung der Führungsfrage. In den ersten beiden Tourwochen schien es immer so, dass Lipowitz im steilen Gelände stärker sei als sein belgischer Teamkollege. Doch nun, vor Beginn der entscheidenden Tourwoche, haben sich die Verhältnisse offenbar gedreht.
Es war ein souveräner Auftritt, den Evenepoel auf dem 11,3 Kilometer langen durchschnittlich neun Prozent steilen Schlussanstieg ablieferte. Die Mannschaft war mit sechs Fahrern in diesen Berg hineingefahren, um Evenepoel ein gleichmäßiges Tempo in den unteren steilen Passagen zu ermöglichen. "Das war die Idee", sagte Evenepoel. Dann aber habe sich Tadej Pogacar vor die Favoritengruppe gespannt und ein hohes Tempo angeschlagen, um einen Etappensieg für seinen Kronprinz Isaac del Toro vorzubereiten. "Da musste ich dran bleiben und habe schnell gemerkt, dass ich gute Beine hatte. Man muss die Chancen mit beiden Händen ergreifen"
Das war der Moment, an dem Lipowitz nicht mehr folgen konnte, genau wie der junge Franzose Paul Seixas und auch der Spanier Juan Ayuso, der sogar das Tempo von Lipowitz und Seixas nicht halten konnte. Das Tempo, das Pogacar vorgab, war sehr hoch. In einem später veröffentlichten Funkspruch war zu hören, wie Pogacar seinen Teamkollegen fragt, ob er offensiver fahren soll. "Häng mich nicht ab", antwortete del Toro.
Die Transformation des Remco Evenepoel
Evenepoel schien das alles jedoch nicht zu beeindrucken. In keiner Situation wirkte er, als könne er in Schwierigkeiten geraten, selbst als sich mit Adam Yates ein dritter UAE-Fahrer, der vorher zu den Ausreißern gehört hatte, vor das Trio spannte. Auch die beiden späten Attacken von del Toro konnte Evenepoel fast spielerisch kontern und schließlich im Sprint gegen Pogacar gewinnen, der ihn aber wohl auch gewähren ließ.
Es ist das erste Mal, dass Evenepoel eine Bergetappe bei der Tour gewonnen hat. Seine beiden bisherigen Etappensiege bei der Tour waren ihm im Zeitfahren gelungen. "Das zeigt, welchen großen Schritt ich gemacht habe", sagte Evenepoel auf dem Plateau de Solaison. "Das ist eine neue Erfahrung für mich, dass ich den besten Kletterern der Welt an so einem harten Anstieg folgen kann."
Evenepoel war vor der Tour seit seinem dritten Platz beim Frühjahrsklassiker Lüttich-Bastogne-Lüttich kein Rennen mehr gefahren. Nach seinem Etappensieg erklärte Evenepoel, dass genau diese Transformation, die man an diesem Tag gesehen habe, der Grund dafür gewesen sei. "Ich habe entschieden, viel Klettertraining zu machen und Gewicht zu verlieren", sagt der 26-Jährige. Mit seiner Statur sei eine solche Leistung nicht selbtverständllich zu erreichen. "Aber was immer ich dafür tun muss, tue ich."
"Jeder muss um seine Position kämpfen"
Dass auch sein Team diesen Wandel mit entwickelt hat, dass die Helfer der Mannschaft ihm das an diesem Tag alles sehr gut vorbereitet hatten, erwähnte Evenepoel nicht. Er hat ein gelinde gesagt ausgeprägtes Ego. Das dürfte nach diesem Tag nicht kleiner werden.
Lipowitz hatte sich seinerseits überaus loyal verhalten und gemäß der Taktiklehre des Radsports Seixas die Nachführarbeit komplett alleine überlassen. Der Franzose hielt den Abstand nach vorne in Grenzen und schüttelte mit seinem Tempo sogar Ayuso ab, so dass Lipowitz im Gesamtklassement auf Rang fünf vorrückte.
Natürlich wurde Evenepoel auf dem Plateau de Solaison auch gefragt, was denn dieser Etappensieg nun für die Teamhierarchie bedeute. "Im Moment ändert das gar nichts", behauptete er. "Lipo ist immer noch in einer sehr guten Position im Gesamtklassement, er muss um seine Position kämpfen. Und ich werde für meine kämpfen. So müssen wir es machen."