Litauen-Brigade soll NATO-Ostflanke vor Putin schützen – jetzt kommen Details ans Licht: „grenzwertig“

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Litauen-Brigade soll NATO-Ostflanke vor Putin schützen – jetzt kommen Details ans Licht: „grenzwertig“

Stand: 19.07.2026, 19:59 Uhr

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Die Litauen-Brigade der Bundeswehr hat Probleme: Interne Papiere zeigen „grenzwertige“ Personalstände für die NATO-Ostflanke. Muss Pistorius bald Soldaten verpflichten?

Berlin/Vilnius – Die Bundeswehr soll bis 2027 eine dauerhaft in Litauen stationierte Brigade aufbauen – doch nun kommen brisante Details aus internen Unterlagen ans Licht. Demnach fehlen für das Vorhaben, das Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) vorantreibt, noch knapp 2000 Soldatinnen und Soldaten.

Bundeswehr-Soldaten stehen beim Aufstellungsappell der Panzerbrigade 45. Die Panzerbrigade 45 der Bundeswehr ist dauerhaft in Litauen stationiert und soll die Ostflanke der NATO unterstützen.

Bundeswehr-Soldaten der Panzerbrigade 45 der Bundeswehr sind dauerhaft in Litauen stationiert und sollen die Ostflanke der NATO unterstützen. © Michael Kappeler/dpa

In den Dokumenten, die der Welt vorliegen, werden die Personalstände bei der Litauen-Brigade als „ungenügend“ und „grenzwertig“ markiert. Das berichtet die Welt am Sonntag, der das interne Papier vorliegt. Das Verteidigungsministerium hielt dagegen: Die Aufstellung verlaufe „planmäßig“, ließ Pistorius mitteilen.

„Ungenügend“ und „grenzwertig“: Bundeswehr hat Probleme bei Personal für die NATO-Litauen-Brigade

Die Bundesregierung hat eine dauerhafte Stationierung von bis zu 5000 Soldaten in Litauen zugesagt. Das Vorhaben gilt als Beitrag zur Stärkung der NATO-Ostflanke – ausdrücklich mit Blick auf die Bedrohungslage durch Russland. Die Brigade soll bis 2027 einsatzfähig sein. Als Hauptstandort ist eine im Bau befindliche Kasernenanlage mit Truppenübungsplatz im litauischen Rudninkai vorgesehen.

Nach Angaben der Welt bilden die internen Unterlagen, die dem Blatt vorliegen, den Fortschritt beim Aufbau der Brigade anhand von Ampeln ab. Diese stünden mehrheitlich aktuell auf orange oder rot – übersetzt: „ungenügend“ und „grenzwertig“. In den Papieren, gekennzeichnet als „nur für den Dienstgebrauch“, werde festgehalten, dass die Zahl der Bewerber zwar langsam steige, aber nicht ausreichend sei.

Pistorius mit Problemen: Verbände der Litauen-Brigade haben Soll-Stärke längst nicht erreicht

Mit Stand Juni hätten einige der für Litauen vorgesehenen Verbände weniger als 30 Prozent ihrer Soll-Stärke erreicht, viele weitere unter 50 Prozent. Bei den Fernmeldetruppen lag der Zwischenstand laut dem Bericht bei knapp 40 Prozent, bevor er dann sogar wieder zurückging.

Betroffen sind laut Bericht die Einheiten, die später dauerhaft in Litauen stationiert werden sollen. Das sind insbesondere Kampf- und Kampfunterstützungskräfte sowie ein Versorgungsbataillon. Mitte Juni hätten dafür noch knapp 2000 Soldatinnen und Soldaten gefehlt. In den Akten heiße es zudem, dass gerade die Besetzung von Mannschaftssoldaten und spezialisierten Unteroffizieren in allen Einheiten „eine Herausforderung“ sei. Schon Anfang des Jahres hatte laut dem Bericht in vertraulichen Dokumenten gestanden: „Aufhebung des Freiwilligen-Prinzips notwendig“.

Soldaten fehlen für Litauen-Brigade an NATO-Ostflanke: Freiwilligkeit steht zur Disposition

Angesichts der Probleme beim Erreichen des Soll-Personals drängt sich die Frage auf: Reicht es, die Brigade in Litauen allein nach dem Freiwilligkeitsprinzip zu besetzen? Schon vor rund einem Monat gab es daran Zweifel: Die Bundeswehr schloss nicht aus, dass notfalls Soldaten für die Kampfbrigade in Litauen verpflichtet werden müssen, wie der Spiegel berichtete. Es war das erste Mal, dass auch das Verteidigungsministerium einräumte, dass die Gewinnung von freiwilligen Soldaten schwierig sei.

Nach NATO-Vorgaben sollen 90 Prozent der Dienstposten bis zum geplanten Verlegezeitraum 2027 besetzt sein. Pistorius und Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, wollten laut Spiegel eigentlich eine Verpflichtung für die NATO-Brigade in Litauen unbedingt vermeiden. Der Kursschwenk, dass Freiwilligkeit allein noch wohl doch nicht reichen wird, sei daher eine „empfindliche Niederlage“.

Geholfen hat demnach auch nicht „eine der größten Werbekampagnen überhaupt“ in der Bundeswehr. Soldaten mit Litauen-Erfahrung warben in Bundeswehr-Kasernen in ganz Deutschland für die NATO-Mission an der Ostflanke. Interessenten und deren Familien wurden mit Militärtransportern nach Litauen geflogen, um sich die Kaserne und die übrige Infrastruktur anzusehen.

Pistorius: Aufstellung der NATO-Brigade an der Ostflanke in Litauen verlaufe „planmäßig“

Das Verteidigungsministerium betonte auf Anfrage der Welt, die Aufstellung der Brigade verlaufe „planmäßig“ und man setze zunächst weiterhin auf Freiwilligkeit. Als jüngste Anstrengungen seien Flyer gedruckt worden, zudem sei jetzt eine Hotline für Interessierte geschaltet.

Gleichzeitig heißt es laut Bericht, dort, wo es erforderlich sei, könnten „im Zweifel verpflichtende Maßnahmen“ ergriffen werden. Zum Umfang gebe es aber „noch keine abschließende belastbare Aussage“. Der Spiegel berichtete Ende Juni, dass die Bundeswehr Soldaten verpflichten wolle, wenn sich bis Herbst 2025 nicht genügend freiwillig melden. (Quelle: Welt am Sonntag, Der Spiegel, frühere Berichterstattung) (smu)