Nicht nur ein Skandal: Diese Eklats Spahns ereigneten sich schon lange vor der Leihmutterschaft-Debatte

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Nicht nur ein Skandal: Diese Eklats Spahns ereigneten sich schon lange vor der Leihmutterschaft-Debatte

Maskenaffäre, kreditfinanzierte Villa, heimliches Spendendinner: Die Skandale des Jens Spahn

Stand: 19.07.2026, 22:21 Uhr

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In seiner politischen Karriere sorgte Ex-Unionsfraktionsvorsitzender Spahn für so manchen Eklat. Zum Covid-Pandemiebeginn 2020 ebenso wie in jüngerer Zeit.

Berlin – Am Samstag (18. Juli) trat Jens Spahn (CDU) von seinem Amt als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zurück. Nun wollen Spitzenpolitiker der Union schon am Montag über den prominenten Abgang und das Vorgehen für die nahe Zukunft beraten. Derweil werde nach einem Termin für eine gemeinsame Schalte der gesamten Unionsfraktion gesucht, berichtete die Deutsche Presse-Agentur (dpa) am Tag nach Spahns Rückzug.

In seiner politischen Karriere sorgte Ex-Unionsfraktionsvorsitzender Spahn für so manchen Eklat. Zum Covid-Pandemiebeginn 2020 ebenso wie in jüngster Zeit.

Der ehemalige CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Jens Spahn (CDU) © dpa | Bernd von Jutrczenka

Voran ging Spahns Amtsabtritt eine heftig geführte Debatte um Leihmutterschaft. Gegen diese hatte sich Spahn in der Vergangenheit – auch während seiner Zeit als Bundesgesundheitsminister (2018–2021) – immer wieder mit Nachdruck positioniert. Jüngst jedoch wurde bekannt, dass der CDU-Politiker gemeinsam mit seinem Lebenspartner Daniel Funke durch eine Leihmutter aus den USA Vater geworden ist. Der Rücktritt vom Amt des Unionsfraktionschefs erfolgte, nachdem der Druck auf Spahn zu groß geworden war. Doch die Leihmutterschaftsdebatte ist längst nicht die einzige Causa in Spahns Karriere, mit der er für Negativschlagzeilen sorgte.

Unionsfraktionsvorsitz aufgegeben – Thema Leihmutterschaft setzte Spahn letztlich unter zu großen Druck

Spahns zwiespältiges und inkongruentes Verhältnis zum Thema Leihmutterschaft brachte ihm als Unionsfraktionschef so viel Kritik ein, dass ein Rücktritt von seinem Amt letztlich offenbar unausweichlich wurde. Laut Gesetzgebung ist Leihmutterschaft in Deutschland nicht zulässig, und dem Bundesfamilienministerium zufolge soll dies auch bis auf Weiteres so bleiben. „Der Koalitionsvertrag sieht keine Änderung der aktuellen Rechtslage vor“, bekräftigte ein Ministeriumssprecher etwa jüngst den Zeitungen der Funke Mediengruppe. 

Und auch Spahns Partei bleibt weiterhin bei ihrer Ablehnung des Leihmutterschaft-Konzepts. „Die CDU Deutschlands hat einen klaren Parteitagsbeschluss“, erklärte eine Parteisprecherin auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa). „Die geltende Rechtslage in Deutschland soll aus Sicht der Partei bleiben, wie sie ist“, hieß es weiter. Wenn Ärztinnen und Ärzte bei einer Leihmutterschaft helfen, machen sie sich dadurch strafbar. 

Schon die Vermittlung von Leihmutterschaften ist hierzulande dem Gesetz nach untersagt. Nicht verboten ist es dagegen, ein im Ausland per Leihmutterschaft geborenes Kind in Deutschland großzuziehen – so wie Spahn und sein Partner es tun. 

Maskenaffäre und Co. – in der Corona-Pandemie unterliefen Spahn verschiedene Fehltritte

Aber auch abseits der Leihmutterschaft-Debatte finden sich zahlreiche weitere Angelegenheiten in der politischen Karriere Spahns, die sein Ansehen und das seiner Partei immer wieder zu beschädigen drohten. Der politisch wie wirtschaftlich wohl folgenschwerste Fehler unterlief dem damaligen Bundesgesundheitsminister 2020, auf dem Höhepunkt der ersten Coronavirus-Welle im Zuge der Pandemie. 

Zu jenem Zeitpunkt verursachte Spahn einen Skandal bei der Bestellung von Schutzmasken, die vor einer Ansteckung mit dem grassierenden Coronavirus schützen sollten. Insgesamt beschaffte der CDU-Politiker 5,6 Milliarden Masken für 5,9 Milliarden Euro, wobei ein Großteil später ungenutzt in Müllverbrennungsanlagen landete. Grundlage des Kaufs für einen – wie sich in der Folge herausstellen sollte – deutlich zu hohen Kaufpreis waren Spahns persönliche Berechnungen: Dabei hatte der damalige Bundesgesundheitsminister einen Masken-Stückpreis von 4,50 Euro antizipiert. Der letztliche Kaufpreis schien Spahn somit wie ein angemessenes Geschäft.

Auch hatte Spahn im Zuge der Maskenaffäre ein Speditionsunternehmen aus seiner Heimat, dem Münsterland, mit der Lagerung und Auslieferung der Masken beauftragt. Zuvor gab es offenbar auch Versuche, das Unternehmen Burda für die Maskenbeschaffung ins Boot zu holen, bei dem Spahns Lebensgefährte Funke als Lobbyist tätig ist – die Burda GmbH stritt jedoch jegliche Involviertheit Funkes ab. Das letztlich beauftragte Speditionsunternehmen aus dem Münsterland wiederum zeigte sich allerdings schon nach kurzer Zeit überfordert – Schadenersatz einzuklagen, kam dem Ex-Gesundheitsminister jedoch nicht in den Sinn. Weil Zulieferer die bestellten Masken nicht mehr loswurden, klagten sie auf Bezahlung. Für deutsche Steuerzahlerinnen und -zahler entstand dem Spiegel zufolge ein Schaden in Höhe von knapp 2,3 Milliarden Euro. 

Spahn nahm 2020 trotz Coronavirus-Pandemie an Spendendinner teil

Die Maskenaffäre sollte jedoch nicht Spahns alleiniger Fehltritt in der Coronavirus-Pandemie bleiben. So traf sich der ehemalige Gesundheitsminister ebenfalls 2020 mit rund einem Dutzend Unternehmern zu einem Spendendinner in Leipzig. Besonders kontrovers ist dies, da zum damaligen Zeitpunkt bekanntermaßen rigide vor privaten Zusammenkünften gewarnt wurde, um dem Coronavirus keine unnötigen Möglichkeiten zu bieten, sich weiter auszubreiten. 

Nach dem Treffen beliefen sich die Spenden an den CDU-Kreisverband Spahns auf knapp 100.000 Euro, wie Spiegel-Recherchen aufzeigten. Die Summe der gespendeten Beiträge belief sich dabei im Einzelnen auf maximal 9900 Euro, was knapp unter der Grenze der meldepflichtigen 10.000 Euro liegt. Vielen Forderungen zum Trotz verzichtete Spahn aber darauf, die Namen der beim Dinner Anwesenden – und letztendlichen Geldgeberinnen und Geldgeber – offenzulegen.

Daneben gibt es aber noch ein drittes Vorkommnis während der Coronavirus-Pandemie, das Spahn einiges an Vertrauen einbüßen ließ. So entschieden sich der CDU-Politiker und sein Lebensgefährte 2020 zum Kauf einer Luxusvilla in Berlin-Dahlem für knapp vier Millionen Euro. Vollständig finanziert worden war dies durch einen Kredit der Sparkasse Westmünsterland, für die Spahn Informationen des Business Insiders zufolge selbst bis 2015 im Verwaltungsrat gesessen hatte. Zudem sei sein Lebensgefährte Funke Im Februar 2023 entschieden sich Spahn und Funke dann für den Verkauf der Villa, wie t-Online und das Handelsblatt übereinstimmend berichteten. Unter Berufung auf vorliegende Belege berichtet „T-Online“, die Villa sei für 5,3 Millionen Euro verkauft worden. Dem standen damalige Gesamtausgaben von 5,5 Millionen Euro gegenüber, inklusive Renovierung des Hauses.

Auch Spahns Verbindung zu René Benko und Teilnahme an Events von Peter Thiel beschädigten sein Image

Neben Spahns tiefgreifenden Fehltritten in Zeiten der Coronavirus-Pandemie machte er jedoch auch durch Verbindungen zu Personen mit fragwürdigem Ansehen nicht unbedingt positive Schlagzeilen. So etwa zum jüngst nach langwierigen Verfahren mehrfach verurteilten Ex-Investor und Signa-Gründer René Benko. Ebenfalls 2020 stand Spahn dem Spiegel zufolge wohl in regerem Kontakt zu Benko, wie ein E-Mailverkehr vom 6. Mai 2020 nahe legt. Damals schickte Spahn ein Dokument an Benko von seinem Bundestagsaccount aus. „Guten Morgen, Vorlage f heute vertraulich z Kt. Lg Jens“, hieß es darin.

Angehängt war ein Beschlussentwurf für die Telefonschalte zwischen der damaligen Kanzlerin Angela Merkel und Spitzenpolitikerinnen und -politikern der Länder. Gegenstand des Entwurfs sind die Pläne von Bund und Ländern für „einen erheblichen weiteren Öffnungsschritt“ nach dem Covid-Lockdown. „Danke lieber Jens – hoffe es geht Dir gut Herzliche Grüße, Dein René“, antwortet Benko nur knapp vierzig Minuten nach Spahns Mail, die er gegen 6:30 Uhr versandt hatte. Eine weitere Mail Spahns erreichte Benko im Herbst desselben Jahres, offenbar mit angehängtem Beschlussvorschlag für die Telefonschalte von Merkel mit den Länderchefs. Nach Bekanntwerden des Mailverkehrs erklärte Spahns Anwalt, dass es in der Kommunikation der beiden fernab von einer engen Bindung nur um fachlichen Austausch gegangen sei.

Und nicht zuletzt tauchte Spahn auf einer Namensliste der sogenannten Dialog-Treffen vom Trump-nahen Unternehmer und bekennendem Antidemokraten Peter Thiel auf. Thiels Zusammenkünfte dienten, wie erst Ende Juni bekannt wurde, offenbar der Vernetzung Prominenter aus Politik, Wirtschaft und dem Showgeschäft. Spahn bestätigte übereinstimmenden Medienberichten zufolge die Teilnahme an fünf Dialog-Treffen zwischen 2018 und 2024. (Quellen: Funke-Zeitungen, dpa, Business Insider, Spiegel, t-online, Handelsblatt) (fh)