Mehr Gewalt gegen Klinik-Personal – kritische Orte sind Notaufnahmen und Ärztekammer fordert Meldesystem
StartseiteLokalesNortheimNortheimStand: 26.07.2026, 18:02 UhrKommentareUns auf Google folgenKrankenwagen vor einer Notaufnahme: Beklagt wird zunehmende Aggressivität gegenüber Klinik-Beschäftigten (Symbolbild)....
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Stand: 26.07.2026, 18:02 Uhr
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Göttingen – Krankenhauspersonal ist öfter physischer und verbaler Gewalt ausgesetzt. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat nach einer jüngsten Umfrage ermittelt, dass 66 Prozent der befragten Kliniken von einem mäßigen (42 Prozent) bis deutlichen (24 Prozent) Anstieg von solchen Gewalttaten gegen Mitarbeiter berichten. Kritischer Punkt sind die Notaufnahmen: 95 Prozent der Kliniken registrierten dort Übergriffe. So auch Krankenhäuser in Göttingen.
„Im Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende (EKW) ist in den vergangenen Jahren eine Zunahme von verbalen und körperlichen Übergriffen auf Mitarbeiter zu beobachten“, sagt EKW-Sprecher Stefan Rampfel auf Anfrage. 2025 habe sich im Vergleich zu 2024 die Zahl der 24 dokumentierten Vorfälle somit mehr als verdoppelt.
Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) nennt keine Zahlen, bestätigt aber, dass die Aggressionen von Patienten gegenüber den Mitarbeitern in den vergangenen Jahren angestiegen seien. Vermehrt treten die Vorfälle und Übergriffe in der Zentralen Notaufnahme der UMG sowie der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie auf, „aber teilweise auch in anderen Bereichen, wie unseren Polikliniken“, so Sprecherin Lena Bösch.
Im EKW ist der „Schwerpunkt-Tatort“ auch die Zentrale Notaufnahme. „Dort treffen akute medizinische Situationen, längere Wartezeiten, emotionale Ausnahmesituationen sowie teilweise Alkohol- und Drogenkonsum sowie psychische Erkrankungen bei Patienten und Angehörigen aufeinander“, sagt Stefan Rampfel. Als Gründe für Gewalttaten und Übergriffe nennt auch UMG-Sprecherin Bösch „Frust, längere Wartezeiten sowie Drogen- und Alkoholmissbrauch“.
Polizeieinsätze seien in der UMG eher selten und würden nicht gezählt. Es komme jedoch vor, dass Polizei und Rettungsdienst Personen mit Aggressionspotenzial als Patienten in die UMG begleiten. Aus dem EKW heißt es, dass eine engere Kooperation mit der Polizei besteht. Die sei wiederholt gerufen worden, um „aggressive Personen zu entfernen, Hausverbote durchzusetzen oder den Eigen- und Fremdschutz zu gewährleisten“, heißt es.
Auch in Arztpraxen registrieren Berufsverbände mehr Übergriffe. Als Präsident der Bundesärztekammer fordert Klaus Reinhard ein bundesweites Meldesystem.

Gewalt trifft zuerst Frauen
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat eine Umfrage zu Gewalt an Kliniken in Auftrag gegeben. Leidtragende dort sind besonders Frauen. Das liege auch daran, dass der Anteil von Frauen in Pflegeberufen besonders hoch sei. Die verbalen und körperlichen Übergriffe auf Klinikpersonal wurden 2024 nur von 42 Prozent der Kliniken angezeigt. Größere Kliniken mit mehr als 600 Betten griffen dabei deutlich häufiger zur Strafanzeige: 69 Prozent der Häuser meldeten diese. Lediglich 31 Prozent der kleineren Krankenhäuser mit 100 bis 299 Betten stellten Strafanzeigen.