Merck eröffnet Prüfzentrum für 25 Millionen Euro in Darmstadt
Das Pharmaunternehmen Merck hat an seinem Hauptsitz in Darmstadt ein neues Prüfzentrum für Arzneimittelfreigabe eröffnet. Europäische Medikamentenhersteller lassen dort künftig Wirkstoffe aus der biopharmazeutischen Industrie testen.
- 3 min read
Stand: 16.07.2026, 18:44 Uhr
Kommentare

Das Pharmaunternehmen Merck hat an seinem Hauptsitz in Darmstadt ein neues Prüfzentrum für Arzneimittelfreigabe eröffnet. Europäische Medikamentenhersteller lassen dort künftig Wirkstoffe aus der biopharmazeutischen Industrie testen.
Im Grunde genommen ist es ein Investment, von dem Patientinnen und Patienten profitieren, auch wenn nicht sie, sondern europäische Medikamentenhersteller die Kunden sind: Das Unternehmen Merck hat an seinem Hauptsitz in Darmstadt für 25 Millionen Euro ein neues Prüfzentrum für Arzneimittelfreigabe entstehen lassen. Am Donnerstag wurde es eröffnet.

Reinheit, Qualität und Wirksamkeit von Arzneimitteln werden im Prüfzentrum getestet
In dem 2.000 Quadratmeter großen Gebäude werden künftig Wirkstoffe aus der biopharmazeutischen Industrie getestet, die in der Entwicklung sind. „Wir stellen hier aber auch sicher, dass in den Medikamenten auch das drin ist, was der Hersteller angibt“, sagt Jörg Hoffmeyer, der Manager der neuen Bioreliance-Testeinrichtung, als er durch die Laborräume führt. Reinheit, Qualität und Wirksamkeit von biologischen Arzneimitteln werden auf zwei Stockwerken geprüft, und zwar in verschiedenen Phasen der Entwicklung – von der vorklinischen Phase bis hin zur kommerziellen Freigabe.
Kunden sind Pharmaunternehmen aus der gesamten EU, mit denen man Geheimhaltungsverträge habe, so Hoffmeyer. Merck ist zwar selbst seit Jahrhunderten Arzneimittelhersteller, aber „man mag es nicht so gern, wenn der, der herstellt, auch testet“. Deshalb fungiere Merck hier als Serviceunternehmen.
Vor der Marktfreigabe Tests der Medikamente im Prüfzentrum von Merck
Im Prüfzentrum kontrollieren Laborant:innen und Wissenschaftler:innen, ob Wirkstoffe und Medikamente die strengen Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen erfüllen, bevor sie auf den Markt kommen. Hinzu kommen Stabilitätsstudien, die zeigen, wie lange ein Medikament unter verschiedenen Lagerbedingungen sicher und wirksam bleibt. Solche Prüfungen sind gesetzlich vorgeschrieben.
Im Anschluss kommt dann die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) ins Spiel: Die EU-Behörde, die für die Beurteilung und Überwachung von Arzneimitteln zuständig ist, spricht eine Empfehlung für oder gegen die Zulassung des Medikaments aus.
Durch modernes Prüfzentrum sind Medikamente für Patienten schneller verfügbar
Acht bis zwölf Jahre dauert es normalerweise von der Entwicklung eines Medikaments bis zur Zulassung. Das neue Prüfzentrum trägt nun dazu bei, dass Medikamente aus der Forschung schnell in die Anwendung kommen können und so dringend benötigte Therapien schneller für Patient:innen verfügbar sind.
In den Laboren werden Arzneien oder Impfstoffe auf Herz und Nieren geprüft, die nicht chemisch, sondern mit lebenden Zellen, also mit Gentechnik, hergestellt sind. Zu diesen sogenannten Biologika zählen molekulare Antikörper, Proteine und Enzyme, die beispielsweise bei Krebs oder bei Autoimmunerkrankungen wie Rheuma zum Einsatz kommen. Die Nachfrage nach biotechnisch hergestellten Medikamenten steigt weltweit.
Im ersten Quartal 2027 geht es mit den Medikamentenprüfungen los
Das neue Prüfzentrum schließt für Merck eine Lücke. Das Unternehmen hat zwar noch weitere Standorte in Schottland, in den USA und in Singapur, aber der Brexit verhindert, dass die finale Freigabe von Arzneimitteln im zehnmal größeren Prüfzentrum im schottischen Glasgow erfolgen kann. „Die finale Freigabe muss in der EU passieren“, erklärt Hoffmeyer. Die Investition stärke Hessen als Wissenschaftsstandort, freute sich Wissenschaftsminister Timon Gremmels (SPD) bei der Eröffnung.
Erst im ersten Quartal 2027 wird Merck in dem neuen Gebäude die ersten Proben annehmen können. „Wir sind jetzt dabei, die Labore zu kommissionieren“, sagt der Prüfzentrums-Manager. Heißt: Die Räume werden jetzt mit den notwendigen Laborartikeln bestückt. Im September seien dann die Behörden vor Ort, und rund drei Monate später sei deren Zertifikat zu erwarten. 30 Beschäftigte, die in Glasgow ausgebildet wurden, trainieren aktuell schon in den Räumen. Perspektivisch brauche man aber noch mehr Personal.