Meta nutzt für Wohlfühl-KI-Werbung einen Bowie-Song über das Ende der Welt
Ironie Meta nutzt für Wohlfühl-KI-Werbung einen Bowie-Song über das Ende der Welt Der Instagram-Hersteller beweist einmal mehr, dass es sich lohnt, den gesamten Text eines Liedes zu lesen. Das Unterneh...
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Ironie
Meta nutzt für Wohlfühl-KI-Werbung einen Bowie-Song über das Ende der Welt
Der Instagram-Hersteller beweist einmal mehr, dass es sich lohnt, den gesamten Text eines Liedes zu lesen. Das Unternehmen ist mit solchen Pannen aber nicht alleine
Andreas Proschofsky
Mit Musik ist das so eine Sache: Nur weil die Melodie eines Liedes locker und leicht klingt, heißt das noch lange nicht, dass der Text ebenso harmlos ist. Eine zugegeben nicht sonderlich neue Erkenntnis – außer man arbeitet in der Werbeabteilung von Meta, wie es scheint.
Fünf Jahre noch
In einem neuen Werbespot verwendet der Instagram-Hersteller den David-Bowie-Song "Five Years", um die eigene Botschaft über die vermeintlichen Segnungen durch Künstliche Intelligenz zu transportieren. Das Problem dabei: Offenbar hat sich bei Meta niemand das Lied komplett angehört.
Während Meta ausgewählte Textpassagen wie "Call us optimists, call us dreamers, call us whatever the hell you want — but we’re betting on people, and we like those odds" (Nennt uns Optimisten, nennt uns Träumer, nennt uns, wie ihr wollt – aber wir setzen auf die Menschen, und diese Chancen gefallen uns) verwendet, blendet man den Rahmen komplett aus, wie Wired betont. In diesem Fall: Dass der Song vor dem Hintergrund des Weltuntergangs spielt.
Gute Wahl?
Bei Meta verteidigt man sich damit, dass der Song auch laut David Bowie selbst Optimismus hätte versprühen sollen. Tatsächlich betonte er im Entstehungsjahr 1972 in einem Interview diesen Aspekt, wie sich auf BowieBible.com nachlesen lässt und worauf Meta entsprechend verweist. Allerdings heißt es eben dort nur wenige Zeilen weiter, dass das Lied das Szenario eines dystopischen Albtraums erzählt. Eines, in dem die Erde in die Phase ihrer letzten fünf Jahre eintritt – samt der damit einhergehenden Panik, Gewalt und den Versuchen zur Wiedergutmachung.
Insofern könnte man natürlich sehr wohl argumentieren, dass die Liederwahl gelungen ist – wenn auch nicht unbedingt in dem Sinne, wie sich Meta das wohl gedacht hat. Zumindest, wenn man zu jenen zählt, die KI für eine existenzielle Gefahr für die Menschheit halten.
Immer und immer wieder
Auch wenn die Nutzung von "Five Years" für eine KI-Werbung eine besonders starke, ironische Ebene hat: Meta ist natürlich nicht das erste Unternehmen, dem so etwas passiert. So gibt es eine lange Liste an Beispielen, bei denen Werbeagenturen ohne großes Nachdenken unpassende Lieder für ihre Spots verwendet haben.
So verweist etwa Jeremy D. Larson von Pitchfork auf eine Werbung für das Kreuzfahrtunternehmen Carnival Cruise, das sich eines Iggy-Pop-Songs über Heroinabhängigkeit bedient hat.
KI-Spots
Meta reiht sich damit aber auch in eine unerfreuliche Tradition zweifelhafter bis verstörender Werbung für Künstliche Intelligenz ein. So hatte Google 2024 mit einem Clip für Verwunderung gesorgt, wo ein Vater mithilfe von Gemini einen Brief für seine Tochter an eine Spitzensportlerin formuliert, anstatt das einfach selbst mit ihr zu machen.
Anthropic wiederum fiel zuletzt mit einem Clip auf, der mit einem brennenden Haus, Massengräbern und anderen dystopischen Vorstellungen beginnt, nur um das dann irgendwie in eine Werbung für die eigene KI zu drehen. (Andreas Proschofsky, 24.7.2026)
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