Musiker Bibiza: "Ich glaube, meine Fans kennen Falco nicht einmal"
Neues Album Musiker Bibiza: "Ich glaube, meine Fans kennen Falco nicht einmal" Auf seinem neuen Album wird der 27-jährige Wiener Musiker zum Rock’n’Roll-Star. Ein Gespräch über Ikkimel, Klischees und w...
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Neues Album
Musiker Bibiza: "Ich glaube, meine Fans kennen Falco nicht einmal"
Auf seinem neuen Album wird der 27-jährige Wiener Musiker zum Rock’n’Roll-Star. Ein Gespräch über Ikkimel, Klischees und warum, er bald mal chillen muss
Interview
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Helene Slancar
Schickimicki-Kavalier und Gfrast zugleich. Der Wiener Franz Bibiza ist einer der hippsten Musiker, die die österreichische Szene aktuell zu bieten hat. Ob er im Brunnen vor der Karlskirche in Soda-Zitron badet, zugedröhnt im Taxi Runden um die Wiener Staatsoper dreht oder eine Stunde zu spät zum Interview antanzt: Er macht es mit einem Charme, der ihm sicherlich schon einiges durchgehen ließ.
Seinen Platz neben dem Urvater der Wiener Strizzis hat er sich mit schmähhaft süffisanten wie morbiden Texten und 80er-Klang verdient. Wie Falco kokettiert Bibiza in Songs wie Opernring Blues nicht ungern mit Koks und Ketamin und bedient sich reichlich an den Stereotypen der Hauptstadt. Zumindest letzteren will der 27-Jährige aber mit neuem, ungebürstetem Sound und ruppigerem Image bis auf Weiteres den Rücken kehren. Sein siebtes Album erscheint am 31. Juli und nennt sich Rocknrollstar.
STANDARD: Was macht für Sie einen Rock’n’Roll-Star aus?
Bibiza: Die Attitüde, gar nicht das Genre unbedingt. Es ist eher ein "Just Do It"-Denken, die Live-Erscheinung und wie man Shows gestaltet. Natürlich könnte ich jetzt auch alle Klischees aufsagen, aber die wären ein bisschen veraltet.
STANDARD: Die bedienen Sie in Ihren Texten aber schon stark. Es geht um einen glamourösen Lifestyle: Drinks, Drogen, Allüren und vor Anrufen explodierende Handys. Wollen Sie damit ein überholtes Bild persiflieren?
Bibiza: Ich spiele sicher damit. Manche Zeilen sind klar überzeichnet. Andere sind schon Momentaufnahmen aus meinem Leben. Aber die beschreiben mich auch nicht als Franz persönlich.
STANDARD: Ist Bibza denn eine Kunstfigur?
Bibiza: Bibiza ist kein Charakter. Das bin schon ich. Aber was man sieht und hört, ist immer eine stark komprimierte Version von mir. Bibiza ist etwa 30 Prozent von Franz.
STANDARD: Sie singen: "Ich lauf durch die Stadt und werd‘ überall erkannt". Können Sie Privates und Arbeit gut trennen?
Bibiza: Leider gar nicht. Es verschwimmt komplett. Ich verkaufe ja keine Seife oder irgendein anderes Produkt, ich verkaufe mich selbst.
STANDARD: Sie tanzen mit Auftreten und Texten sehr gelungen an der Grenze zwischen Ernst und Ironie.
Bibiza: Ja, das ist mein Metier und mein Humor. Texte, die komplett von der Rolle sind. Fast nicht mehr akzeptabel, aber es geht sich dann doch noch aus.
STANDARD: Werden Sie damit oft missverstanden?
Bibiza: Von Leuten, die alles extrem genau nehmen, hie und da. Aber gröbere Probleme mit Verständnis gab es eigentlich nie.
STANDARD: Ihr Song Galopp! ist eine Zusammenarbeit mit Ikkimel, die für ihre provokante Haltung auch oft falsch eingeordnet wird.
Bibiza: Sie ist eine absolute Legende. Wir haben großen gegenseitigen Respekt fürs künstlerische Projekt.
STANDARD: Sehen Sie auch eine Art Auftrag, sich als Mann in der Musikszene zu positionieren? Mit ihrem Song Tanzen zum Beispiel, der aufdringliche Männer im Nachtleben zurechtweist?
Bibiza: Ich finde es immer ein bisschen überzogen, wenn Mitte 20-jährige Dudes anfangen so eine predigende Rolle zu spielen. Ich meine, ich bin selber auch schon ein Heisl gewesen. Ich muss jetzt nicht auf der Bühne stehen und den Messias spielen und irgendwelche Leute belehren. Aber ich glaube, ich habe mit dem Song klar eine Message gesetzt. Das ist der Grund, wieso ich Musik mache. Dadurch kann ich mich deutlich ausdrücken.
STANDARD: Sprechen wir über die Musik. Rocknrollstar ist im Vergleich zu den Vorgängern recht anders, gitarrenlastiger und härter. Wie ist es entstanden?
Bibiza: Es war wirklich eine Ausnahmesituation. Ich habe Rocknrollstar im Vergleich zu den vorigen Alben gemeinsam mit den Leuten, die mit mir auf der Bühne stehen, gemacht. Wir haben um neun begonnen und bis drei Uhr früh gearbeitet, das zehn Tage am Stück. Rocknrollstar war innerhalb von einem Monat fertig. Und wir haben in Ungarn, Spanien und Norwegen aufgenommen. Kein einziger Song ist in Wien entstanden.
STANDARD: Das Album ist auch thematisch sehr von Wien distanziert.
Bibiza: Ein paar Songs könnten eh noch aus der anderen Ära kommen. Soda Zitron vor allem, ich meine, mehr Wienerisch geht nicht. Aber die anderen Songs klingen für mich einfach internationaler. Ich war jetzt drei Jahre lang der Wiener Botschafter, aber ich bin auch kein Reisebüro. Ich wollte weg von Monarchie und Mozartkugel.
STANDARD: Musikalisch spürt man die Einflüsse von Bilderbuch bis Falco aber schon. Apropos. Nervt Sie der ständige Vergleich mittlerweile?
Bibiza: Ich verstehe komplett, wo der herkommt. Aber es passiert mir immer nur in Interviews. Ich glaube, meine Fans kennen Falco nicht einmal. Ich selber finde Wanda urcool, ich finde Ludwig Hirsch urcool, ich finde Georg Danzer urcool. Ich finde Falco eigentlich am wenigsten cool von denen.
STANDARD: Als Jugendlicher hat sie auch Rap beeinflusst, wie man noch auf Ihrem ersten Album Copypaste hören kann. Wie stehen Sie heute zu Ihren Anfängen?
Bibiza: Mir ist nichts peinlich. Ich finde es urlustig, wenn man hört wie ein Künstler mit 14 irgendwo schlecht drübersingt. Das nimmt ihm nix weg, im Gegenteil.
STANDARD: Wie geht es Ihnen, wenn Rocknrollstar endlich erschienen ist?
Bibiza: Ich werde wahrscheinlich keine großartige Emotion dazu haben, muss ich sagen. Man arbeitet so lange darauf hin und dann ist man so erschöpft, dass man erstmal reglos in der Ecke liegt (lacht). Erst auf der Bühne kann man so richtig feiern. Das sind die befriedigendsten Momente in diesem Job – auf der Bühne bekommt man alles zurück.
STANDARD: Ihr nächstes Konzert spielen Sie am 24. Juli in Wien, im April nächstes Jahr geht es dann auf Tour. Was steht sonst für die Zukunft an?
Bibiza: Mein Leben ist jetzt einmal bis 2027 geplant. Danach habe ich keine Ahnung. Vielleicht muss ich einfach mal chillen. Ich mache seit vier Jahren Vollgas und ich bin schon bisschen am Arsch.
STANDARD: Was ist für Sie besonders anstrengend?
Bibiza: Zum normalen Musikerdasein ist jetzt auch Social-Media dazugekommen. Ich frage mich manchmal: Bin ich Content Creator oder Musiker? Um das Geld, für das man ein Musikvideo macht, kann man halt 400 Instagram-Reels drehen. Aber ich bin Künstler, und ich mache mir die Arbeit sehr stark auch für mich selbst: Wenn ich in 15 Jahren auf meine Karriere zurückschaue, dann will ich keine TikToks, sondern Platten mit geilen Covers und Musikvideos sehen. (Helene Slancar, 22.7.2026)
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