Nach Großbrand in Schweinemastanlage bei Coswig: Ursache weiter unklar

Bei einem Feuer in einer Schweinemastanlage im Coswiger Ortsteil Düben (Landkreis Wittenberg) sind rund 20.000 Schweine verendet. Nur wenige Tiere konnten gerettet werden. Die Ursache für den Brand ist noch offen, der Schaden geht in die Millionen. Tierschutzverbände üben deutliche Kritik. Inzwischen sind die Aufräumarbeiten angelaufen.

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Nach Großbrand in Schweinemastanlage bei Coswig: Ursache weiter unklar

Feuer in Düben

Nach Tod von 20.000 Tieren in Schweinmastanlage: Brandursache weiter unklar

Stand: 20.07.2026 13:08 Uhr

Bei einem Feuer in einer Schweinemastanlage im Coswiger Ortsteil Düben (Landkreis Wittenberg) sind rund 20.000 Schweine verendet. Nur wenige Tiere konnten gerettet werden. Die Ursache für den Brand ist noch offen, der Schaden geht in die Millionen. Tierschutzverbände üben deutliche Kritik. Inzwischen sind die Aufräumarbeiten angelaufen.

von MDR SACHSEN-ANHALT

Auch fünf Tage nach dem Brand in einer Schweinemastanlage im Coswiger Ortsteil Düben steht die Ursache nicht fest. Ermittler konnten laut Polizei noch nicht die abgebrannte Anlage betreten. Momentan seien sie Aufräumarbeiten in vollem Gange. So müssten zunächst die 20.000 Schweinekadaver geborgen und mit Spezialtransporten aufwändig entsorgt werden. Der entstandene Sachschaden wird auf neun Millionen Euro geschätzt.

Das Feuer war in der Nacht zu Mittwoch ausgebrochen. Nach Angaben des Landkreises standen sechs Ställe in Flammen, rund 20.000 Schweine sind tot. Einige Tiere konnten von den Kameraden gerettet werden, weil Tore der Ställe geöffnet wurden. Die überlebenden Tiere sollen auf andere Betriebe verteilt werden.

Mit großer Bestürzung hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Sachsen-Anhalt (BUND) auf den Brand reagiert: "Der Tod von über 20.000 fühlenden Lebewesen zeigt in dramatischer Weise, dass industrielle Massentierhaltung nicht nur im täglichen Betrieb erhebliche Tierschutzprobleme mit sich bringt, sondern im Havariefall unweigerlich zu einer Katastrophe mit unvorstellbarem Tierleid führt.", erklärt Christian Kunz, BUND-Landesgeschäftsführer.

Massentierhaltung führt im Havariefall unweigerlich zu einer Katastrophe mit unvorstellbarem Tierleid. Christian Kunz, BUND-Landesgeschäftsführer Sachsen-Anhalt

BUND kritisiert Anlage seit Jahren

Der BUND Sachsen-Anhalt kritisiert zusammen mit Irena Gräwert und Martin Rode von der Bürgerinitiative "Saustall Düben" den Betrieb exakt dieser Schweinemastanlage seit vielen Jahren. Dabei standen neben Umwelt- und Gewässerschutz auch tierschutzrechtliche Aspekte stets im Mittelpunkt.

Besonders kritisch sieht der Natur- und Umweltschutzverein die bislang widersprüchlichen Angaben über die Zahl der geretteten Tiere. Dazu erwartet er eine lückenlose und widerspruchsfreie Aufklärung.

BUND hatte gegen Erweiterungspläne geklagt

Der BUND hat 2023 eine Klage gegen Erweiterungspläne des Betreibers gewonnen. Während die Stadt Coswig das Urteil akzeptierte, legte die Schweinehaltung Düben GmbH Revision ein. Diese wurde am 20. Juni 2023 durch das Bundesverwaltungsgericht vollständig zurückgewiesen. Damit bestätigte das höchste deutsche Verwaltungsgericht die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts.

Video: 20.000 Schweine verenden bei Brand in Mastanlage (1 Min)

Vor allem Ferkel tot, Hälfte des Betriebs zerstört

Das Feuer hatte sich durch Funkenflug rasch ausgebreitet. Etwa die Hälfte des Betriebs ist zerstört. Das Wohnhaus des Betreibers konnte gerettet werden.

Nach Aussage von Amtstierarzt Thomas Müller sind bei dem Brand größtenteils Ferkel und Läufer – etwas ältere Jungtiere – verendet. Darüber hinaus starben den Angaben zufolge 1.700 Sauen. 1.300 Sauen haben das Flammeninferno überlebt. Bei den Aufräumarbeiten wird laut Müller voraussichtlich eine Spezialfirma eingesetzt, da die Kadaver mit Schadstoffen belastet sind.

Landrat Christian Tylsch (CDU) sagte MDR SACHSEN-ANHALT, es biete sich vor Ort ein katastrophales Bild, das man so schnell nicht vergesse. Ein Kriseninterventionsteam werde sich um die betroffene Familie kümmern.

Wenn man in so einen verbrannten Stall guckt, in dem Tiere drin waren, sieht man Sachen, die man eigentlich nicht sehen möchte. Landrat Christian Tylsch

Fünf Kräfte der Feuerwehr verletzt

Zwischenzeitlich waren bis zu 100 Feuerwehrleute aus der Region vor Ort. Sie kühlten Dächer und sorgten durch eingeschlagene Scheiben für Belüftung. Dadurch sollte verhindert werden, dass die Flammen auf weitere Ställe übergreifen. Durch umherfliegende Asche kam es auch zu kleineren Bränden auf einem angrenzenden Feld, die von den Einsatzkräften gelöscht wurden. Fünf Feuerwehrleute wurden bei den Löscharbeiten leicht verletzt, zwei von ihnen kamen zur Beobachtung ins Krankenhaus. Zudem wurde eine Drehleiter beschädigt.

Eine abgebrannte Stallanlage und Rauch in der Luft.

Am Morgen wurde das ganze Ausmaß des Feuers sichtbar.

Anwohner rund um Düben sollten zwischenzeitlich Fenster und Türen schließen

Wegen des starken Brandgeruchs wurden Anwohner mehrere Stunden gebeten, Fenster und Türen geschlossen zu halten sowie Klimaanlagen auszuschalten. Die Warnung ist inzwischen aufgehoben. Eine Gefahr für die Bevölkerung bestand nach Behördenangaben nicht.

Nutzerinnen und Nutzer diskutieren

Bei den MDR-Nutzern in den Sozialen Netzwerken wird das Thema viel diskutiert. Instagram-Nutzerin margretnettrechlich hält eine Feuerlöschanlage für Pflicht. Sie fragt: „Warum gibt es dort keine?“ Ähnlich äußert sich deathles_amy. Sichtlich erschüttert ist eibenshof: „Grausam. Unsere Herzen weinen.“ Alles einfach nur grausam, kommentiert rene.aus.wr.

Ein guter Zeitpunkt, seinen Fleischkonsum zu überdenken, regt Kate Kirsch bei Facebook an. „Leider wird aus so einer Katastrophe nicht gelernt, findet Mandy Köllner und befürchtet: „Die Tiere müssen weiter leiden, damit der Gewinn passt.“ Während Gabriele Dormann ein Verbot für solche Ställe fordert, wünscht Annett Saumer den Feuerwehrleuten, die beim Einsatz verletzt wurden gute Besserung und dankt für ihren Einsatz.

Eine beschädigte Drehleiter eines Feuerwehrautos.

Die Drehleiter der Coswiger Feuerwehr wurde bei dem Einsatz beschädigt.

Peta kündigt Strafanzeige an

Die Tierschutzorganisation Peta kündigte unterdessen an, Strafanzeige gegen die Verantwortlichen zu erstatten. Nach Angaben der Organisation wurden seit Beginn dieses Jahres bundesweit bereits 25 Stallbrände öffentlich bekannt, bei denen Tiere ums Leben kamen. Peta fordert strengere Brandschutzvorgaben in Tierhaltungsbetrieben und verweist auf mögliche Verstöße gegen tierschutzrechtliche Bestimmungen.

Video: Großbrand in Schweinemastanlage: Tausende Tiere verenden in Düben (1 Min)

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Mehr Einsätze der Feuerwehr

Mehrere Gartenlauben sind verkohlt, es liegt Schutt herum. Ein Haus ist nach einem Brand verrußt.

MDR (M. Nass, M. Hensch, L. Wohlfarth, N. Düsekow, K. Bunk), dpa | Dieser Artikel wurde erstmals am 15. Juli 2026 veröffentlicht.